City Kids Educational Center in New York
Umbau einer Lagerhalle zur Kindertagesstätte
Der viel befahrene Highway 278 durchschneidet als Hochtrasse den New Yorker Stadtteil Williamsburg. Direkt daneben, oder besser in seinem Schatten darunter, lag im Sockel eines Wohnhochhauses eine dunkle, zweigeschossige Lagerhalle. Diese ließen Barker Associates Architecture Office (BAAO), ein ausschließlich von Architektinnen geführtes Büro, zu einer Kindertagesstätte umbauen – dem City Kids Educational Center. Es gibt schönere Ausgangssituationen für frühkindliche Bildungsräume. Doch den Architektinnen gelang es, über den Grundriss mit Licht und Farbe eine außergewöhnliche, freundliche Atmosphäre zu schaffen, die mit großen Fenstern sogar in den Stadtraum wirkt.
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Lagerhalle wird zur KiTa
Auf knapp über tausend Quadratmetern entstanden im Erdgeschoss sechs Kita-Räume und im Obergeschoss drei Horträume. Dort liegen zusätzlich Räume für nachschulische Aktivitäten: eine Lehrküche, ein Theater- und Toberaum, eine Lounge – sowie Nebenräume. Der Haken im Bestandsgebäude war vor allem die Belichtung – die Flächen im Erdgeschoss sind sowohl durch die dichte städtische Lage als auch durch ihre 27 Meter Tiefe besonders dunkel. Natürlich belichtet werden die Räume nur über die kurze, nördliche Straßenseite. Im Osten und Süden grenzen die Außenwände an Nachbarbebauungen und enge Hinterhöfe und die Westseite schließt direkt an den Hausflur an. Den Räumen mangelt es daher an lichtbringenden Öffnungen und qualitätvollen Außenflächen.
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Architektonische Idee
Als Antwort auf die schwierigen Lichtverhältnisse übertrugen die Architektinnen die urbane Hierarchie von Platz und Bebauung auf die Innenarchitektur. Zwei innenhofartige Hallen bilden das Herz des Gebäudes und erstrecken sich über beide Geschosse. Sie fungieren als Begegnungsort für Kita- und Hortkinder – beim Ankommen, in den Pausen und zum Abschied. Blau gestrichene Hallendecken werden von Pendellichtern in unterschiedlichen Längen und Formen tageshell erleuchtet. Über große Verglasungen in den Trennwänden zu den Gruppenräumen gelangt das Licht in die Tiefen der Fläche, weite Sichtbezüge entstehen, ebenso wie der Eindruck eines Innen- und Außenraums.
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LED-Beleuchtung
Runde Deckenleuchten mit verschiedenen Durchmessern sorgen in allen übrigen Räumen für Licht. Die Lichtkreise verdichten sich über Arbeits- und Aufenthaltsbereichen und geben über ihre Anordnung Bewegungsrichtungen vor. Zum Einsatz kommen sogenannte Smart Twinkle Lights: LED, die per App einzeln steuerbar sind. So können Tageslichtverläufe und Lichtszenarien präzise simuliert und programmiert werden, gleichzeitig bleiben die Räume frei von Schaltern.
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Konstruktion der Hallenwand
Das Gebäude ist ein Skelettbau, was im Innern einen freien Zuschnitt der Grundrisse ermöglicht. Doch obgleich nicht tragend, hat die neu errichtete Hallenwand eine Stärke von fast einem halben Meter und wirkt daher wie massiv gemauert. Tatsächlich wurde sie in Trockenbauweise errichtet. Diese Wandtiefe bringt den Vorteil, die technische Infrastruktur, wie die Elektroverkabelung, Heizungsrohre oder Teile der mechanischen Lüftung im Hohlraum zu verbergen. Das spart Installationshöhe bei den Geschossdecken. Denn das hundert Jahre alte Gebäude wurde über die Zeit immer wieder verändert. In der Lagerhalle unter den Wohneinheiten waren daher bestehende Stützen, Träger und Rohre nur notdürftig verbaut. In der Folge haben hier die Geschosse eine niedrige Raumhöhe von teilweise nur zweieinhalb Metern.
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Gestaltung der Hallenwand
Ein weiterer Vorteil der dicken Hallenwand ist der gestalterische Effekt. Sie vermittelt den Eindruck einer Hausfassade und so das Gefühl, in einem Innenhof zu stehen. Unterschiedlich große Fenster sind verschieden hoch eingebaut, passend zu den jeweiligen Blickhöhen der Kinder – dies gibt dem Raum eine kindgerechte Maßstäblichkeit und Interpretation von Stadt. Gekurvte Fensterlaibungen und deren Umrandungen mit Akustikfilz erzeugen die für eine Stadt typische Vielfalt und Tiefe in den Fassaden. Auch Spinde und Regale sowie Sitzbänke und die Rezeption lassen sich in die Wand integrieren. Der Sockel aus Garderoben erinnert an die Ladengeschosse, die selbst hoch bebauten Städten einen menschlichen Maßstab geben. So auch hier: Die auf die Kinder abgestimmte Einbauhöhe verbessert die Maßstäblichkeit und Orientierung im Raum und unterstützt die Selbständigkeit der Kinder.
Bautafel
Architektur: BAAO Architects / Barker Associates Architecture Office (Alexandra Barker, Christina Ostermier, Annie Paz, Jennifer Levy, Lisa Kuhn)
Projektbeteiligte: PSG Construction (Generalunternehmung), Ralph Albanese (Tragwerks- und TGA-Planung), Roppe (Bodenbelag), Möblierung: Community Playthings (Möblierung), Tilebar + Nemo Tile (Fliesen), Suzhou Soundbetter (Akustikfilz), Optimum Window (Fenster), Jorgensen (Schließfächer)
Bauherr: City Kids
Fertigstellung: 2021
Standort: 240 Meeker Ave, Brooklyn, NY 11211, USA
Bildnachweis: Francis Dzikowski/OTTO
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