Calder Gardens in Philadelphia
Vom Highway auf die Blumenwiese
Architektur, Kunst und Landschaft greifen in Calder Gardens unmittelbar ineinander. Im Herzen von Philadelphia verbindet der im September 2025 eröffnete Bau die Architektur des mit dem Pritzker-Preis ausgezeichneten Büros Herzog & de Meuron mit der Landschaftsgestaltung des niederländischen Gartengestalters Piet Oudolf. Das Museum ist dem in Philadelphia geborenen Künstler Alexander Calder und seiner Familie gewidmet.
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Entstehung und Finanzierung
Auf Initiative der Barnes Foundation und ihres damaligen Vorsitzenden Joseph Neubauer sowie der Calder Foundation und ihres Präsidenten Alexander „Sandy“ Rower, Enkel des Künstlers und Bildhauers Alexander Calder, entstand die Idee für einen unkonventionellen Museumsbau. In regelmäßiger Rotation sollen hier Werke Calders präsentiert werden. Rower verantwortet die kuratorischen Belange der Gardens und hat bedeutende Leihgaben eingeworben, die den Bestand der Foundation ergänzen.
Neubauer trieb die Initiative für Calder Gardens maßgeblich voran und half dabei, 90 Millionen US-Dollar für den Bau und das Stiftungskapital einzuwerben. Zudem gewährte die Stadt einen 99-jährigen Pachtvertrag für das Grundstück. Die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der USA und die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2026 bildeten einen wichtigen zeitlichen Rahmen für die Fertigstellung des ambitionierten Vorhabens, das nach jahrelanger Planung im Herbst 2025 abgeschlossen wurde.
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Bunter Garten zwischen Highway und Parkway
Das trapezförmige Grundstück liegt zwischen dem Highway und dem vielbefahrenen Benjamin Franklin Parkway. Von letzterem führt ein Weg durch eine wiesenartige Landschaft auf den zurückhaltend gestalteten Museumsbau zu. Eine große Scheibe (Disc) bildet den zentralen Platz der Anlage und dient zugleich als Dach für die darunterliegenden Galerien. Östlich und westlich der Disc sind zwei abgesenkte Gärten in das Gelände eingelassen: der geometrisch klar gefasste, kreisförmige Sunken Garden und der trapezförmig angelegte Vestige Garden. Sie schaffen geschützte Außenräume für Calders Skulpturen und bringen Tageslicht in die angrenzenden Galerien. Großzügige Verglasungen stellen eine enge räumliche Beziehung zwischen Innen- und Außenraum her: Sie machen die Gärten aus dem Gebäudeinneren erlebbar und ermöglichen zugleich Einblicke in die Ausstellungsräume vom Außenraum aus.
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Eins mit der Umgebung
Der Zugang zu den Ausstellungsräumen befindet sich in einem eingeschossigen, länglichen Gebäuderiegel auf Erdgeschossebene. Die nach Süden orientierte Fassade ist mit reflektierenden Metallpaneelen verkleidet, in denen sich die aufwendig gestaltete Gartenlandschaft spiegelt. Je nach Sonneneinstrahlung und Blickwinkel scheint das Gebäude dadurch nahezu in seiner Umgebung zu verschwinden und fügt sich in die hügelige Landschaft ein. Die zur Straße gewandte Gebäudeseite ist mit schwarzem Holz bekleidet.
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Ebenenspiel im Innenraum
Der Eingangsbereich ist zentral an der Südseite angeordnet. Er ist mit Holz verkleidet und durch einen auskragenden Schrägdachüberstand akzentuiert. Vor der spiegelnden Fassadenfläche bildet er den einzigen Bereich, der sich deutlich aus der Gebäudehülle hervorhebt. Im westlichen Teil des schmalen Gebäuderiegels befinden sich Personal- und Büroräume. Nach Osten entfaltet sich ein abgestuftes Raumgefüge, das die Besucher*innen über eine breite, hölzerne Sitztreppenanlage zu den Ausstellungsräumen im tieferliegenden Geländeniveau führt. Großzügige Verglasungen lassen dort Tageslicht in die Innenräume und setzen die Werke von Calder wirkungsvoll in Szene.
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Oudolfs Garten
Die Gartenlandschaft wurde vom niederländischen Landschaftsarchitekten Piet Oudolf entworfen. Seine sinnlich und zugleich wild anmutenden Pflanzungen versteht der international bekannte Gartengestalter sowohl als emotional aufgeladene Kompositionen als auch als öffentliche Erfahrungs- und Lehrräume. Zu seinen bekanntesten Projekten zählen die High Line in New York (2009–2019), die in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsarchitekten James Corner und dem Architekturbüro Diller Scofidio + Renfro entstand, der Garten von Hauser & Wirth Somerset (2014) sowie der Lurie Garden in Chicago (2004).
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Auf einer Fläche von 1,8 Hektar umfasst die Anlage sieben thematisch gestaltete Gartenbereiche mit Block- und Matrixpflanzungen. Die naturnah gestaltete Landschaft verändert sich im Wechsel der vier Jahreszeiten und beherbergt 37.000 Stauden aus mehr als 195 Arten sowie über 50 Baum- und Straucharten und mehr als 15 Kletterpflanzenarten. Im Unterschied zur traditionellen Praxis, Stauden bereits im Herbst zurückzuschneiden, werden die Pflanzen in Calder Gardens erst im Spätwinter oder frühen Frühjahr zurückgeschnitten. Dadurch können Insekten ihre Überwinterung im Pflanzenmaterial abschließen, während der Garten auch in den Wintermonaten seine Struktur und Textur behält. Ein möglichst großer Teil des abgestorbenen Laub- und Pflanzenmaterials verbleibt vor Ort und trägt so zur Bildung organischer Substanz im Boden und zur Stabilisierung des Ökosystems bei. Auf diese Weise entstand zwischen den stark befahrenen Verkehrsachsen ein vielschichtiger Landschaftsraum, der einen wertvollen Beitrag zur urbanen Biodiversität und öffentlichen Begrünung leistet.
Bautafel
Architektur: Herzog & de Meuron, Basel
Projektbeteiligte: Ballinger (Ausführung & Baustatik); Piet Oudolf (Design Landschaftsarchitektur); Richard Herbert, Hannah Packer (Team Landschaftsarchitektur); L. F. Driscoll/BFW Group (Generalbauunternehmer); Guy Nordenson and Associates (Beratung Baustatik)
Bauherr*in: Neubauer Family Foundation, Philadelphia, USA
Fertigstellung: 2025
Standort: 2100 Benjamin Franklin Pkwy, Philadelphia, PA 19103, US
Bildrechte: lwan Baan; Herbert Matter; Piet Oudolf; Tom Powel Imaging (Fotos); Herzog & de Meuron (Pläne)
Fachwissen zum Thema
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