Berghaus Zallinger bei Kastelruth

Renovierter Altbau und neue Chalets in Holzbauweise

Wer das Berghaus Zallinger auf der Seiser Alm in Südtirol besucht, der sollte Freude am Wandern haben. Das auf einer Höhe von 2.054 Metern gelegene Hotel und Gasthaus ist am besten zu Fuß erreichbar. Urlaubsgäste werden aber auch mit einem Raupenfahrzeug oder einem Skibob abgeholt, wenn sie mit dem Auto bis zur nächsten Ortschaft Saltria fahren. Ein Besuch der Zallinger Hütte lohnt in jedem Fall: Inmitten einer Wiesen- und massiven Berglandschaft sind als Höhepunkte der italienischen Dolomiten der Platt- und der Langkofel in Sichtweite.

Gallerie

Bei der Renovierung des Haupthauses, das Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, und dessen Erweiterung durch sechs Chalets nahmen die Architekten von noa* – network of architecture traditionelle Gestaltungsmerkmale der Südtiroler Alpen auf. Kennzeichnend für das Ensemble, das sich als beschauliche Dorfgemeinschaft darstellt, sind kleinteilige Fassaden aus Massivholzblöcken unter sanft geneigten Satteldächern. Die Anordnung der Neubauten orientiert sich an der ursprünglich vorhandenen Struktur: Um die in Holzbauweise errichtete Berghütte gruppierten sich einst sieben Scheunen und eine kleine Kirche. Die Scheunen wurden später durch ein großes Gebäude ersetzt, das im Laufe der Zeit umgenutzt wurde. Die Architekten renovierten das historische Haupthaus und strukturierten es neu, die ehemalige Scheune wurde abgerissen. Den Kern des Ensembles bildet heute ein mehrgliedriger, weitgehend flacher Neubau, der mit dem südlichen Haupthaus im Erdgeschoss verbunden ist. Die Chalets stehen paarweise im Norden, Osten und Westen, die kleine Kirche blieb als Wahrzeichen erhalten. Im Erdgeschoss des Altbaus befinden sich die Gemeinschaftsräume wie Empfang, Lobby, Lounge und Restaurant, im Obergeschoss 13 Gästezimmer. Das Restaurant und die Lounge stehen auch externen Besuchern offen. Im Winter machen hier Skifahrer zum Mittagessen Rast, da sich die Hütte an den Hauptrouten der Seiser Alm befindet. Das Restaurant und die Terrasse nehmen die gesamte Süd- und Südwestseite des Haupthauses ein.

Zu dem zentralen Neubau gehört ein Wellnessbereich mit einer separaten, blechverkleideten Sauna. Diese eröffnet zu einer Seite Ausblick ins Tal und zur anderen Richtung Plattkofel. Das Fenster zum Berggipfel ist um 45° geneigt, damit es auch bei Schneefall frei bleibt. Ein Ruheraum mit Teeküche und ein Dampfbad runden das Angebot ab. Die sechs Chalets bieten insgesamt 24 Zimmer: Je vier sind über einen gemeinsamen Korridor zugänglich. Jedes Zimmer hat ein Doppelbett sowie eine Galerie mit Schlafmöglichkeit für ein bis zwei Personen. Unter der Galerie befinden sich die offen konzipierten, durch Vorhänge abtrennbaren Bäder; das WC ist räumlich separiert.

Nachhaltig Bauen
Im Zuge der Erweiterung wurde entschieden, das gesamte Gebiet vom Autoverkehr zu befreien: Gemeinsam mit sechs weiteren Schutzhütten wurde ein Sammelparkplatz für die Gäste im Tal eingerichtet. Die Chalets sind in vorgefertigter Holzbauweise auf einem Betonfundament erstellt. Für die Fassade kamen Massivholzblöcke zum Einsatz, die versetzt in zwei Reihen hintereinander angeordnet sind. Dadurch ergibt sich ein wechselhaftes, interessantes Fassadenbild. Die Fenster lassen sich durch große Klappläden aus dem gleichen Material verschließen, so dass die Holzhäuser rundum einheitlich erscheinen. Vor den Fenstern sind die Holzelemente einlagig, so dass Tageslicht durch die Aussparungen in die Räume dringt. Dort dominiert unbehandeltes, regionales Lärchenholz als Bekleidung der Wände, Böden und Decken. Auch die Möbel sind teilweise daraus gefertigt – so zum Beispiel der Waschtisch, Bücherregale und Ablageflächen. Die Treppe und das raumhohe Geländer der Galerie bestehen ebenfalls aus Holz. Das Material wirkt temperatur- und feuchteausgleichend, ist also günstig für das Raumklima. Die Dächer sind mit Holzschindeln gedeckt. Durch die Verwendung von Holz aus der Region (innen wie außen) waren die Transportwege kurz und der Energieaufwand gering.

Das Gestaltungskonzept von Restaurant, Bar, Lobby und Lounge zeigt sich mit dunkelgrünen Farbtönen, gestrickten Kissenbezügen und Filz inspiriert von der traditionellen, regionaltypischen Jagdkleidung. Hinter der Holzverkleidung von Wänden, Decken und Böden sind schallabsorbierende Paneele montiert. Zur Schallreduzierung dient außerdem ein Bodenbelag aus Filz. Ein großer Baumstamm bildet die Theke im Bereich der Bar.

Um das Gebäudevolumen nicht auf Kosten der Landschaft zu maximieren, wurde auf eine Klassifizierung des Hotels von 4 Sternen verzichtet. Mit dem vorhandenen Platz wurde bedachtsam umgegangen, um auf relativ kleinen Abmessungen hohen Komfort zu bieten. Zur Vermeidung von Lichtverschmutzung sind die Wege zwischen Chalets und Haupthaus nicht beleuchtet. Den Weg finden die Gäste bei Dunkelheit mit tragbaren Laternen. Heizung und Warmwasser werden durch eine umweltbewusste Hackschnitzelanlage betrieben, die einen stark reduzierten CO2-Ausstoß aufweist. Ein unterirdischer Speicher ermöglicht die Lagerung der Hackschnitzel während des Sommers, die dann im Winter verbraucht werden. Die Anlage trägt das Qualitätssiegel KlimaHotel, das nachhaltige Tourismusbetriebe auszeichnet und von der Klimahausagentur Südtirol vergeben wird.

Bautafel

Architekt: noa* – network of architecture, Bozen
Projektbeteiligte:
KTB, Bozen (Statik, HLS- und Elektroplanung); Ramoserbau, Klobenstein (Ausführung); Aster Holzbau, Jenesien (Zimmermann); Christian Gramm, Kastelruth (Hydrauliker)
Bauherr:
Berghaus Zallinger, Luisa Schenk und Markus Burger
Fertigstellung:
2017
Standort:
74, Via Saltria, 39040 Castelrotto BZ, Italien
Bildnachweis: Alex Filz, Bozen

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