Verwaltung Südweststrom in Tübingen

Klarer weißer Massivbau ergänzt Bürohäuser der 1980er-Jahre

Auf dem Gelände der Tübinger Stadtwerke im Süden der Universitätsstadt realisierten Steimle Architekten für die Südwestdeutsche Stromhandels Gesellschaft – kurz: Südweststrom – ein neues Verwaltungsgebäude. Das Unternehmen bündelt die Interessen verschiedener Stadtwerke Baden-Württembergs gegenüber den großen Energieversorgern und wächst seit seiner Gründung 1999 kontinuierlich. Die Bebauung auf dem Gelände ist heterogen: Neben den Ursprüngen aus dem 19. Jahrhundert entstammen die bisherigen Verwaltungsbauten den 1980er-Jahren. Zudem verteilen sich technische Einrichtungen wie Gasdruckbehälter, Silos und dicke Rohrleitungen über das Areal.

Gallerie

Der sechsgeschossige Neubau steht am westlichen Rand des Geländes. In der Höhe vermittelt er zwischen den vorhandenen Bürohäusern und fasst mit diesen einen gemeinsamen Hof. Das helle, hoch aufragende Volumen ist im Erdgeschoss durch einen flachen Trakt mit dem nördlichen Bestand verknüpft. Ein quadratischer Grundriss und annähernd weißes Verblendmauerwerk zu allen Seiten sorgen dafür, dass die Fassaden gleichwertig erscheinen.

Verbindender Sockel, flexible Büroetagen
Insgesamt bietet das Verwaltungsgebäude rund 3.000 Quadratmeter Nutzfläche. Zum westseitigen Haupteingang führt eine Freitreppe empor. Aufgrund einer leichten Hanglage erstreckt sich das Erdgeschoss über zwei Ebenen, die durch einen Luftraum und eine breite Treppe verbunden sind. Unten befindet sich das Kundenzentrum, die obere Etage öffnet sich mit großen Verglasungen zum Hof und führt über den Verbindungstrakt zum Nachbargebäude.

Die Büroetagen sind flexibel angelegt und lassen sich in Zellen- und Gruppenbüros sowie offene Bürolandschaften unterteilen. Für eine gute Ausnutzung des Tageslichtes sorgen die großen, querformatigen Fenster mit schräg geschnittenen Laibungen. Außenliegende, weiße Sonnenschutzelemente verleihen dem Baukörper in geschlossenem Zustand monolitische Wirkung. Farblich abgesetzt ist der Verbindungstrakt, der durch viel Glas und dunkle Einfassungen geprägt ist.

Die Innenraumgestaltung ist annähernd monochrom: Weißer Linoleum als Bodenbelag trifft auf weiß gestrichene Sichtbetonwände, weiße Akustikdecken und überwiegend weißes Mobiliar. Die metallischen Treppenwangen sind weiß, die Stufen bestehen aus hellem Naturstein.

Energiekonzept: Bauteilaktivierung und Wärmerückgewinnung
Als städtischer Energieversorger legte die Südweststrom besonderes Augenmerk auf eine nachhaltige Konzeption. Das Gebäude ist gemäß EnEV 2014 geplant und entspricht dem Standard KfW-Effizienzhaus 55. Beheizt wird der Verwaltungsbau über Fernwärme. Die Verteilung erfolgt unter anderem über eine Bauteilaktivierung der Betonkerne. Die Stromversorgung wird in Teilen durch eine Photovoltaikanlage gedeckt. Für die Lüftung und Kühlung ist Fensterlüftung kombiniert mit einer Klimaanlage mit Wärmerückgewinnung.

Verblendmauerwerk aus Wasserstrichziegeln
Prägendes Merkmal des Massivbaus aus Beton ist ein Verblendmauerwerk aus Wasserstrichziegeln, deren ungleichmäßige Oberflächen eine lebendige Textur erzeugen. Die Architekten griffen hier das Vokabular eines ehemaligen Gaswerks aus Backstein auf. Die breiten, schräg geschnittenen und weiß verputzten Fensterlaibungen hingegen setzen einen zeitgenössischen Kontrast.

Die 60,5 cm starken Außenwände sind zweischalig mit Kerndämmung ausgeführt. Der Wandaufbau ist von innen nach außen wie folgt: Tragend ist eine 25 cm starke Stahlbetonwand, auf die 22 cm dicke Mineralfaserdämmplatten aufgebracht wurden. Davon um 2 cm abgerückt ist eine 11,5 cm tiefe Klinkervorsatzschale. Der U-Wert der Außenwand beträgt 0,18 W/m²K.

Der helle Wasserstrichziegel im Normalformat hat die Maße 24 x 11,5 x 7,1 cm. Charakteristisch für die im Wasserstrichverfahren hergestellten Vollsteine sind produktionsbedingte Rillen, aufgerissene Oberflächen mit Vertiefungen, unregelmäßige Kanten sowie Aufbrennungen und Kantenabplatzungen. Diese sind im Produktionsprozess nicht steuerbar und daher nicht reproduzierbar, sodass jeder Ziegel ein Unikat ist. Die Klinkervorsatzschale ist im Läuferverband gemauert. Die über den Fensteröffnungen angeordnete Rollschicht aus senkrechten Ziegeln zieht sich über die gesamte Geschossbreite und betont die Ablesbarkeit der Etagen. Durch die Perforierung der Klinkervorsatzschale an zwei Gebäudeseiten im Erdgeschoss entsteht ein abwechslungsreiches Lichtspiel im Inneren.

Bautafel

Architekten: Steimle Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: Guggenberger + Ott Architekten, Stuttgart (Bauleitung); Schneck Schaal Braun Ingenieurgesellschaft Bauen, Tübingen (Tragwerksplanung); Jetter Landschaftsarchitekten, Stuttgart (Landschaftsplanung); Ziegelei Hebrok, Natrup-Hagen (Klinker)
Bauherr: Südwestdeutsche Stromhandels Gesellschaft, Tübingen
Fertigstellung: 2017
Standort:
Eisenhutstraße 6, 72072 Tübingen
Bildnachweis: Brigida González, Stuttgart; Steimle Architekten, Stuttgart

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