Museum Bezau
Konstruktiver Holzbau ergänzt historisches Bauernhaus
In einem denkmalgeschützten Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert ist das Vorarlberger Museum Bezau untergebracht. Innauer Matt Architekten, deren Büro sich ebenfalls in der österreichischen Gemeinde Bezau befindet, erweiterten das für den Bregenzerwald typische „Wälderhaus” um einen Holzbau. Er bietet auf drei Ebenen Platz für ein Foyer sowie flexibel nutzbare Ausstellungs- und Veranstaltungsbereiche. Als eine besonders gelungene Verbindung von denkmalgeschützter Substanz und zeitgenössischer Architektur ist das Bauwerk 2024 mit der Denkmalschutzmedaille der Republik Österreich ausgezeichnet worden.
Galerie
Traditionelle Strukturen zeitgemäß weitergeführt
Den bestehenden, mit Holzschindeln verkleideten Blockbau erweiterten die Architekten im Norden. Bis ins erste Obergeschoss ist der Anbau konstruktiv eigenständig. Erst die gemeinsame Dachkonstruktion verbindet die Gebäudeteile zu einer baulichen Einheit. Mit dem Anbau erhielt das Museum zusätzliche, flexibel nutzbare Ausstellungsflächen: Die Schau beleuchtet historische Ereignisse und Geschichten aus der Region, behandelt Sitten und Brauchtümer. Der Entwurf orientiert sich an den regional typischen, traditionellen Bauernhäusern. Sie waren häufig zweigeteilt: Vorne befanden sich Wohnräume, rückwärtig Stall und Scheune. In ähnlicher Weise ergänzt der Anbau das historische Wohnhaus als modernes Gegenstück zur Scheune.
Galerie
Historische und neue Bausubstanz ergänzen sich
Der Haupteingang mit einem kleinen Vorplatz befindet sich an der Ostseite des Anbaus und orientiert sich zur Straße. Über einen barrierefreien Zugang gelangen die Besucher ins Foyer, wo ein großes Fenster Ausblick in die Landschaft eröffnet. Ein flacher Durchgang führt ins Erdgeschoss des Altbaus. Dessen frühere Außenwand ist nun eine Innenwand und macht die „Nahtstelle“ erlebbar. Über Rundwege führt die Ausstellung durch den Altbau, auf jeder Etage gibt es einen Übergang zum Anbau. Beide Dachräume sind an zentraler Stelle durch einen Flur verbunden. Ein schmales, hohes Fenster im Dachgeschoss des Anbaus gibt den Ausblick zum Dorf frei. Im neuen Untergeschoss befinden sich die sanitären Anlagen und eine Garderobe.
Galerie
Konstruktiver Holzbau auf betoniertem Untergeschoss
Der Kontrast von Alt und Neu prägt das Museum. Die Fassadengestaltung ist am Erscheinungsbild eines traditionellen Strickbaus orientiert. Für die senkrechte Holzverschalung wurde heimisches, sägeraues und naturbelassenes Fichtenholz verwendet. Das neue Untergeschoss ist aus Stahlbeton errichtet. Zum Schutz des historischen Fundamentes kamen zweischalige Betonfertigwände zum Einsatz, die mit Ortbeton ausgegossen wurden. Die Erweiterung ist ein konstruktiver Holzbau. Sämtliche tragenden Elemente bestehen aus Brettschichtholz (BSH) und Brettsperrholz (CLT) aus regionaler Fichte und Tanne. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglichte eine kurze Bauzeit. Das Holz stammt aus nahegelegenen Sägewerken, um kurze Transportwege zu gewährleisten.
Galerie
Handwerklich ausgeführte Holzverbindungen
Die Massivholzdecken bestehen aus Brettschichtholzträgern, der Bodenbelag ist ein Riemenparkett aus Fichte. Eine Holzspäne-Schüttung über der Fußbodenheizung gleicht Feuchte aus und stabilisiert die Dielenaufnahme. Der Liftschacht ist ebenfalls komplett aus Holz gefertigt. Realisiert wurde der Holzbau mithilfe moderner Fertigungstechniken (z. B. CNC-Vorfertigung), sodass der Rohbau bereits nach zwei Tagen fertig war. Die handwerklich ausgeführten Holzverbindungen (Zapfen, Überblattungen, Verschraubungen) sind bewusst sichtbar belassen. Auch die Stützen und Träger in Brettschichtholz sind mit traditionellen Holzdübeln verbunden. Weiß gekalkte Holzverkleidungen an den Wänden, massive Fichtendielen am Boden und ein Mobiliar in Eschenholz sorgen für eine zurückgenommene Innenausstattung.
Bautafel
Architektur: Innauer Matt Architekten, Bezau
Projektbeteiligte: merz kley partner, Dornbirn (Statik); Flatz & Jäger, Bezau (Bauleitung); Kaspar Greber Holz- und Wohnbau, Bezau (Holzbau); DI Günter Meusburger, Schwarzenberg (Bauphysik); Zimmerei Beer, Bezau (Trocken-Innenausbau/Fassade)
Bauherr*in: Museumsverein Bezau
Fertigstellung: 2024
Standort: Ellenbogen 181, 6870 Bezau, Österreich
Bildnachweis: Dominic Kummer, Schwarzenberg, Vorarlberg
Fachwissen zum Thema
Bauwerke zum Thema
BauNetz Wissen Holz sponsored by:
Informationsdienst Holz | getragen durch den Informationsverein Holz, Düsseldorf
Kontakt: +49 (0) 211 9665580 | info@informationsvereinholz.de
und Holzbau Deutschland Institut e.V., Berlin
Kontakt: +49 (30) 20314533 | kontakt@institut-holzbau.de
und Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V., Wuppertal
Kontakt: +49 (0) 20276972732 | info@studiengemeinschaft-holzleimbau.de
