Wanderhütten am Jostedalsbreen

Dachlandschaft vor Gletscherfront

Tungestølen ist eine Ansammlung von einigen Wanderhütten, die am Fuße des Gletschers Jostedalsbreen im Westen Norwegens liegen. Das Osloer Architekturbüro Snøhetta entwarf die Hütten mit charakterisitischen Pult- und Satteldächern für eine touristische Nutzung: Umgeben von der imposanten Bergwelt mit steil ansteigenden Gipfeln, ist Tungestølen der ideale Ausgangspunkt für familiäre Wanderungen in die nähere Umgebung, aber auch für geführten Gletschertouren für erfahrene Wanderer. Eröffnet wurde das Ensemble am größten Gletscher Kontinentaleuropas offiziell von der norwegischen Königin Sonja im Herbst 2019. Seine Tore öffnete Tungestølen für Gäste aber erst im Juni 2020, denn die kurze Wandersaison findet ausschließlich im Sommer und Herbst statt.

Gallerie

Gewappnet gegen widrige Wetterbedingungen
Die ursprünglich auf dem kleinen Plateau angesiedelte Wanderhütte wurde Ende 2011 vom Wirbelsturm Dagmar zerstört, der über Norwegen und die skandinavischen Nachbarländer hinwegfegte. Die alte Hütte hatte mehr als zehn Jahre als beliebtes Ausflugsziel und Unterkunft gedient. Luster Turlag, ein lokaler Zweig des Norwegischen Wandervereins (Den Norske Turistforening, kurz DNT), und die nahegelegene kleine Gemeinde Veitastrond beschlossen, den Bau zu ersetzen. Durch Spenden und einen internationalen Architektenwettbewerb, den Snøhetta für sich entscheiden konnte, kam das Projekt in Gang. Der Entwurf des Osloer Büros verstand sich als architektonische Antwort auf die durch den Klimawandel geänderten Wetterbedingungen der Bergregion. Dazu entwarf man neun robuste fünfeckige Hütten in Holzrahmenbauweise mit einem Tragwerk aus Brettschichtholzstützen und Brettsperrholz-Platten.

Verkleidet ist die Gebäudehülle mit Erzkiefernholz, das auf Norwegisch Malmfuru heißt. Dabei handelt es sich um das Kernholz von speziell behandelten alten Bergkiefern. Von diesen Bäumen werden die Äste entfernt, wobei man die Stämme stehenlässt. Das Harz steigt in diesen weiter auf und tritt an den Schnittstellen aus. Das stark harzhaltige Kernholz dieser Baumstämme ist sehr widerstandsfähig gegenüber Fäulnis, was auch die gut erhaltenen traditionellen Stabkirchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert belegen.

Raum für Gemeinschaft und Privatsphäre
Die Außenwände der Hütten erhielten eine schnabelartige Form mit charakteristischem fünfeckigen Querschnitt. So sollen starke Winde abgemildert werden, die aus dem Talgrund emporsteigen. Im Innern der Gebäude sorgt die Form der Hütten für eine angenehme Atmosphäre zur Ruhe und Besinnung. Dazu tragen auch die in hellem Holz gehaltenen Wände, Böden und das ebenfalls hölzerne schlichte Mobiliar bei. Kleine Fenster sorgen für Belichtung auf allen Ebenen, während schräg geschnittene Panoramafenster vor allem an den Fassaden den Rahmen für spektakuläre Ausblicke in die Berge setzen.

Die Haupthütte bietet einen großzügigen Raum für gemeinsame Mahlzeiten um große Holztische herum. An seinem höchsten Punkt bemisst sich die Raumhöhe auf 4,60 Meter. Neben diesem Speiseraum gibt es ein Gemeinschaftswohnzimmer mit einem in Stein eingefassten Kamin und umlaufende Sitzbänke. Die derzeit bereits fertiggestellten vier Hütten (Stand 2020) beinhalten weiterhin einen großen Gemeinschaftsschlafraum sowie kleinere private Räume für insgesamt 30 Gäste. Wenn die insgesamt neun Hütten realisiert sein werden, beläuft sich die Kapazität auf 50 Übernachtungsgäste. Einer der Neubauten, der noch in Planung ist, wird dem Entwurf der sogenannten Fuglemyrhytta folgen, die das Architektenteam in Oslo realisiert hatte und die sich seit ihrer Eröffnung 2018 sehr großer Beliebtheit als Wanderhütte erfreut.

Geneigte Dächer: Variation in Form und Neigungswinkeln
Bei den Dächern der Hütten handelt es sich um Sattel- bzw. gegeneinander versetzte Pultdächer, die alle über unterschiedliche Dachneigungen verfügen. Die Architektur der einzelnen Berghütten spielt mit den Ausdrucksformen des geneigten Daches, das hier mehr Teil des Kubus ist, als reines Dach. Mal als asymetrisches Satteldach, mal Pult von flach geneigt, bis zur steilen Neigung eines Mansarddaches spiegelt die Dachlandschaft eher unterschiedlich steile Hänge der Bergwelt wieder, als klassische Dachformen.

Die teilweise sehr steilen und hohen Dachflächen werden zum Teil von Reihen kleiner rechteckiger Fenster durchbrochen, die für Licht im Innern sorgen. Ebenso wie die Fassaden, sind die Dächer mit besonders witterungsbeständiger Kiefer verkleidet, um den rauen Klimabedingungen zu trotzen.

Dachaufbau (von außen nach innen):

  • Boden-Deckelschalung
  • Lattung und Konterlattung als Hinterlüftungsebene (je 48x48mm)
  • Unterspannbahn und winddichte Ebene
  • Holzmassivelement 150mm
  • Brettschichtholzträger 148mm
  • Die Dachschrägen sind teilweise mit Akustikelementen aus HWL-Platten verkleidet (Leichtbauplatten aus langfaseriger Holzwolle).

Bautafel

Architektur: Snøhetta, Oslo
Bauherrschaft: Luster Turlag
Standort: Luster, Norwegen
Fertigstellung:
2019
Bildnachweis: Jan M. Lillebø, Bergern; Ketil Jacobsen, Oppland; Courtesy of Snøhetta

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