Museumsneubau in Friedland
Historische Erzählungen sensibel hervorheben
Im Drei-Länder-Eck mit Hessen und Thüringen liegt im südlichsten Zipfel Niedersachsens die Gemeinde Friedland. Hier errichtete die britische Besatzungsmacht im September 1945 ein Grenzdurchgangslager, das zum Ankunftsort für Millionen von Heimkehrern, Vertriebenen und Geflüchteten wurde und auch heute noch erste Anlaufstelle für viele Spätaussiedler*innen und Asylsuchende ist. Das Museum Friedland macht auf die bewegte Geschichte des Ortes aufmerksam. Ein Erweiterungsbau, geplant von Dichter Architekturgesellschaft, ergänzt das bestehende Museum nun um ein Besuchs-, Medien- und Dokumentationszentrum.
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Abschied, Ankunft und Neubeginn
Als aktive Erstaufnahmeeinrichtung ist das Grenzdurchgangslager noch heute ein Ort vielfältiger Migrationen. Das nahe gelegene Museum erforscht und vermittelt die Geschichte und Gegenwart des Lagers und nimmt zentrale Fragen zu Migrationspolitik, gesellschaftlicher Teilhabe, Grenzen, Identitäten und Zugehörigkeit in den Blick. Das neue Museumsgebäude wird mit Fertigstellung im Herbst 2026 die bestehende Dauerausstellung im historischen Bahnhof komplementieren. Ausstellungsthema im Erweiterungsbau soll die Auseinandersetzung mit der jüngsten Geschichte und Gegenwart der Migration sein. Auf der Museums-Website heißt es: „Eine besondere Rolle hierbei spielen die Biografien und Erfahrungen derjenigen Menschen, die, aus aller Welt kommend, Friedland seit 2015 durchlaufen haben und deren Wege sie anschließend durch ganz Deutschland führen.“
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Langgestreckter Baukörper
Der Entwurf von Dichter Architekturgesellschaft ging aus einem gewonnenen, offenen Wettbewerb hervor. Er streckt sich 80 Meter lang und nur 12 Meter breit entlang der Bahnschienen. Vom ehemaligen Bahnhofsgebäude aus gelangen Besucher*innen über beidseitig verlaufene Kolonnaden in das zentrale Foyer des Neubaus. Der zweigeschossige Bau beherbergt im einladend wirkenden Erdgeschoss den Kartenverkauf, ein Café, eine Mediathek mit Workshopbereich sowie Seminarräume. Hinter dem Empfangstresen befinden sich auf zwei eingeschobenen Ebenen die Garderoben, die Museumsverwaltung und das Museumsdepot. Die Dauerausstellung sowie eine Wechsel- und Medienausstellung finden im Obergeschoss Platz. Zwei Treppenhäuser ermöglichen sowohl einen linearen Ausstellungsrundgang als auch ein gezieltes Ansteuern der zentralen Ausstellungsfläche.
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Konstruktion aus Stahlbeton und Holz
Das Sockelgeschoss mit den beiden Treppenhauskernen bildet sich durch eine Stahlbetonkonstruktion aus. Darauf liegt im Erdgeschoss eine Holzrahmenkonstruktion und im Ober- und Dachgeschoss eine Holztafelkonstruktion mit darüber liegenden gebogenen Dachbindern. Während das Sockelgeschoss als Massivbau ausgeführt wurde und mit Ziegeln verkleidet ist, wurden die oberen Holzgeschosse mit Ziegelschindeln verkleidet. Das stützenfreie Obergeschoss ermöglicht eine flexible Grundrissgestaltung und Nutzungsvariabilität.
Wartungsarme, langlebige Materialien und minimierte TGA-Systeme reduzieren die Lebenszykluskosten, während ein außenliegender Sonnenschutz und die südlichen Kolonnaden die sommerliche Überhitzung im Inneren verhindern. Eine Sprinkleranlage sichert die Feuerbekämpfung im Brandfall.
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Abgestimmte Beleuchtung
Raumhohe, weitgehend stützenfreie Verglasung in den Arbeits- und
Aufenthaltsbereichen optimiert die Tageslichtversorgung und
Sichtbezüge. In den Ausstellungsbereichen hängen LED-Spots zwischen
den mit Holzwolle-Akustikpanelen gefüllten Dachbindern. Sie sind
über Schienen und Gelenke in ihrer Position und Ausrichtung
justierbar und können so flexibel an unterschiedliche
Ausstellungskonzeptionen angepasst werden. Über Tageslicht- und
Bewegungssensoren minimieren sie einerseits den Energiebedarf und
setzen andererseits bestimmte Raumbereiche in Szene. Die
abgestimmte Beleuchtung hebt sensibel besondere Ausstellungsinhalte
hervor. Hochwertige Schalter aus Edelstahl sind der dezenten
Farbgebung angepasst. -st
Bautafel
Architektur: Dichter Architekturgesellschaft
Projektbeteiligte: onp-Schwieger (Hochbau, LPH 6–9); bbz Landschaftsarchitekten, Berlin (Freiraumgestaltung); DR:ZAUFT Ingenieurgesellschaft für Bauwesen (Gebäudestatik, Bauphysik); BSTH Brandschutzmanagement (Brandschutz); Krauße Ingenieure (HLS); keydel bock ingenieure (ELT); LICHT KUNST LICHT (Lichtplanung); ibG Ingenieurbüro Gauglitz (Bodengutachter); Sylvie Krüger, Textile Spaces (außenliegende Vorhänge); MS Dienstleistungen (Spezialtiefbau Verbau); Ernst & Herwig (Rohbauarbeiten); Holzbau Sauer (Zimmerer- und Holzbauarbeiten); Holzapfel Bedachungen (Dachdeckerarbeiten, Klempner); Lutz Güttler (Klinkerarbeiten); Werner Metall (Fenster und Fassadenelemente, außenliegender Sonnenschutz); Emanuel Ziehe (Maler- und Lackierarbeiten); HG Bau (Estricharbeiten); Sandstrahl Schuch (Mikrozementbeschichtung); Rinne Fliesen (Fliesen- und Plattenarbeiten); Raumausstattung Jürgen Röhrs (Bodenbelagsarbeiten); Hachmeier Bauelemente (Innentüren); Parthos Deutschland (mobile Trennwand); Hebenstreit Sanitärwände (Sanitärwände); EB Innenausbau (Tischlerarbeiten Festeinbauten); Jung (Schalter: LS 990 Edelstahl)
Bauherr*in: Land Niedersachsen
Fertigstellung: Herbst 2026
Standort: Bahnhofstraße 15, 37133 Friedland
Bildnachweis: Thomas Scheidt, Foto Marburg (Bilder); Dichter Architekturgesellschaft (Bilder und Pläne)
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