Weingut in Fläsch

Gemauert von Roboterhand

Gallerie

Der Name Gantenbein steht bei Weinkennern für schnörkellose Qualität, die lokale Weinbautradition mit Innovation verbindet. Diesem Prinzip blieben die Besitzer Martha und Daniel Gantenbein treu, als sie die Architekten Valentin Bearth, Andrea Deplazes und Daniel Ladner beauftragten, zwei bestehende Gebäude des Weinguts um eine Kelter- und Degustierhalle zu erweitern. Enstanden ist eine schlichte Form mit einem ungewöhnlichen Mauerkleid, das aus der Ferne betrachtet mit Abdrücken riesiger Trauben versehen scheint. 

Die Hanglage und die erforderlichen Funktionen bei der Weinernte bestimmen die Nutzungsebenen der Kelter- und Degustierhalle: Wird die Rebenernte eingebracht, können die Traktoren direkt durch den Hof an den ebenerdig gelegenen Gärraum heranfahren. Darin werden die Trauben dann in zwölf Eichenholzfässern vergoren. Aus den spezifischen Erfordernissen dieses Gärraums ergab sich die Architektur der Halle. Wichtige Voraussetzungen für einen ungestörten Ablauf der Gärungsprozesse sind ein konstantes Raumklima, natürliche Belüftung und gedämpftes Tageslicht ohne direkte Sonneneinstrahlung. Aus diesem Grund wurde der Bau als zweischalige Pfeilerhalle konzipiert.

Die durchbrochene Mauerwerkshülle filtert das Tageslicht und fungiert als Temperaturpuffer, eine innere Schale aus transparenten Polycarbonat-Platten schützt gegen Wind und Wetter. Im Untergeschoss verbindet ein von acht Pilzstützen getragener Keller die Alt- und Neubauten. Dieser Kunstlichtraum wird als Lager- und Speditionsfläche genutzt. Im Dachgeschoss schließlich können Besucher in einer an den Längsseiten verglasten Lounge die Weine verkosten – immer mit Blick auf die umgebenden Weinberge.

Mauerwerk
Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Betonskelettbau mit perforierten Wandfeldern aus Klinkersteinen. Das Bild der überdimensionierten Trauben hatten die Architekten am Computer entworfen und wollten es zunächst in Handarbeit mauern lassen – ohne Erfolg. Die Lösung fand sich schließlich in Form eines Roboters, der gerade an der Fakultät für Digitale Fabrikation der ETH Zürich getestet wurde. Dieser mauerte nach Vorgabe individueller Computerprogramme die 72 Wandfelder der Fassade, die dann vorgefertigt auf die Baustelle geliefert wurden. Die in unterschiedlichen Winkeln gedrehten Klinkersteine bilden zusammen die „programmierte Mauer“, wie die Architekten sie nennen. Da der Roboter nicht mit Mörtel und Kelle umgehen konnte, wurden die Steine mit einem Spezialkleber verbunden, was die Wände zusätzlich auf Biegung belastbar machte.

Das durchbrochene Mauerwerk wirkt nicht nur ästhetisch, sondern über die Öffnungen der Klinkerwand wird Tageslicht in den Innenraum geleitet. Im Zusammenspiel mit der dahinter liegenden, Licht brechenden Polycarbonatverglasung erhält die Gärhalle diffuses, flirrendes Tageslicht. Die Steine speichern zudem die Wärme der Sonne und sorgen für eine gemäßigte Raumtemperatur.

Bautafel

Architekt: Bearth & Deplazes Architekten, Chur und Zürich
Bauherren: Martha und Daniel Gantenbein, Fläsch
Projektbeteiligte: Jürg Buchli, Bauingenieur, Haldenstein (Tragwerk); Gramazio Kohler, Zürich (Digitale Fabrikation)
Fertigstellung: 2006
Standort: Fläsch
Bildnachweis: Neomat Baumaterialien, Beromünster

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