Feuerwache in Radebeul
Lichtgrüne Hülle mit Profilbauglas
Eine Feuerwache muss vor allem eines: schnell reagieren. Richter Musikowski Architekten aus Berlin entwarfen für die Freiwillige Feuerwehr in Radebeul einen Neubau, der funktionale Notwendigkeiten mit einer eigenständigen Architektur verbindet. Mit seiner lichtgrünen Hülle signalisiert er die Ankunft in der Stadt westlich von Dresden.
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Keine fünf Gehminuten südlich des Karl-May-Museums markiert das Gebäude eine eigenständige Adresse am Übergang von Stadt und landwirtschaftlichen Nutzflächen. In einem L-förmigen, zweigeschossigen Volumen sind Fahrzeughalle, Einsatz- und Aufenthaltsräume gebündelt. Zugleich verstanden die Architekt*innen die Feuerwache als Ort der Gemeinschaft und griffen Motive der Umgebung auf: Sie übersetzten die Gründerzeitvillen und Gewächshäuser, die das Ortsbild prägen, in eine transluzente Fassade und ein Grabendach.
Das Grundstück wird im Norden von der Bahnlinie Leipzig–Dresden begrenzt. Durch die L-Form entsteht ein vom Bahnverkehr abgeschirmter Hof mit freiem Blick auf die Landschaft im Südwesten. Im Osten, zur vorbeiführenden Straße, befindet sich ein Vorplatz, der sogenannte Alarm-Hof. Große Falttore erlauben es, die Fahrzeughalle zu beiden Seiten zu öffnen. Eine Umfahrung erspart unnötige Rangiermanöver, selbst bei den großen Drehleiterfahrzeugen. Vordächer markieren die unterschiedlichen Zugänge für die Einsatzfahrzeuge (Alarm-Hof) und das Personal (Hof).
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Kurze Wege im Inneren
Während der eine Flügel der L-Form eingeschossig ist und die Fahrzeughalle mit angegliedertem Lagerraum aufnimmt, ist der andere Flügel zweigeschossig. Dort befinden sich unten die Umkleiden sowie Bereitschafts-, Lager- und Sanitärräume, im Obergeschoss Seminarraum, Einsatzzentrale, Jugendraum und Büros. Wichtig sind reibungslose Bewegungsabläufe: Ein innenliegender, T-förmiger Flur mit breitem Treppenhaus sorgt für kurze Wege. Nur wenige Schritte sind es von den Umkleiden in die benachbarte Fahrzeughalle.
Tragende Decken, Stützen und Unterzüge bestehen aus Stahlbetonfertigteilen. Auf dem Betonbau sitzt eine leichte Stahlkonstruktion für das Dach. Alle Dachflächen sind auf eine Ausstattung mit Photovoltaik-Modulen ausgelegt: Die derzeit installierte Fläche von etwa 60 m2 lässt sich somit auf rund 500 m2 erweitern. Eine Luft-Wärmepumpe ergänzt die Gebäudetechnik.
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Fassade: lichtgrün geschichtet
Die Fassade aus transluzentem Profilbauglas verleiht dem funktionalen Zweckbau eine ungewöhnlich leichte Erscheinung. Je nach Tageszeit und Blickwinkel verändern sich Reflexion und Lichtdurchlass. Zum Einsatz kamen Gläser mit U-Profil, die zweischalig verlegt wurden. Hinter dem Glas befindet sich ein Hinterlüftungsraum. Im Erdgeschoss gibt es teils eine zweite, raumseitige Profilglaswand. An vielen Stellen folgen jedoch eine lichtgrün verputzte Dämmschicht und Stahlbeton-Außenwände. Der Putz nimmt den natürlichen Grünschimmer des Glases auf und verstärkt die Leuchtwirkung und Homogenität des monochromen Baus. Mit zweiteiligen Stahkonsolen sind die Gläser am Rohbau befestigt. Die Entwässerungsrinnen des Grabendachs liegen versteckt hinter der bis zur Traufe geführten Glasebene, wobei der Hinterlüftungsraum durch ein Attikablech geschützt ist.
Das Lichtgrün – manche mögen sagen Türkis oder Cyan – kontrastiert mit dem Feuerrot der Fahrzeuge. Während jedoch von Süden das Innere der Fahrzeughalle nur schemenhaft erkennbar ist, geben die transparenten Toranlagen zum ostseitigen Alarm-Hof den Blick auf die Einsatzfahrzeuge frei. Auch die gelochten Stegbleche und glatten Metalloberflächen der Vordächer sind konsequent dem Farbkonzept angepasst. Im Inneren hebt Lichtgrün die Türen, Geländer, Fensterrahmen und Fliesen und sogar den Bodenbelag der Fahrzeughalle von den Sichtbetonflächen ab.
Bautafel
Architektur: Richter Musikowski Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Christoph Richter, Jan Musikowski, Katharina Gausepohl, Sebastian Haufe, Patrick Naumann (Projektteam Architekturbüro, LP 1–5), aT2 Architektur Tragwerk, Radebeul (NU, Architektur LP 6–9)
Bauherr*in: Große Kreisstadt Radebeul
Fertigstellung: 2026
Standort: Schildenstraße 19, 01445 Radebeul, Deutschland
Bildnachweis: Schnepp Renou, Berlin / Paris / Marseille (Fotos); Richter Musikowski Architekten, Berlin (Pläne)
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