Auditorium del Parco in L´Aquila

Geschwungene Schallsegel für hölzernen Würfel

Als kultureller Treffpunkt in nächster Nähe vom Stadtzentrum soll das Auditorium del Parco neue soziale und musikalische Impulse in L'Aquila anstoßen. Insbesondere die Altstadt der Gemeinde in den italienischen Abruzzen war im Zuge eines Erdbebens 2009 weitgehend zerstört worden, sämtliche musikalische Institutionen waren betroffen. Weil das alte Auditorium als Teil der Burganlage eine aufwendige Restaurierung erfordert und langfristig nicht zugänglich ist, stiftete die Provinz Trient den temporären Neubau eines Konzertsaals im umliegenden Park. Die kulturell interessierten Bewohner von L'Aquila begeben sich nun auf einen gewohnten Weg, um ein Konzert anzuhören: Das Auditorium del Parco, geplant durch den Renzo Piano Building Workshop aus Genua in Zusammenarbeit mit dem Mailänder Atelier Traldi bietet Raum für rund 240 Zuschauer und 40 Musiker.

Gallerie

In Anlehnung an die hölzernen Klangkörper eines Musikinstrumentes entwarfen die Architekten drei unterschiedlich große, würfelförmige Baukörper mit einer Umhüllung aus Brettschichtholz. Sie sind unregelmäßig angeordnet, wirken fast durcheinandergewürfelt: Der größte steht in der Mitte, hat eine Kantenlänge von 18 m und beinhaltet den Hörsaal. Er steht nicht rechtwinklig auf dem Boden – seine Neigung im Winkel von 30° erzeugt eine beinahe instabile Wirkung. Mit der nach vorne geneigten Front begrenzt er einen Vorplatz im Nordwesten, seitlich leicht abgewinkelt eingefasst durch die beiden kleineren Würfel. Diese weisen Seitenlängen von 11 bzw. neun Metern auf und beinhalten ein Foyer mit Toiletten bzw. Technikräume und Umkleiden für die Künstler.

Umbaute Stege aus Eisen, Glas und Holz verbinden das Auditorium mit den Nebenfunktionen, der Zuschauersaal ist beidseitig zugänglich. Das zentrale Podium für das Orchester ist um 40 cm angehoben. Die Haupttribüne mit acht mal 24 Sitzplätzen ist vor der Bühne angeordnet, zwei mal 24 Sitzplätze befinden sich hinter dem Podium. Die Besucher gelangen aus dem Foyer von der linken Seite in den Saal, die Musiker aus den Umkleiden von rechts. Rückwärtig befindet sich ein Notausgang mit Metallleiter nach draußen.

Für Holz als Baumaterial sprach einerseits die Möglichkeit der hohen Vorfertigung, zum anderen die guten akustischen, aber auch seismischen Eigenschaften. Die Konzerthalle ist nicht für die Ewigkeit gedacht, das Baumaterial zwar vergänglich, aber zugleich dauerhaft. Die tragende Struktur des Gebäudes besteht aus Sandwichelementen, gefertigt aus überkreuz verleimtem Brettschichtholz (von Tannen aus dem nahen Val di Fiemme). Eine äußere Schicht von Paneelen ist mit einer inneren über eine gitterähnliche Balkenstruktur verbunden. Die bunte Umhüllung ist aus 6.000 Lärchenholzleisten in 24 verschiedenen Farben gefertigt. Der Hörsaal steht auf einer Basis mit 16 elastisch gelagerten Stützen, um seismischen Kräften standhalten zu können. 

Akustik
Die akustische Planung des Konzertsaals war aufgrund seiner Orientierung, der Geometrie und Materialien eine Herausforderung. Die Außenhülle bot nicht genügend Abschirmung gegen Lärm, die geneigten Wände warfen den Schall zu seiner Quelle, also den Musikern, zurück. Zudem waren die Innenwände aus Holz so glatt, dass sie den Schall nicht ausgewogen verteilten, wie es für gutes Klangerleben nötig ist.

Die Akustikplaner von Müller-BBM verfolgten vier Strategien, um diese Schwierigkeiten zu lösen: Damit die Vorsatzschale aus Lärchenholz wirksamen Schallschutz bietet, wurde sie elastisch gelagert. Um den Schall im Innenraum gleichmäßig zu verteilen, wurden Decken und Wände mit Ausfräsungen in unterschiedlicher Tiefe und Breite versehen. Auf diese Weise wird der Schall an den Holzplanken vielfach gebrochen und die Musik klingt weicher. Als dritte Maßnahme schlucken in die Decke integrierte Absorptionsflächen (gefräste Holzplatten, hinterlegt mit Mineralwolle) einen Teil der Schallenergie. Besonders auffallend aber ist die letzte der vier akustischen Maßnahmen: Mehrere hölzerne Schallsegel lenken die musikalischen Klänge dorthin, wo sie gehört werden sollen. Eines hängt über dem Orchester, zwei weitere an den Seiten des Konzertsaals und eins hinter dem Publikum, damit dieses förmlich in die Musik eintauchen kann. -us

Bautafel

Architekten: Renzo Piano Building Workshop, Genua in Zusammenarbeit mit Atelier Traldi, Mailand
Projektbeteiligte: Müller-BBM, Planegg (Akustikplanung); Favero & Milan, Köln (Statik und Haustechnik); GAE Engineering (Brandschutzplanung); Franco Giorgetta, Mailand (Landschaftsplanung);
Bauherr: Autonome Provinz Trient
Fertigstellung: 2012
Standort: Viale delle Medaglie d'Oro, L'Aquila
Bildnachweis: Nicola Vernesoni und Marco Caselli Nirmal

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