Pavillon des Avanade Intelligent Garden in London

Myzelplatten und Eschenholzgeflechte

Seit 1913 veranstaltet, gilt sie als älteste Gartenschau der Welt – die RHS Chelsea Flower Show der Royal Horticultural Society. Jährlich findet sie im Londoner Stadtteil Chelsea auf einem 4,5 Hektar großen Gelände statt und versteht sich nicht als traditionelle „Blümchenschau“, sondern als Trendsetterin für zukunftsweisende, nachhaltigere Gärten. Es ist also kein Zufall, dass hier 2025 der Avanade Intelligent Garden ausgezeichnet wurde, den das Londoner Studio Weave gemeinsam mit dem Landschaftsdesignstudio Tom Massey und dem Möbeldesigner Sebastian Cox entworfen hatte.

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Das experimentelle, KI-gesteuerte Gartenstück war der Forschung zu Stadtbäumen in der Klimakrise gewidmet. Er kombinierte von Waldgärten inspirierte Pflanzungen, natürliche, handwerklich verarbeitete Materialien sowie Sensoren und künstliche Intelligenz. Ziel war es, zu zeigen, wie digitale Werkzeuge die Überwachung und Pflege von Pflanzen sowie umweltfreundlicheres Bauen unterstützen können.

Zweites Leben in Manchester

Nach dem Ende der Flower Show wurde der Pavillon demontiert, jedoch nicht entsorgt. Stattdessen zieht er mitsamt der zugehörigen Messtechnik ins knapp 300 Kilometer nordwestlich gelegene Manchester. Ab Frühsommer 2026 wird das kleine Bauwerk dort den noch jungen Mayfield Park ergänzen. Das Überwachungssystem soll der Parkverwaltung helfen, Stresssituationen für Bäume zu erkennen und durch Präventivmaßnahmen zu reduzieren.

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Pavillon auf der Gartenschau

Zahlreiche Fotos dokumentieren den ersten Standort auf der Gartenschau: Die 12 x 22 Metern große, rechteckige Parzelle ist an zwei Seiten offen, während Sichtschutzwände aus geflochtenem Holz die anderen beiden Seiten begrenzen. Im leichten Zickzack führt ein Weg zwischen Bäumen, Sträuchern und Blumen zu einem Pavillon, der sich an die Sichtschutzwand der schmalen Grundstücksseite schmiegt. Der Eingang liegt etwa in der Mitte einer mehrfach verspringenden Fassade aus hellen, braun marmorierten Myzelplatten. Über der Attika sind die Grashalme eines intensiv begrünten Flachdachs zu sehen.

Die Architekt*innen haben eine einfache, vorgefertigte Konstruktion mit Steckverbindungen gewählt. Das verwendete Eschenholz stammt aus lokalen Beständen, die aufgrund des europaweit auftretenden Eschentriebsterbens gefällt werden mussten. Hingegen stammt das Myzel vom Möbeldesigner Sebastian Cox, der es auf Materialabfällen in seiner Werkstatt in Kent gezüchtet hatte.

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Beim Betreten des Pavillons stehen die Besucher*innen zuerst unter einem großen, runden Oberlicht. Links davon befinden sich eine Teeküche und der „Pilzsalon“, ein kleiner begrünter Hof mit Regalen, auf denen verschiedenartige Fruchtkörper ausgestellt sind. Rechts des Eingangs bieten sich umlaufende Sitzbänke und ein runder Tisch. An den Wänden wird gezeigt, wie Sensoren und intelligente Technik helfen können, die Überlebenschancen von Stadtbäumen zu steigern. Derzeit stirbt in Großbritannien fast jeder dritte neu gepflanzte Stadtbaum schon im ersten Jahr, knapp die Hälfte innerhalb von zehn Jahren.

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Fassade: Myzel und Holzgeflechte

Die mehrfach abgestufte Front des Pavillons besteht aus jeweils konkav geschwungenen Segmenten, die der Ansicht eine vorhangartige Anmutung verleihen. Die nur wenige Zentimeter starke Myzelplatten im liegenden Format bilden eine durchgehende Attika, der Sockel hingegen ist holzverkleidet. Dazwischen bekleiden Myzelplatten und Eschenholzgeflecht im stehenden Format die Fassade.

Die fünf Felder rechts des Eingangs lassen sich als Klappläden nach außen öffnen. Sie bestehen aus geschwungenen, mit Flechtwerk gefüllten Holzrahmen, auf denen außenseitig ebenfalls Myzelplatten montiert sind. Dabei bleibt die gerundete Hälfte des Geflechts unverdeckt, sodass gefiltertes Tageslicht und strukturierte Schlagschatten den Innenraum beleben.

Bautafel

Architektur: Studio Weave, London zusammen mit Sebastian Cox, London
Projektbeteiligte: Je Ahn (Projektleiter Studio Weave), Tom Massey Studio, London (Landschaftsgestaltung), Foster Structures, London (Ingenieure), Outdoor Room, Kingston upon Thames u.a. (Landschaftsgärtner) Bauherr*in: Avanade, London / Royal Horticultural Society (RHS), London
Fertigstellung: 2025
Standort: Mayfield Park, Boardman Gate Entrance, 11 Baring St, Manchester M1 2PY, Vereinigtes Königreich (zuvor: RHS Chelsea Flower Show, Bull Ring Gate, London SW3 4LW, Vereinigtes Königreich)
Bildnachweis: Daniel Herendi, Pattaya und Alister Thorpe, London (Fotos); Studio Weave, Sebastian Cox, Tom Massey, London (Pläne)

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Südseite des Gebäudes mit Eingangsbereich im Vordergrund

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Die Schmetterlingsdächer fangen den Regen auf und verbessern die Luftzirkulation im Innenraum

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Gesamtansicht

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In den Monaten vor und nach dem Oktoberfest steht das Servicezentrum weitgehend ungenutzt am westlichen Rand der Theresienwiese. Der Bau stammt aus der Hand des Berliner Büros Staab Architekten

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