Bürohochhaus Donau Tower in Ingolstadt
Akustisch wirksame Vorhangstoffe für offene Bürolandschaft
Glasfassaden, offene Grundrisse und rund 440 Mitarbeitende: Neue Arbeitswelten sind akustische Herausforderungen. Im Donau Tower in Ingolstadt wurde deshalb mit unterschiedlichen räumlichen und textilen Elementen gearbeitet, um offene Arbeitsbereiche, Besprechungszonen und Rückzugsorte akustisch zu differenzieren. Der Neubau nach Entwürfen von Schulz und Schulz Architekten dient der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte als neue Unternehmenszentrale. Er besetzt eine städtebaulich markante Lage an der Kreuzung der Südlichen Ringstraße und der Manchinger Straße, unmittelbar neben der Saturn-Arena. Mit einer Höhe von rund 57 Metern bildet der Turm einen neuen Hochpunkt in der Stadtsilhouette.
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Der Gebäudekomplex setzt sich aus dem 14-geschossigen Turm und einem weiteren Volumen mit sechs Stockwerken sowie einem verbindenden Sockelgeschoss zusammen. Abgerundete Gebäudeecken und markant hervortretende, horizontal umlaufende Fassadenbänder prägen die äußere Erscheinung. Zwischen den Bändern ist die Außenhülle vollständig verglast und verleiht dem Baukörper Transparenz und Leichtigkeit.
Bündelung unterm Gründach
Der DonauTower umfasst rund 12.500 Quadratmeter Bürofläche. Rund 7.000 Quadratmeter nutzt die Bauherrin selbst und hat dafür zuvor auf acht Standorte verteilte Unternehmensbereiche in dem Neubau zusammengeführt. Die übrigen Flächen stehen externen Mietern zur Verfügung; im Erdgeschoss ist ein Café eingezogen, das auch den Außenbereich bespielt.
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Daneben gibt es zwei weitere Außenbereiche: Die Dachflächen des Sockels und des niedrigeren Volumens sind als intensiv begrünte Dachgärten ausgebildet, die als Aufenthalts- und Erholungsbereiche genutzt werden. In die Freiraumplanung sind Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung integriert: Dach- und Freiflächen dienen als Retentionsräume, während Zisternen zur Bewässerung genutzt werden.
Energieeffizient und zertifiziert
Das Gebäude nutzt Betonkernaktivierung zur Temperierung, auf dem Dach des Turms befindet sich eine Photovoltaikanlage mit 80 kW Leistung und eine intelligente Steuerung vernetzt die gesamte Gebäudetechnik. Aufgrund dieser Maßnahmen wurde das Gebäude von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit Gold zertifiziert und erreichte dabei einen Gesamterfüllungsgrad von 76,6 Prozent.
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Offenheit und Rückzug
Die neue Arbeitswelt der VR Bank ist auf unterschiedliche Formen des Arbeitens und der Kommunikation ausgelegt. Offene Teamarbeitsplätze, Besprechungsbereiche und informelle Kommunikationszonen stehen Rückzugs- und Konzentrationsbereichen gegenüber. Für die Innenarchitekt*innen vom Büro roomarts, die für das Arbeitsweltkonzept verantwortlich zeichnen, bedeutete dies, innerhalb der zusammenhängenden Büroflächen unterschiedliche Grade von Öffentlichkeit, Privatheit und Ruhe zu schaffen, ohne die räumliche Flexibilität einzuschränken.
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Schallabsorption und Sichtschutz
Die Flächen wurden deshalb nicht ausschließlich mit festen Bauteilen zoniert: Eine zentrale Funktion übernehmen textile Trennvorhänge. In den offenen Bürobereichen kommen mehrschichtige Vorhangkonstruktionen zum Einsatz. Der dunkelgrüne, dicht gewebte Vorhangstoff weist mit einem bewerteten Schallabsorptionsgrad von αw = 0,70 eine vergleichsweise hohe Absorptionsleistung auf. Sein Flächengewicht von rund 349 g/m² und seine voluminöse Gewebestruktur unterstützen die schalldämpfende Wirkung. Ein weiterer beigefarbener Akustikstoff mit dreidimensionaler Struktur kommt vor den Verglasungen in multifunktionalen Bereichen zum Einsatz. Er verfügt über einen Schallabsorptionsgrad von αw = 0,45 bei einem Flächengewicht von 358 g/m². Vor den Fenstern dienen halbtransparente, metallisierte Vorhänge mit einem Flächengewicht von 246 g/m² vor allem dem Blend- und Wärmeschutz, tragen mit αw = 0,25 aber ebenfalls zur Schallabsorption bei.
Die Textilien fassen die Räume visuell, steuern Blickbeziehungen und beeinflussen zugleich die akustischen Eigenschaften der Bereiche. So bleiben die Büroflächen veränderbar, während die einzelnen Arbeits- und Aufenthaltszonen dennoch eine erkennbare räumliche Identität erhalten.
Bautafel
Architektur: Schulz und Schulz Architekten, Leipzig
Projektbeteiligte: roomarts, Ingolstadt (Arbeitsweltkonzept, Flächen- und Belegungsplanung, Innenarchitektur); r+b landschaft s architektur (Freiraumplanung); Création Baumann, Langenthal (Akustiktextilien; verwendete Produkte Lord, Kent und Shelter)
Bauherr*in: Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte, Ingolstadt
Fertigstellung: 2025
Standort: Südliche Ringstraße 66, 85053 Ingolstadt
Bildnachweis: roomarts, Ingolstadt
