Imagine Montessori School in Paterna
Lernen mit der Natur
In dem spanischen Ort Paterna, rund zehn Kilometer nordwestlich von Valencia, liegt die Imagine Montessori Schule. Kinder im Alter von 20 Monaten bis 18 Jahren lernen in der privaten Bildungseinrichtung mittels Prinzipien der Montessori-Pädagogik. Dabei wird zwischen Stadt, der Schlucht Barranc de l’En Dolça und einem mediterranen Pinienwald die Landschaft zum Klassenzimmer. Geplant hat das ortsansässige Architekturbüro Gradolí & Sanz Arquitectes.
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Lage zwischen Stadt, Schlucht und Wald
Die Positionierung des Baukörpers erfolgte auf Grundlage topografischer Analysen: Mithilfe digitaler 3D-Simulationen wurden Extremereignisse wie ein 500-jähriges Hochwasser modelliert, um das Gebäude trotz der Nähe zur Schlucht in sicherer Lage zu verankern. Mit zwei Geschossen und einer subtil geschwungenen Grundform orientiert sich der Baukörper entlang der natürlichen Topografie.
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Mit ihrer niedrigen Kubatur, der behutsamen Ausrichtung und einem charakteristisch gefalteten, begrünten Giebeldach fügt sich die Schule in die umgebene Landschaft ein. Ein Holzsteg führt über einen Bach, durch die Schlucht zum Eingang der Schule und bereitet den Schüler*innen eine naturverbundene, morgendliche Ankunft.
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Materialität als pädagogisches Konzept
Die Schule wurde aus unverputztem und gebranntem Lehm sowie Holz gebaut und besteht aus einem vollständig freiliegendes Tragwerksystem. Diese bewusst rohe Architektursprache verzichtet auf Verkleidungen und dekorative Elemente. Sie ermöglicht einen unmittelbaren Bezug zur Materialität und dient als integraler Bestandteil des pädagogischen Konzepts: eine gebaute Lernlandschaft, in der Kinder physikalische Grundprinzipien intuitiv erfassen können.
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Die Klassenzimmer sind mit flexiblem Mobiliar ausgestattet. Sie folgen damit dem ganzheitlichen und kindzentrierten Montessori Leitbild, das selbstbestimmtes und individuelles Lernen fördert. Auf Tafeln, fest installierte Pulte oder starre Tischreihen wird verzichtet. Architektonische Details wie niedrige Durchgänge, Rückzugsnischen, Podeste oder bodentiefe Fensterplätze schaffen eine altersgerechte Atmosphäre. Zentrum des Gebäudes ist ein großzügiger Erschließungsraum.
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Jedes Klassenzimmer ist einer bestimmten Funktion zugeordnet: von Sprache und Mathematik bis hin zu sensorischem Erleben, Kultur- und Sachthemen sowie alltägliche Fähigkeiten. Die zehn Lernräume öffnen sich über großzügige Verglasungen zur Umgebung. Nach außen ermöglichen überdachte Balkone geschützten Aufenthalt im Freien.
Vier vertikal Licht- und Lufttürme ragen über das Dach hinaus und übernehmen gleich mehrere Funktionen: Sie belichten die Innenräume auf natürliche Weise, ermöglichen thermischen Luftaustausch und schaffen eine visuelle Verbindung zwischen den Geschossen.
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Naturnahes Lernen im Freiraum
Die Freiraumgestaltung des Schulgeländes setzt auf eine möglichst unmittelbare Naturerfahrung. Statt normierter Spielflächen wurde ein offenes Konzept realisiert, das die natürliche Topografie in eine bespielbare Landschaft überführt. Elemente wie Rutschen, Kletterwände, Rampen, Höhlen und Rückzugsorte sind in das Gelände modelliert.
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Als Teil der Umweltpädagogik lag ein weiterer Fokus auf dem sichtbaren Regenwassermanagement. Das gefaltete Gründach leitet Niederschlag über Fallrohre ab. Kurz vor dem Boden enden die Rohre, sodass das Wasser sichtbar in die nächste Rinne fließt. Von hier aus wird es in einer unterirdischen Zisterne gesammelt und zur Bewässerung des Gründachs und des Schulgartens wiederverwendet. Der Wasserkreislauf wird so für die Kinder visuell erfahrbar.
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Ein zentraler Baustein des Begrünungskonzepts sind die Fassaden. An Stahlgittern, Balkonstützen und Fallrohren wächst Blauregen empor: Im Sommer verschattet er die Westfassade, während er im blattlosen Winter die Sonnenwärme ungehindert ins Gebäude lässt. Die Pflanzen sind so Teil eines natürlichen Heiz- und Kühlsystems.
Bautafel
Architektur: Gradolí & Sanz Arquitectes
Projektbeteiligte: J. Luis Vilar / María Navarro / Daniel López (Architekten); Francisco Vallet (Kostenplanung); Adolfo Alonso (Tragwerksplanung traditionell); Albura Wood & Concept, Madrid (Tragwerksplanung Holz); Martí Cots, Barcelona (Metallbau); Cercaa, Barcelona (Ziegelgewölbe); Morata, Madrid (Holzfenster außen); DISBEA showlutions, Barcelona (Innenausbau Holz); Zero Consulting, Barcelona (Haustechnik Phase 1, BREEAM-Beratung Phase 1); GME, Barcelona (Haustechnik Phase 2); Cosmo Stil, Barcelona (Lichtplanung); GBCE, Madrid (Green Building Beratung); Silens Acústica, Barcelona (Akustikberatung); GM Paisajistas, Madrid (Landschaftsarchitektur Phase 1); Drawfield, Madrid (3D-Visualisierungen); Grupo Valseco, León (Generalunternehmer)
Bauherr*in: Zubi Educational Real State
Fertigstellung: 2024
Standort: Valencia, Spanien
Bildrechte: Mariela Apollonio
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