Floatglas

Herstellung, Formate und Einsatzbereiche

Floatglas ist das heute am meisten verwendete Bauglas. Sein Herstellungsverfahren wurde 1952 von Alastair Pilkington erfunden und 1959 vorgestellt. Es basiert auf einem endlos-kontinuierlichen Prozess, bei dem die geschmolzene Glasmasse auf ein flüssiges Zinnbad fließt. Aufgrund seines geringeren spezifischen Gewichtes, schwimmt das Glas dabei oben. Die Glasmasse breitet sich auf der Metalloberfläche aus, bis sie die sogenannte Gleichgewichtsdicke erreicht hat. Für übliches Bauglas beträgt diese etwa 7 mm. Die Temperatur liegt bei rund 1.100°C. Um eine Oxidation des Zinnbades zu vermeiden, läuft der Prozess unter Schutzgasatmosphäre ab.

Gallerie

Die Dicke des Glases wird über die Geschwindigkeit der Rollen im Kühlbereich eingestellt. Bei der Herstellung von dünneren Gläsern (bis ca. 2 mm Dicke) wird eine höhere Geschwindigkeit der Rollen gefahren, bei dickeren Gläsern wird diese vermindert (bis theoretisch ca. 35 mm Dicke). Der Wechsel zu anderen Glasdicken ist zeitintensiv. So dauert der Wechsel von 4 auf 5 mm etwa 45 Minuten. Das Glas wird bei ca. 600°C in den Kühlbereich überführt, kontrolliert auf ca. 100°C abgekühlt und am Ende automatisch optisch auf Fehler geprüft und geschnitten. Glasscheiben, die im Floatverfahren hergestellt wurden, weisen zueinander planparallele Oberflächen auf. Die Temperaturwechselbeständigkeit von Floatglas beträgt ca. 40°K.

Bei der Produktion von 4 mm Floatglas können etwa 1.100 laufender Meter Glas pro Stunde hergestellt werden. Die üblichen Glasdicken sind 2, 3, 4, 5, 6, 8, 10, 12, 15 und 19 mm. Floatglas wird in der Regel mit einer Breite von 3,50 Metern hergestellt und üblicherweise zu Tafeln im sogenannten „Jumboformat” von 3,21 x 6,00 Meter Länge geschnitten. Während bis vor wenigen Jahren die Glasabmessungen auf dieses Format beschränkt waren, geht der Trend heute zu XXL-Scheibenformaten von bis zu 18 Metern Länge und mehr. Die Produktion, Verarbeitung (thermische Vorspannung, Lamination zu VSG, Isolierglasherstellung etc.) und die Logistik sind heute technisch kein Problem mehr. Durch die Nutzung der überlangen Glasformate ist die geometrische Freiheit bei der Gestaltung von Glasfassaden gestiegen. Gegenüber dem bisher gültigen Maß von sechs Metern, nun auf das Dreifache erweitert, sind deutlich weniger Glasteilungen erforderlich. Für die Planung spielt es zunächst keine Rolle, ob es sich um Anwendungen mit Standard- oder Übergrößen handelt, da beide den gleichen Anforderungen und physikalischen Grenzen unterliegen. Neben einer Überlänge zeichnet sich als weiterer Trend eine Überbreite der Basisgläser ab, die vereinzelt mit Abmessungen bis zu 3,60 Metern angeboten werden.

Floatglas ist in allen Einsatzbereichen anzutreffen und findet u.a. Verwendung in Fenstern, Schaufenstern, Fassadenverglasungen und Möbeln. Auch Spiegel werden aus hochwertigem Floatglas mit einer chemisch aufgebrachten Silberschicht hergestellt, die durch mehrere Deckschichten geschützt wird. Außerdem ist Floatglas Basisprodukt für die Weiterverarbeitung zu vorgespannten Gläsern (ESG, TVG), Verbundgläsern und Isoliergläsern. Es ist jedoch zu beachten, dass Floatglas einen geringen Vorspanngrad besitzt.

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