Six Bricolage-Houses in Nantou

Sechs Interventionen an Fassaden und Dächern

Die am schnellsten wachsende Stadt der Welt war bis 2010 das an Hongkong angrenzende Shenzhen, dessen Bevölkerung ab 1980 von 60.000 auf heute fast achtzehn Millionen Einwohner gestiegen ist. In Nantou, im Westen der Metropole, hat das Büro ARCity Office an sechs Selbstbauhäusern verschiedene Interventionen unternommen. Das Projekt Six Bricolage-Houses wurde 2024 vom Royal Institute of British Architects und 2025 von der Architectural Review mit Preisen gewürdigt.

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Von der Walled City zum Urban Village

Die sogenannte Walled City in Nantou geht auf die im Jahr 331 gegründete Provinzhauptstadt Dongguan zurück und hat damit deutlich ältere Wurzeln als das ab 1410 nachgewiesene Shenzhen. Das heutige Nantou wurde 1394 errichtet und entwickelte sich ab 1980, mit Gründung der Sonderwirtschaftszone in Shenzhen, zu einem sogenannten Urban Village. Gemeint sind damit sehr dichte, informelle Siedlungen, die wie Inseln zwischen den großmaßstäblich geplanten Stadtteilen liegen und als günstiger Wohnraum für Zugezogene geduldet werden.

Schätzungsweise die Hälfte der Einwohner*innen Shenzhens wohnt in Urban Villages, obwohl sie nur fünf Prozent der Stadtfläche einnehmen. In Nantou leben auf 70.000 Quadratmetern etwa 20.000 Menschen in mehr als 900 ungeplant und illegal errichteten, mehrgeschossigen Häusern, die zum Teil aus der dafür abgebrochenen, historischen Stadtmauer entstanden sind. Handshake buildings werden diese Bauten genannt, die so dicht aneinander stehen, dass die Nachbarn sich aus den Fenstern – über die engen Gassen hinweg – die Hände reichen können.

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Im Winter 2022/2023 fand in Nantou die Bi-City Biennale of Urbanism/Architecture (UABB) statt. Als Kuratoren wählte das Team von ARCity Office sechs Selbstbauhäuser au, die nahe des mehr als 600 Jahre alten Südtors liegen, maximal 120 Meter voneinander entfernt. Die Häuser tragen die Kürzel U1 bis U6 und zeigen individuelle, modellhafte Ansätze für eine kostengünstige, minimalinvasive Stadterneuerung in „fröhlichem Design“.

Interventionen an den Standorten U1 bis U4

U1, ein Achtgeschosser mit 300 Quadratmetern Grundfläche, ist das größte der sechs Häuser. Der Ladenzone im leicht erhöhten Erdgeschoss wurden drei Balkone vorgesetzt, die als Ausstellungsflächen dienen können. Direkt südlich daneben liegt U2, mit einem Drittel der Grundfläche und ursprünglich nur zwei Geschossen. Der illegale Schuppen auf dem Flachdach wich einem dritten Vollgeschoss mit Oberlichtbändern. Den straßenseitigen, eingeschossigen Anbau stockte ARCity mit einem Stahlgerüst auf, das einen überdachten Balkon und eine neue Treppe aufnimmt.

Fünfzig Meter entfernt befindet sich U3, ein kleines, zweigeschossiges Haus mit Flachdach. Es erhielt eine schmale Erweiterung und eine Reihe von Vordächern, die unter anderem einen Sitzplatz am Straßenrand schützen. Neue Treppen erschließen die Dachterrasse. U4, ein zwei- bis dreigeschossiges Haus, wurde für einen Mix aus Laden, Galerie und Wohnung umgebaut. Eine neue, innenliegende Treppe ermöglicht die getrennte Nutzung der Bereiche. Außen markieren zwei große, vorgehängte Stahlplatten und ein Eckbalkon die Veränderung.

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Interventionen an den Standorten U5 und U6

Zwei Häuser weiter befindet sich der Standort U5 mit drei Selbstbauhäusern, die auf den Fundamenten der Stadtmauer errichtet wurden. Das kleine Ensemble beherbergt heute Workshops und Ausstellungen, Wohnungen für Kunstschaffende, Geschäftsräume und Büros. Ein hundertjähriger Longanbaum wurde aus einem Betonkorsett befreit und prägt jetzt eine Terrasse im ersten Obergeschoss. Eine vorgehängte, dreiläufige Stahltreppe inszeniert die Lage an der Außengrenze der ehemaligen Walled City Nantou. 

U6 schließlich ist ein schmales Haus mit kaum mehr als 5 x 10 Metern Grundfläche und fünf Geschossen. Die unteren beiden Geschosse wurden zu einem Gemeinschaftszentrum umgebaut und erhielten neue, größere Öffnungen. In den Geschossen darüber befinden sich Wohnungen für junge Menschen. Den Wellblechschuppen auf dem Dach ersetzen die Architekt*innen durch fünf kleine, farbige Stahlboxen für Ausstellungen.

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Fassaden: Weiterbauen im Stil des Informellen

Wiederkehrende Elemente der Interventionen sind dunkle Stahlstützen und verglaste Flächen, aber auch traditionelle Bauweisen und vor Ort vorgefundene Materialien kamen zum Einsatz. Am Standort U1 zeigen eingerückte Glasfronten und drei höhenversetzte Balkone, dass das Erdgeschoss geöffnet wurde. Am Haus U2 entfaltet der überdachte Stahlbalkon mit dunklen Außen- und gelben Innenflächen Signalwirkung. Auch das aufgesetzte Dachgeschoss ist als dunkle, profilblechverkleidete Stahlbox ausgebildet, die von Oberlichtkästen durchschnitten ist. 

Sichtmauerwerk prägt die Erweiterung von Haus U3. Bei den Pultdächern verwendeten lokale Handwerker eine Deckungsart, die dem europäischen Mönch-Nonne-Prinzip ähnelt. Transluzente Lamellen schirmen den Bestandsbalkon ab. Am Standort U4 dominieren wiederum Stahl und Glas: Für die Verkleidung an der Straßenecke, in die auch der Eckbalkon integriert ist, wurden Riffelbleche aneinandergeschweißt. Vorgezogene Stahlblech-Laibungen akzentuieren die bestehenden Fensteröffnungen – ein Motiv, das sich auch an U3 findet. 

Die Lage der alten Stadtmauer am Standort U5 wurde in rotem Backstein nachgezeichnet, vor den die dreiläufige Stahltreppe gehängt wurde. Die Terrasse von U5 wird ostseitig – gegenüber dem Longanbaum – von einer sieben Meter hohen Glaswand gefasst, auf der eine bunte Grafik der dichten Stadt aufgebracht wurde. Bei U6 sind es die bonbonfarbenen Profilbleche der fünf kleinen Ausstellungsräume auf dem Dach, die im Straßenraum und auch auf Luftbildaufnahmen einschlägiger Geoportale auffallen.

Bautafel

Architektur: ARCity Office, Shenzhen/Shanghai
Projektbeteiligte: Shenzhen Ruihua Architectural Design (Bauingenieure); Shenzhen Chuangbao Construction Engineering Company (Bauunternehmer)
Bauherr*in: Shenzhen Vanke Company
Fertigstellung: 2022
Standort: Nantou Ancient City, Nanshan District, Shenzhen, Guangdong Province, China
Bildnachweis: Bai Yu, Peking (Fotos); ARCity Office, Shenzhen/Shanghai (Pläne)

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In den Monaten vor und nach dem Oktoberfest steht das Servicezentrum weitgehend ungenutzt am westlichen Rand der Theresienwiese. Der Bau stammt aus der Hand des Berliner Büros Staab Architekten

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