Rathaus in Bakum
Städtebaulich neu geordnet
Der Neubau des Bakumer Rathauses setzt im historischen Dorfkern der beschaulichen niedersächsischen Gemeinde einen städtebaulichen Akzent, indem er einen neuen Gemeindeplatz mit klarer räumlicher Fassung zur Kirchstraße etabliert. Für den Neubau nach Plänen von kbg Architekten musste ein deutlich kleineres Verwaltungsgebäude aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit geringer städtebaulicher Qualität weichen. Auf seinem Standort entstand der neue Vorplatz. Allerdings wurde der Bestandsbau erst nach Fertigstellung des Neubaus abgetragen, da die Büros während der Bauzeit weiter genutzt wurden. Für die Verwaltungsmitarbeitenden war dies sicher nicht immer angenehm – rückte der Neubau doch zum Teil bis auf eine schmalen Spalt an den Bestand heran.
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Mehrfach geknickte Kubatur
Der 2- bis 2,5-geschossige, in dunkelrote Klinker gehüllte Baukörper mit einer Bruttogrundfläche von 2.184 Quadratmetern erhebt sich über einem polygonalen Grundriss. Er bildet zwei unterschiedlich große Schenkel aus, die den Platz an der Nordost- und Nordwestseite fassen. Ein höherer Kopfbau im Südwesten markiert den Auftakt des Gebäudes, während eine großzügige Loggia im Obergeschoss den Blick gen Südosten zum historischen Dorfkern und zur neugotischen Hallenkirche St. Johannes Baptist öffnet.
Das raumhoch verglaste Entrée befindet sich am Ende des Platzes im parallel zur Kirchstraße verlaufenden Flügel. Der Gebäudeteil knickt ein weiteres Mal ab und erhöht sich um ein halbes Geschoss, das mit einem regionaltypisch geneigten Dach und einem prägnanten Giebel zur Schulstraße abschließt.
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Licht und Offenheit
Im Inneren prägen Durchlässigkeit, Großzügigkeit und Tageslicht das Raumgefühl. Das Foyer ist als Atrium konzipiert und erlaubt Sichtbezüge zwischen den offenen Flurbereichen. Das Holz für Böden, Decken und Einbauten erzeugt eine warme Atmosphäre, während die großen Fensterflächen eine optimale Belichtung gewährleisten.
Im Rhythmus der Fassade
Die Fassade des Rathauses ist durch einen Wechsel aus Mauerwerkslisenen, raumhohen Fenstern und geschlossenen Verblenderflächen geprägt. Die Mauerwerkslisenen gliedern die Außenhaut, betonen die Vertikale und schaffen so einen Ausgleich zur langgestreckten Kubatur. Daneben verweisen sie subtil auf die historischen Fachwerke der Umgebung.
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Für das Verblendmauerwerk wurden eigens gefertigte Bauteile eingesetzt, wie etwa die Mauerwerksanker zur Rückverankerung. Die Verblender wurden ebenfalls speziell für das Projekt produziert: Es handelt sich um Wasserstrichklinker, die ohne Kohle und Reduktion gebrannt wurden. Dadurch konnte der Blauanteil im Klinker minimiert und ein warmer, erdiger Farbton erzielt werden. Die Steine wurden im schleppenden Läuferverband vermauert.
Konstruktiv handelt es sich um einen Stahlbetonskelettbau mit Innenwänden aus Kalksandstein, die schlanke Konstruktionen mit hohen Schall- und Brandschutzeigenschaften ermöglichen. Die geschlossenen Außenwandflächen sind zweischalig mit einer Kerndämmung aus Mineralwolle ausgeführt.
Die Kombination aus traditionellen Materialien und zeitgemäßen Ausformulierungen verleiht dem Rathaus Beständigkeit und zugleich eine klare zeitgenössische Identität.
Bautafel
Architektur: kbg architekten bagge grothoff halupzok, Oldenburg
Projektbeteiligte: nsp landschaftsarchitekten + stadtplaner, Hannover (Freianlagenplanung); Deppe Backstein‑Keramik, Uelsen (Hersteller Verblendklinker); KS-Original, Hannover (Kalksandsteine)
Bauherr*in: Gemeinde Bakum, Landkreis Vechta
Fertigstellung: 2024
Standort: Kirchstraße 3, 49456 Bakum
Bildnachweis: Meike Hansen
BauNetz Architekt*innen
Fachwissen zum Thema
KS-ORIGINAL GmbH
Entenfangweg 15
30419 Hannover
www.ks-original.de
