Google Bay View Campus in Mountain View
Geschwungene Dächer mit integrierten Solarschindeln
Im Silicon Valley steht seit 2022 der Google Bay View Campus. Seine Silhouette zeichnet sich wie eine Gruppe Zelte vor dem Horizont ab. Der Entwurf stammt vom dänischen Architekturbüro BIG Bjarke Ingels Group, das die Nachhaltigkeitsziele zum Gestaltungsmotiv machte: Wie die graue Schuppenhaut eines Drachen ziehen sich Photovoltaik-Schindeln über das Gebäude und erzeugen unter der konstanten Sonne Kaliforniens sieben Megawatt Strom im Jahr. Sie decken damit rund vierzig Prozent des Strombedarfes, der jährlich auf dem IT-Campus benötigt wird.
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Modularer Grundriss
Das Architekturteam hatte zwei Anforderungen, die dem Entwurf vorausgingen: Bis 2030 soll die Energieversorgung auf dem Campus CO2-frei funktionieren. Zudem sollte eine skalierbare Architektur entstehen, die baulich mit dem Unternehmen mitwachsen kann. Städtebaulich gab es kaum Anforderungen, denn das Grundstück ist fast sechzig Fußballfelder groß und hat weder markante bauliche noch topografische Anhaltspunkte. Daher entwickelte das Team den Grundriss von innen heraus und orientierte sich dabei am menschlichen Maßstab: Ausgehend vom einzelnen Arbeitsplatz gruppierten sie Teambereiche und fassten diese wiederum in größere Nachbarschaften, von denen sie viele zu Clustern aneinanderfügten. So ergab sich eine weite, modular und flexibel aufgebaute Büroebene, die von Raumtrennern und Raum-im-Raum-Einbauten zoniert wird. Diese offene Ebene bildet das erste Obergeschoss, hier arbeiten die Teams.
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Im Erdgeschoss darunter verteilt sich die gemeinsame Infrastruktur: Besprechungs- und Konferenzräume, Café- und Restaurantflächen, Fitness- und Gaming-Räume und vieles mehr. Dazwischen entstehen auf frei bespielbaren Flächen kleine Plätze, die sich zum Obergeschoss öffnen und den Blick auf die zeltartige Dachkonstruktion hoch über den Köpfen der Mitarbeitenden freigeben. Im Innern wirkt das größte der Gebäude wie eine Messehalle. Insgesamt entstanden ca. 102.000 Quadratmeter Fläche, verteilt auf die zwei Geschosse der jeweils drei unterschiedlich großen Gebäude.
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Dachkonstruktion
Deren Dächer stützen sich auf mehrere hohe Stahlpylonen. Darauf lagern Stahlrohre, die sich zu Dreiecken verbinden und so belastbare Flächentragwerke ausbilden. Die Dächer bestehen aus überwiegend quadratischen Dachflächen, die an ihren Stößen in der Höhe verspringen. An diesen Nahtstellen sind vertikale Oberlichter eingebaut, die viel Tageslicht in die Tiefe der Gebäude leiten. Die Flächentragwerke sind gebogen, die Dächer hängen also nach innen durch, was sich statisch günstig auswirkt und eine filigrane, materialsparende Konstruktion und einen schlanken Dachaufbau ermöglicht. Zudem resultieren aus den gebogenen Dächer verschiedenen Lichteinfallswinkel, sodass das Sonnenlicht über den gesamten Tagesverlauf eingefangen und der Stromertrag erhöht wird.
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Dachhaut aus Solarschindeln
Das Dach ist mit 90.000 rautenförmigen Solarschindeln belegt, die dem Dach den Spitznamen Dragonscale, Drachenschuppe, einbrachten. Die Solarschindeln sind in mehrfacher Hinsicht besonders und wurden für dieses Projekt in einer Abfolge von immer wieder verbesserten Prototypen entwickelt. Die Schindeln bestehen aus Polyvinylacetat, in das monokristalline PERC-Silizium-Solarzellen eingelassen sind. PERC-Solarzellen sind auf der Unterseite aluminiumlegiert, sodass auch langwelliges Licht in die Zelle zurückgeworfen und für die Stromerzeugung genutzt wird. PERC-Zellen haben daher einen relativ hohen Wirkungsgrad und sind zugleich günstig in der Produktion. Die hier verbauten Solarschindeln sind zudem rückseitig mit einem feuerfesten Kunststoff foliert. Damit die Solarschindeln Wind und Wetter standhalten, sind sie oberseitig mit einem robusten sechs Millimeter starken Sicherheitsglas abgedeckt.
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Prisma-Effekt
Oberseitig ist dieses schützende Glas strukturiert und beschichtet und hat einen prismatischen Effekt: Damit können die Schindeln mehr Sonnenlicht einfangen und einen höheren Stromertrag erzielen. Zudem verhindert die prismatische Beschichtung blendende Lichtreflexionen. Weil das Gebäude nur etwa neunhundert Meter neben einem Flughafen liegt, war das besonders wichtig. Besonders ist auch die Montage der Schindeln: Herkömmliche Glas-Glas-PV-Module haben einen Aluminiumrahmen zur Befestigung und zum Schutz des schichtweise aufgebauten Moduls. Die hier verbauten Solarschindeln wurden aber rundum versiegelt und wie herkömmliche Schieferschindeln überlappend verlegt, sodass Material und Aufbauhöhe eingespart werden konnten. Der erzeugte Strom wird übrigens ins kommunale Stromnetz eingespeist. Das PV-Dach ist nur ein Teil eines Bündels an gebäudetechnischen Maßnahmen, mit denen der Energie- und Ressourcenverbrauch gesenkt werden soll.
Video
The first campus built by Google | Bay View and Charleston East
https://www.youtube.com/watch?v=q8tinwomjwI
Bautafel
Architektur: BIG Bjarke Ingels Group, Kopenhagen / Heatherwick Studio, London
Planungsbeteiligte: STUDIOS, San Francisco (Innenarchitektur); Adamson Associates, Toronto (Ausführungsplanung); Olin, Philadelphia (Landschaftsarchitektur); Thornton Tomasetti, New York (Tragwerksplanung), Arup, London (Fassadenplanung und Akustikberatung), Integral Group/Introba, New York (TGA- und Brandschutzplanung); FMS, Seattle (Lichtplanung); Loisos + Ubbelohde, Alameda (Beratung Tageslichtplanung); Kleinfelder, San Diego (Geotechnische Planung); Sherwood Design Engineers, San Francisco (Planung Wassermanagement); Applied Wayfinding, London (Leitsystemplanung); BKF, Redwood City (Bauingenieurwesen); Sares Regis, Newport Beach (Projektentwicklung), Whiting-Turner, Baltimore (Generalunternehmen); SunStyle, Bollingen, Schweiz (Solarschindeln)
Bauherr*in: Google
Fertigstellung: 2022
Standort: 100 Bay Vw Dr, Mountain View, CA 94043, USA
Bildnachweis: Iwan Baan, Amsterdam
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