Johanna-Moosdorf-Schule in Leipzig

Die höchste Schule der Stadt

Noch lange nach der Wiedervereinigung lag ein recht prominentes Grundstück an der stark befahrenen Prager Straße im Südosten Leipzigs brach. Über zwei Hektar Bauland entwickelten sich mit den Jahren zu einem urbanen Biotop. Seit Kurzem prägt nun ein großmaßstäblicher Neubau die Straßenkreuzung: die Johanna-Moosdorf-Schule. Ein kleiner Teil des gewachsenen Biotops konnte erhalten bleiben und schirmt den Verkehrslärm ab.

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Spuren einer Brache

Anfang des 20. Jahrhunderts dominierten Gründerzeitblöcke die Nachbarschaft zwischen Prager und Philipp-Rosenthal-Straße. Der Großteil dieses Bestands fiel dem zweiten Weltkrieg zum Opfer; vom ruinösen Zustand befreit wurde das Areal hingegen erst nach der Wiedervereinigung. Seitdem wuchs auf der Brache ungestört ein dichter Busch- und Baumbestand heran, in dem Fledermäuse, Brutvögel und der seltene Rosenkäfer ihr Zuhause fanden. 

Mit dem Bevölkerungsboom der letzten Jahre erwachte auch das Interesse der Leipziger Stadtverwaltung am zentral gelegenen Grundstück. Nachdem zuerst Büro- und Wohnungsbau angedacht waren, lobte die Stadt 2020 ein VgV-Verfahren für den Neubau eines Gymnasiums aus, in dem sich Schulz und Schulz Architekten aus Leipzig durchsetzen konnten. In knapp zwei Jahren Bauzeit entstand gemeinsam mit einem Generalunternehmen die höchste Schule der Stadt. Namenspatin ist die Schriftstellerin Johanna Moosdorf. Sie machte sich zu Lebzeiten für die Aufarbeitung des Faschismus stark – ein Symbol für die Aufklärungsarbeit von Schulen und eine Erinnerung an die Geschichte des Ortes.

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Effizient gestapelt

Der neue Baukörper besetzt das annähernd dreieckige Grundstück an seiner südöstlichen Spitze und damit direkt an der hochfrequentierten Straßenkreuzung. Den siebengeschossigen Hochpunkt rückten die Architekt*innen um etwa zwanzig Meter von der Grundstücksgrenze ab. Damit konnten sie einen Teil der Vegetation erhalten, die als Lärmpuffer dient. Entlang der vierspurigen Prager Straße schützt zudem ein massiver Gebäuderiegel den rückwärtigen Pausenhof vor Schallimmissionen. Der Haupteingang liegt an der ruhigeren Philipp-Rosenthal-Straße im Westen, wo sich auch zwei gestapelte Turnhallen finden. Die untere Dreifachhalle ist als paralympische Wettkampfstätte konzipiert und unter anderem für Sportarten wie Rollstuhlbasketball, Sitzvolleyball und Blindenfußball ausgelegt. 

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Ebenerdig finden sich mit Foyer, Bibliothek, Mensa und Aula alle öffentlichen Räume des Schulbetriebs. Kontrastierend zur stark horizontal betonten Fassade mit Fensterbändern und sandfarbenen Klinkern erstreckt sich im Innern des Schulbaus ein vertikaler Luftraum über die gesamte Gebäudehöhe. Zwei gegenläufige Treppen bilden das Zentrum des Hauses. Die Klassenräume im Obergeschoss entsprechen mit ihrer Mittelgangerschließung einem eher konservativen Raumkonzept, gleichwohl sollen die hier angeordneten Fach- und Unterrichtsräume als offene Lernlandschaften wahrgenommen werden. 

Eine Ruheinsel

Neben der schützenden Vegetation unterstützt die überhöhte Kubatur des Hauses den Schallimmissionsschutz und ermöglicht lärmfreie Erholungs- und Bewegungsflächen im Innenhof. Von der vierspurigen Straße ist während der Pausenzeiten somit kaum noch etwas zu hören. Doch nicht nur die Lage an der lärmenden Straße erforderte einen erhöhten Immissionsschutz, auch das großzügig gestapelte Raumprogramm musste für rund 1.400 Schüler*innen akustisch durchdacht werden.  

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Große Teile des Schulgebäudes bestehen aus Stahlbeton. Schlanke Akustikelemente aus Holzlamellen an den Decken streuen den Schall über Diffusion in verschiedene Richtungen. Ein Teil der Schallwellen passiert außerdem die Zwischenräume der Stege und trifft auf einen schallschluckenden Filz. Die Bewegungsenergie der Luftteilchen wird schließlich durch die entstehende Reibung in winzige Mengen Wärmeenergie umgewandelt. 

Im Bereich der Turnhallen kamen aufgrund der dynamischen Lasten vorgespannte Beton-Fertigteilelemente zum Einsatz. Zwar eignet sich Stahlbeton mit seiner hohen Masse dafür, Schallwellen zwischen den Geschossen zu unterdrücken, doch produziert der glatte Baustoff im jeweils eigenen Geschoss harte Echos und wird zum hervorragenden Leiter für Tritt- und Körperschall. Deshalb nutzte man die statische Höhe des Deckentragwerks und füllte die Zwischenräume mit grün gefärbten Aluminium-Akustikelementen aus. Die Fachplanung Akustik übernahm GAF aus Leipzig. 

Bautafel

Architektur: Schulz und Schulz Architekten, Leipzig
Projektbeteiligte: GAF mbH, Leipzig (Akustikplanung); Mathes Beratende Ingenieure GmbH (Tragwerksplanung); r+b landschaftsarchitektur, Dresden (Landschaftsplanung); BCL Brandschutz Consult Ingenieurgesellschaft mbH, Leipzig (Brandschutz)
Bauherr*in: Stadt Leipzig, Amt für Jugend, Familie und Bildung, vertreten durch das Amt für Gebäudemanagement
Fertigstellung: 2024
Standort: Philipp-Rosenthal-Straße 61-63, 04317 Leipzig
Bildnachweis: Gustav Willeit

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