Musik- und Ballettschule MUBA in Tallinn
Hohe Anforderungen an die Gebäudetechnik
Tallinns Musik- und Ballettschule MUBA liegt im Süden der estnischen Hauptstadt, wo der Ausläufer der Stadtautobahn auf die große Ringstraße trifft. Wegen der Lautstärke ist das nicht die beste Lage, um Ohren und Körper der Musik zu widmen. Als hier 2011 der Wettbewerb für eine Schule mit Schwerpunkt Tanz und Musik ausgeschrieben wurde, gewann das österreichische Architekturbüro Atelier Thomas Pucher mit einem Konzept, das für Ruhe in den Räumen sorgt und im Urbanen gut erprobt ist: Die Bebauung rückt an den Rand des Grundstückes, formt einen rundum geschlossenen Block mit einem großen, lärmgeschützten Gartenhof in der Mitte. Den Entwurf überarbeitete das Büro gemeinsam mit 3+1 Arhitektid aus Tallinn.
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Weil eine Blockrandbebauung nicht genug Tiefe für große Säle und Foyers bietet, schiebt sich das Erdgeschoss weit in den Hof. Darüber springen die Obergeschosse stufenweise zurück. Auf diese Weise lassen sich große Raumvolumen integrieren und zugleich natürlich belichten. Zudem ergeben sich im Hof große, über Kaskadentreppen verbundene Dachterrassen, die sich als Freilichtbühne bespielen lassen. Damit greifen sie das programmatische und gestalterische Thema der Schule auf: „die große Bühne“.
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Schule mit besonderem Raumprogramm
Die MUBA kombiniert die allgemeine Schulausbildung mit einer Musik- und Tanzausbildung. Dabei sollen die Kinder und Jugendlichen schon früh echte Bühnenerfahrung sammeln. Für den gewöhnlichen Schulbetrieb bietet das Gebäude Klassenzimmer, eine Bibliothek, eine Sport- und eine Schwimmhalle, Pausenflächen, einen Spiel- und einen Sportplatz.
Hinzu kommen die speziellen Trainings- und Proberäume einer Musikschule, ein Aufnahmestudio und – als Herz des Ganzen – vier Konzertsäle sowie ein hohes Foyer samt den dazugehörigen Nebenräumen. Im obersten Geschoss entstanden außerdem Appartements für die Jugendlichen, die nicht in Tallinn beheimatet sind. Dieses enorme, über 28.000 Quadratmeter umfassende Raumprogramm musste organisiert und auch atmosphärisch differenziert werden.
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Auftakt mit Konzerthalle und Foyer
Straßenseitig befindet sich der Veranstaltungsbereich. Über einen goldfarben gerahmten Haupteingang betreten Gäste das gebäudehohe Foyer, dessen ebenfalls goldfarbenen Wände für Glamour und anthrazitfarbenen Akustikbaffel für Ruhe sorgen. Von hier geht es weiter in die beiden großen Konzertsäle, zur Bibliothek oder ins Café.
Breite, zueinander versetzte Kaskadentreppen führen zu den Saalgalerien und zu den Gemeinschaftsflächen auf den oberen Geschossen, etwa den Dachterrassen und dem sogenannten kreativen Dorf der Schulgemeinde. Noch weiter oben befindet sich das gemeinsame Wohnzimmer der hier wohnenden Studierenden. Raumgreifende Pendelleuchten hängen tief zwischen den Treppen. Das Licht, die schwarz-goldene Farbgebung und die Materialien wie Naturstein und Holz erzeugen eine festliche Atmosphäre.
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Lernen in der Schulgemeinschaft
Der Schulbereich wird über separate Eingänge an den Nord- und Südseiten des Gebäudes erschlossen. Hier liegen die Klassenzimmer, Verwaltungsräume, eine Schwimmhalle und die Appartements der Studierenden. Dieser Bereich wirkt weniger festlich, dafür übersichtlicher gestaltet: In den Gängen ist die tragende Betonstruktur sichtbar, die Flure verlaufen gradlinig um den Hof herum. In den hellen Zonen an der Hoffassade liegen Aufenthaltsbereiche mit Sitzmöbeln sowie gepolsterten Podesten und Wandnischen. Unterschiedlich farbige Bezüge helfen bei der Orientierung im Gebäude.
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Der begrünte Hof ist von allen Geschossen direkt zugänglich und erweitert die Aufenthaltsflächen um Rundwege, Terrassen mit Pflanzinseln und Sitzgruppen, die sich zwischen die baumbestandenen Beete verteilen. Dieser Ort dient der Entspannung, während auf der Außenseite des Gebäudes ein Sportplatz und eine Sprintstrecke geschickt in die Restflächen des Areals integriert sind.
Akustik
Auch technisch ist das Gebäude sehr anspruchsvoll: vom Brandschutz über die Akustik und den Schallschutz bis hin zur Beleuchtung und Bühnen- und Medientechnik. Für einen guten baulichen Schallschutz plante das Team die Konzert- und Proberäume als Raum-im-Raum. Die Wände und Decken sind zudem mit Akustikflächen ausgestattet, mal mit auffälligen Baffeln, mal mit Wandverkleidungen aus Holzwolle, Lochblech oder Stoff, mal mit abgehängten Gipskartondecken.
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Beleuchtung
Die Beleuchtung der Räume sowie die Sicherheitsbeleuchtung in Fluren sind in die akustisch wirksamen Wand- und Deckenflächen integriert. So zeichnen LED-Lichtleisten die Bewegungsrichtung in den Fluren nach und leuchten Schrank- und Raumtüren aus. Fest integrierte Deckenspots und variabel verschiebbare Spots an Deckenleisten beleuchten besondere Funktionsbereiche, zum Beispiel die Sitzbereiche oder die Ballettstangen vor den Wandspiegeln. Alle sichtbaren technischen Bauteile, wie Leuchten, Taster oder Rauchmelder, sind schlicht in Weiß oder Schwarz gehalten.
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Sonstige Gebäudetechnik
In die Decken sind zudem Brandmelde- und Sprinkleranlagen, Lüftungs- und teilweise Kameratechnik so integriert, dass die gesamte umfangreiche Gebäudetechnik für Gäste und Schulgemeinde fast unsichtbar bleibt. So entsteht eine beispielgebende Lernumgebung: mit progressiver Medien- und Bühnentechnik, mit differenzierter Raumausleuchtung und mit viel Tageslicht. Das Ergebnis sind sehr unterschiedliche Raumatmosphären – für den großen Auftritt ebenso wie für den ruhigen Rückzug.
Bautafel
Architektur: Atelier Thomas Pucher, Graz; 3+1 Arhitektid, Tallinn
Projektbeteiligte: T43 Sisearhitektid (Innenarchitektur), TajuRuum, Tartu (Landschaftsarchitektur), Merko Ehitus Eesti, Tallinn (Bauunternehmung), Akukon, Helsinki (Akustikplanung), We-ef, Bispingen (Außenbeleuchtung), Trilux, Arnsberg (Klassenbeleuchtung), Awex, Masłomiąca + Silmani Elekter, Tallinn (Sicherheitsbeleuchtung), Jung, Schalksmühle (Schalter)
Bauherr: Riigi Kinnisvara
Standort: Pärnu mnt 59, Tallinn, Estland
Fertigstellung: 2022
Bildnachweis: Tõnu Tunnel, Tallinn
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