Historische Tragkonstruktionen
von der Antike bis zur Moderne
Birkhäuser Verlag, Basel 2025
1. Auflage, 304 Seiten, 450 s/w Abb; Format 28 × 21 cm, Hardcover
Preis: 68 EUR
ISBN 978-3-0356-2929-3 (Hardcover); 978-3-0356-2930-9 (E-Book)
Viele herausragende Bauwerke weltweit sind maßgeblich durch ihre Konstruktion geprägt. Historische Konstruktionen verkörpern meist das Ergebnis eines langen Prozesses, der zahlreiche Fehlversuche miteinschließt. Die Funktionsprinzipien, die Werkstoffe und Lastabtragung zu verstehen, ist von hohem Wert für alle, die mit der Planung von Bauwerken befasst sind. Das Buch Historische Tragkonstruktionen – von der Antike bis zur Moderne, herausgegeben von Jörg Rehm, leistet einen wichtigen Beitrag in diesem Sinne.
Aufgegliedert in die Kapitel „Holzbau“, „Mauerwerksbau“, „Eisenbau“, „Eisenbetonbau“ und zuletzt „Exkurse“ ist das Werk übersichtlich strukturiert. Die vier Hauptkapitel folgen einem jeweils ähnlichen Schema.
Einfache Zeltkonstruktionen und Jurten sind die Vorgänger von Pfahlbauten, Stabkirchen und Fachwerkbauten bis hin zum sogenannten Zollingerdach, einer Gitterschale, entwickelt von Friedrich Zollinger im beginnenden 20. Jahrhundert. Mit einer kurzen Übersicht der historischen Entwicklung von Holzkonstruktionen beginnt das erste Kapitel. Den Eigenschaften des Werkstoffes Holz sind zwei Seiten gewidmet, kompakt und verständlich. Anschließend geht es um die Fügetechnik – von Zapfen- und Blattverbindungen, die für den Blockbau und die Fachwerkbauweise angewendet wurden, bis hin zu Verbindungsmitteln aus Holz oder Metall. Längere Textabschnitte sind teilweise von den durchgängig schwarz-weißen Zeichnungen und Fotos ganz unterschiedlicher Entstehungszeiten getrennt.
Die Merkmale und Entwicklungsstufen von Sparren- und Pfettendächern werden im Abschnitt über Dachtragwerke erläutert. Behandelt werden dann Holzgewölbe, wie sie in Kirchen und Klöstern ab dem 15. Jahrhundert zu finden sind. Gegen Ende des 17. bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts erreichten Bogenbohlenkonstruktionen im ostdeutschen Raum bereits Spannweiten bis zu zwanzig Metern.
Wer den Bestand erhalten möchte, sollte über „Gefährdungen“ Bescheid wissen: Drei Fehler sind in dem gleichnamigen Abschnitt aufgeführt, die oft zu Schwachstellen bzw. Schäden führ(t)en. Abschließend sind beispielhafte Bauwerke jeweils auf ein bis zwei Seiten beschrieben und mit Fotos dokumentiert.
Die Themenkapitel zum Mauerwerks-, Eisen- und Eisenbetonbau sind ähnlich aufgebaut: Wie sahen die frühesten Bauwerke aus, wie wurde das Baumaterial im Laufe der Zeit erschlossen, transportiert und befestigt? Welche Zusammensetzung und strukturellen Eigenschaften hatte es? Welche historischen Bauten belegen deutliche Fortschritte? Neben vielen Kirchen sind dies im Eisenbau beispielsweise Bahnhöfe oder Flachkuppeln auf Gasbehältern. Beim Eisen- bzw. Stahlbetonbau ist die Bandbreite groß – hier spielen Tragmechanismen bzw. die Unterscheidung von Rahmen- und Flächentragwerken eine entscheidende Rolle.
Mit Beiträgen von Christian Kayser („Untersuchungs- und Dokumentationsmethoden“) und Sabine Kuben („Allgemeine Vorgehensweisen bei Instandhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen“) enthält das letzte Kapitel „Exkurse“ wichtige Ergänzungen. Die mit der Lektüre gewonnenen Erkenntnisse lassen sich so auch in die Praxis überführen: den Erhalt, die Erforschung und Weiterentwicklung historischer Bauwerke.
Das Vorwort des informativen Buches hat Florian Nagler verfasst, die Einleitung ist von Jörg Rehm; als weitere Autor*innen sind Bill Addis, Giulia Boller, Pierluigi D'Acunto, Matthias Jagfeld, Eberhard Möller, Juan Maria Songel und Jürgen Villain aufgeführt. -us
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