Umnutzung: Integrationskindergarten in München
Hüllflächentemperierung eines denkmalgeschützten Gebäudes
Fast zwanzig Jahre Leerstand sind an dem um 1900 als Wohnhaus erbauten Gebäude im Münchner Stadtbezirk Allach-Untermenzing, das heute als Integrationskindergarten genutzt wird, nicht spurlos vorübergegangen. Dennoch stand das unscheinbare Haus in der Eversbuschstraße, die sich als Verbindungsachse durch Untermenzing und Allach schlängelt, unter Denkmalschutz, denn es ist Teil des Ensembles Ehemaliger Dorfkern Allach. Obwohl es für das Umnutzungsvorhaben lediglich die Vorgabe zur Mindestsanierung gab, hat sich die Bauherrin, die Landeshauptstadt München, dennoch für eine aufwändigere Sanierung mit anspruchsvollem Nachhaltigkeitskonzept entschieden.
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Zentraler Entwurfsgedanke des für die Transformation verantwortlichen Büros Bodensteiner Fest aus München war die Orientierung an den Qualitäten der rund 120 Jahre alten Bausubstanz sowie deren zeitgemäße Fortschreibung. Bei möglichst geringem Eingriff in die Bausubstanz sollte das Gebäude thermisch so ertüchtigt werden, dass es heutigen Komfortansprüchen genügt.
Altes auf Stand gebracht
So wurde zunächst die Fassade anhand historischer Ansichten rekonstruiert – allerdings mit heutigen Materialien. Um eine angemessene Wärmedämmung zu erreichen, kam ein spezieller Aerogel-Putz zum Einsatz, der mit hochporösen Zuschlagstoffen versehen ist, dadurch besonders gute Dämmeigenschaften besitzt und sich somit für die Sanierung denkmalgeschützter Bauwerke sehr gut eignet. Die alten Fenster wurden durch neue ersetzt, deren Sprossen sich am Original orientieren. Um einen zweiten Fluchtweg zu schaffen, wurde ein Treppenturm aus Stahl vor die Nordfassade gesetzt. Durch Berankungen mit Hopfen und wildem Wein wird er in ein paar Jahren als grüne Verlängerung der Kubatur erscheinen. Dann wird er auch ein Pendant zur zwanzig Meter hohen, alten Esche bilden, die an der Südwest-Ecke steht. Sie konnte trotz ihres geringen Abstands von nur einem Meter zum Gebäude erhalten werden.
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Material- und Farbkonzept
Auch im Innenraum wird das Konzept der behutsamen baulichen Fortschreibung verfolgt. Je Ebene wurden zwei Räume zu einem Gruppenraum zusammengeschaltet, im Erdgeschoss eine Garderobe eingefügt und das Dachgeschoss ausgebaut. Die Treppe musste aus baurechtlichen Gründen ausgetauscht werden. Die neue Treppe besteht nun aus Eichenholz für die stark beanspruchten Teile, kombiniert mit hell lasiertem Fichtenholz für die Wangen. Die Innenraumgestaltung ist zurückhaltend. Neben den weißen Wänden und (Akustik)Decken zieht sich ein warmes Grau im Linoleum- und Fliesenboden durch das ganze Haus. Auch der Bestandsboden aus Beton im Erdgeschoss wurde in derselben Farbe gestrichen.
Hüllflächentemperierung nach Großeschmidt
Zur Beheizung des Gebäudes wurde eine Pelletheizung installiert. Die Wärme wird in alle Stockwerke verteilt und dort über ein sogenanntes Großeschmidt-System an den Raum übergeben. Bei diesem vom Restaurator Henning Großeschmidt entwickelten System werden Kupferrohre im Bereich bis zur Fensterbank-Unterkante in Schleifen verlegt – im Grunde also eine Art Teil-Flächenheizung, bei der die wasserführenden Rohre jedoch direkt in die Wand eingebaut sind.
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Das System bietet mehrere Vorteile: Durch die Erwärmung und gleichzeitige Entfeuchtung der Wände werden Transmissionswärmeverluste verringert, Feuchtigkeitsschäden vermieden und Schimmelbildung infolge falschen Heizens verhindert. Zudem wird die Kalte-Wand-Problematik ausgeschlossen, was ein gleichmäßiges und behagliches Raumklima gewährleistet. Die Hüllflächen wirken wie eine Wandheizung, wobei die Wärme überwiegend durch Strahlung abgegeben wird und nicht über Konvektion. Dies steigert die thermische Behaglichkeit und verhindert zugleich die Aufwirbelung von Staub.
Für die Innenraumgestaltung ergibt sich ein weiterer Vorzug: Da keine Heizkörper nötig sind, können die Räume frei möbliert werden. Die Temperaturregelung erfolgt über Wandthermostate, ähnlich wie bei einer Fußbodenheizung. Warmwasser wird dezentral über elektrische Durchlauferhitzer bereitgestellt, wodurch der Installationsaufwand für Rohrleitungen deutlich reduziert werden konnte. -tg
Bautafel
Architektur: bodensteiner fest Architekten, München
Projektbeteiligte: MEAC, München (HLSE); IB Klaus Müller, München (Tragwerk und Bauphysik); Latz + Partner, Kranzberg (Landschaftsarchitektur)
Bauherr*in: LH München, Kommunalreferat, Baureferat (Projektleitung), München
Fertigstellung: 2024
Standort: Eversbuschstraße 155, 80999 München-Allach
Bildnachweis: Meike Hansen, Hamburg/München
Fachwissen zum Thema
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