Erweiterung: International School of Stuttgart
Neuorganisation des Campus und nachhaltige Energieversorgung
Die International School of Stuttgart (ISS) wurde 1985 als Privatschule in Böblingen gegründet; 2001 der Campus in Degerloch, einem Stadtbezirk von Stuttgart, eröffnet. Heute besuchen rund 800 Schülerinnen und Schüler aus mehr als 45 Ländern die ISS – ein gelebtes Beispiel für Internationalität und Zusammenleben. Bereits der ursprüngliche Campus wurde von a+r Architekten (damals noch Ackermann & Raff Architekten Stadtplaner) errichtet. Nun sollte das Ensemble erweitert werden, wofür die Schule das Büro erneut beauftragte. Der Neubau, für den ein Teil des Bestands weichen musste, bietet viele unterschiedliche Lernräume, mit denen der interkulturelle Austausch und das gemeinschaftliche Lernen gefördert werden sollen. Mit den Neubaumaßnahmen wurde außerdem die Chance ergriffen, den gesamten Campus auf eine nachhaltige Wärme- und Kälteversorgung umzustellen.
Galerie
Der viergeschossige Neubau wird südlich und nördlich vom Bestand begrenzt. Nach Norden hin ist das Gebäude abgetreppt und vermittelt so zum zweigeschossigen Bestand. Gleichzeitig entstehen dadurch mehrere Dachterrassen auf unterschiedlichen Ebenen, die sowohl von innen als auch über eine lange, den Außenraum prägende Freitreppe zugänglich sind. Diese verbindet alle Terrassen zu einem zusammenhängenden Kontinuum. Gen Osten springt die Fassade zurück und bildet gemeinsam mit der Treppe eine einladende Geste Richtung Stadtraum, während sich an der Westseite Sport- und Pausenflächen anschließen.
Das neue Herz des Campus ist das weitläufige Foyer, das als Begegnungsraum konzipiert ist. Es dient als Dreh- und Angelpunkt des Schullebens und erschließt die Sonderbereiche wie das Black Box Theater, den Makerspace oder das Designcluster.
Galerie
Gemeinschaftliches Lernen in Clustern
Jeweils zwei bis drei Klassenräume und die dazugehörigen Differenzierungsräume sind als offene Lerncluster organisiert. Dadurch soll eine moderne Lehr- und Lernkultur gefördert werden. In der Mitte der Cluster gibt es eine Multifunktionsfläche mit Blick ins Freie. Durch „Arenen“ und „Cosy Corner“ entstehen vielfältige Kooperations- und Rückzugsmöglichkeiten, wodurch individuelles sowie kooperatives Lernen räumlich unterstützt wird. Das integrierte räumlich-pädagogische Konzept wurde von a+r gemeinsam mit der Schulbauberaterin und Architektin Kirstin Bartels aus Hamburg erarbeitet. Das Raumprogramm wurde in mehreren Workshops mit dem Lehrkörper, den Schüler*innen und Schulvertreter*innen erarbeitet.
Galerie
Wärme und Kälte aus dem Erdreich
Um Wärmeverluste zu minimieren, ist die massive Baukonstruktion mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ausgestattet. Die großzügigen Verglasungen im Erweiterungsbau schaffen helle, transparente und freundliche Lernräume. Eine kontrollierte Raumlüftung mit Wärmerückgewinnung gewährleistet eine konstant gute Luftqualität.
Die Wärme- und Kälteversorgung für Neubau und Bestandsgebäude erfolgt überwiegend über eine reversible Sole/Wasser-Wärmepumpe mit einer Heizleistung von 174,9 kW und einer Kälteleistung von 138,5 kW. Als Energiequelle dienen 32 Erdsonden mit einer Bohrtiefe von jeweils rund 128 m und einer Entzugsleistung von 49 W/m. Zur Abdeckung von Spitzenlasten beim Heizen sowie für die Warmwasserbereitung mit Systemtemperaturen bis 70 °C kommen zwei Gas-Brennwertgeräte zum Einsatz. Insgesamt beträgt die erforderliche Gesamtwärmeleistung für Bestand und Neubau rund 750 kW.
Galerie
Im Neubau wird die Heizwärme über ein Niedertemperatur-Verteilsystem bereitgestellt. Die Räume sind mit Fußbodenheizungen ausgestattet, die im Sommer auch zur Kühlung genutzt werden. Theater und Verwaltung verfügen zusätzlich über Heiz- und Kühlsegel, die eine bedarfsorientierte Klimatisierung ermöglichen. Für die Trinkwarmwasserbereitung steht eine Frischwasserstation mit Heizungspufferspeicher zur Verfügung. Ein großer Teil der Dachflächen ist mit einer Photovoltaikanlage belegt, die zur Eigenstromversorgung beiträgt.
Der Neubau ist nach dem Energiestandard KfW 55 konzipiert und gewährleistet somit einen besonders niedrigen Energieverbrauch und hohe Effizienz. -tg
Bautafel
Architektur: a+r Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: Kirstin Bartels, Hamburg (Beratung räumlich-pädagogische Konzept); pbs Ingenieure, Köngen, und Plan D Ingenieure, Wiesbaden (Elektro, HLSK); Werner & Balci Beratende Ingenieure, Esslingen (Tragwerk, Bauphysik); BAV-Ingenieure, Filderstadt, und eb2 Ingenieurgesellschaft, Ludwigsburg (Brandschutz); g2 Landschaftsarchitekten, Stuttgart (Freianlagen)
Bauherr*in: International School of Stuttgart e.V., Stuttgart
Fertigstellung: 2025
Standort: Sigmaringer Str. 257, 70597 Stuttgart
Bildnachweis: Max Leitner, Stuttgart
BauNetz Architekt*innen
Fachwissen zum Thema
Buderus | Bosch Thermotechnik GmbH | Kontakt 06441 418 0 | www.buderus.de
