Berghütte Württemberger Haus in Zams

Rückbau und Ergänzung in Holzbauweise

Mindestens vier Stunden Fußweg seien für den Aufstieg zum DAV Württemberger Haus aus einem der (österreichischen) Talorte Zans, Madau oder Gramais einzuplanen, heißt es auf der Webseite des Deutschen Alpenvereins DAV. Beim Württemberger Haus handelt es sich um eine der ältesten Schutzhütten der DAV-Sektion Stuttgart. Es befindet sich auf 2.220 Metern Höhe in einem Bergkessel der Lechtaler Alpen. Rund hundert Jahre nach ihrer Errichtung 1924/25 wurde die Hütte in neuer Form wiedereröffnet. Der Umbau nach Plänen des Architekten Armin Neurauter zog sich über mehrere Jahre. 

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Die Berghütte ist ausschließlich zu Fuß erreichbar; die Versorgung erfolgt per Hubschrauber. Allein zur Erstversorgung vor Saisonbeginn werden rund zehn Tonnen Material und Lebensmittel eingeflogen. Die besondere Lage prägt sämtliche planerischen Entscheidungen – von der Konstruktion über die Gebäudetechnik bis hin zu den Brandschutzmaßnahmen.

Rückbau auf historischen Kern

Ausgangspunkt der Planung war eine über Jahrzehnte gewachsene Gebäudestruktur. Mehrere Erweiterungen aus den 1970er- bis 1990er-Jahren hatten die Funktionalität der Hütte zunehmend eingeschränkt. Der Umbau begann deshalb mit einem konsequenten Rückbau auf die ursprüngliche Substanz. Ziel war es, die historische Schutzhütte freizulegen und ihren Charakter zu erhalten.

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Neue Gebäudeteile in Massivholz 

Die hundertjährige Gaststube ist auch heute identitätsstiftend: Mit Zirbenvertäfelung, Kachelofen und massiven Holztischen bildet sie weiterhin das Herzstück. Neue Gebäudeteile in Massivholz sind an die vorhandenen Fundamente und ursprünglichen Gebäudeproportionen angepasst. Die Erweiterungen sind in die bestehende Struktur eingebunden, um den einfachen Hüttencharakter zu bewahren.  

Das Württemberger Haus richtet sich primär an Übernachtungsgäste auf den alpinen Höhenwegen der Lechtaler Alpen. Zur Verfügung stehen Schlafplätze in Mehrbettzimmern, Matratzenlagern sowie kleineren Zimmern. Ergänzt wird die Hütte durch einen Winterraum zur Nutzung außerhalb der Saison. 

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Robuste, wartungsarme Architektur

Die abgeschiedene Lage beeinflusst nicht nur die Logistik, sondern auch den Betrieb. Wartungsarme Lösungen und robuste Konstruktionen haben an diesem Ort eine viel größere Bedeutung als bei vergleichbaren Gebäuden im Talraum. So ist unterhalb der südseitigen Terrasse ein geschützter Winterraum angeordnet. Ergänzende Systeme zur Mindesttemperierung sollen Feuchteschäden während der Wintermonate reduzieren.

Brandschutz: rechtliche Einordnung

Als alpine Schutzhütte der Kategorie III – Schutzhütten in Extremlage – unterliegt das Württemberger Haus besonderen Rahmenbedingungen der österreichischen Bau-Richtlinien (OIB-Richtlinien des Österreichischen Instituts für Bautechnik). Für diese Gebäudekategorie gelten Erleichterungen hinsichtlich Brandschutz (OIB 2), Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit (OIB 4). Ein Grund dafür ist die spezielle Nutzergruppe, bei der die Fähigkeit zur Selbstrettung vorausgesetzt werden kann. Entsprechende Abweichungen wurden frühzeitig mit den Behörden abgestimmt und in das Planungskonzept integriert.

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Bauliche und technische Maßnahmen

Der Beherbergungsbereich ist vom Gastronomie- beziehungsweise Küchenbereich durch eine Brandschutztür abgetrennt. Die maximale Fluchtweglänge bis zum Ausgang beträgt 32 Meter und bleibt damit unterhalb der zulässigen Grenze von 40 Metern. Gänge und Treppenläufe sind jeweils einen Meter breit. Der Technikraum im Untergeschoss ist separat von außen über eine Brandschutztür erreichbar; raumabschließende Bauteile sind in Baustoffklasse A2 ausgeführt. Ergänzend wurden Fluchtwegbeleuchtung, eine Brandmeldeanlage mit interner Alarmierung sowie Feuerlöscher und Löschdecken vorgesehen.

Die Maßnahmen verdeutlichen einen objektspezifischen Ansatz im Brandschutz: Anstelle umfangreicher anlagentechnischer Systeme stehen kurze Rettungswege, eine bauliche Trennung sowie frühzeitige Alarmierung im Vordergrund. Unter den Bedingungen einer hochalpinen Extremlage entsteht so ein Sicherheitskonzept, das die Besonderheiten des Standorts berücksichtigt, ohne die Funktionalität der Hütte einzuschränken.

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Extremlage bestimmt das Konzept

Bei einem Brandereignis in einer solchen Schutzhütte existiert ein Schutzziel: die Rettung von Menschenleben. An wirkungsvolle Löscharbeiten zur Rettung des Hauses ist nicht zu denken – die Wege sind zu weit, eine Löschwasserversorgung nicht gegeben. Sollte es zu einem solchen Szenario kommen, wäre die Aufgabe von Hubschraubern die Zuführung von Rettungskräften und die Evakuierung von Personal und Gästen. Letztendlich würde man bei Bauwerken in dieser hochalpinen Region den Komplettverlust der Hütte in Kauf nehmen müssen.

Bautafel

Architektur: Armin Neurauter, Innsbruck
Projektbeteiligte: aste | weissteiner zt, Innsbruck (Tragwerksplanung); stark ingenieurbüro lichtdesign, Ried i.O. (Lichtplanung)
Bauherr/in: DAV Sektion Stuttgart
Standort: Württemberger Haus 15, 6511 Zams, Österreich
Fertigstellung: 2025
Bildnachweis: Günter Richard Wett, Innsbruck

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