Hauptsitz Bosch Schweiz

Treppe im Holzbau

Seit über hundert Jahren sitzt der Werkzeugentwickler Scintilla im schweizerischen Zuchwil, einst in beschaulicher Lage in einem von Feldern umgebenen Gebäudekomplex neben der Eisenbahnstrecke nach Solothurn. Mittlerweile gehört das Unternehmen zum Geschäftsbereich Power Tools der Bosch-Gruppe und ist zwar immer noch im gleichen Ort ansässig, liegt nun aber inmitten der darum gewachsenen Siedlung aus Gewerbeflächen und Einfamilienhäusern. Das Architekturteam von Itten+Brechbühl plante nun einen neuen Hauptsitz von Bosch Schweiz, in dem die 450 Mitarbeitenden von Scintilla und Bosch gemeinsam zeitgemäß – das heißt vor allem flexibel und bedarfsgerecht – arbeiten können. Darüber hinaus ist das Gebäude dank Holzbauweise und durchdachter Gebäudetechnik im Betrieb CO₂-neutral und energieautark.

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Wie erreicht man mehr BGF auf kleinem Grundstück? 

Das zur Verfügung stehende Baufenster maß gerade einmal knapp über 8000 Quadratmeter. Um also das Raumprogramm von fast 16.000 Quadratmetern zu erfüllen, braucht es Höhe im Bauvolumen und eine fast vollständige Bebauung der Grundfläche. Um das Gebäude trotzdem gut zu belichten und harmonisch in die niedrig bebaute Wohn-Nachbarschaft zu integrieren, plante das Architekturteam ein Blockrandgebäude. Dessen westlicher, an eine Gewerbehalle grenzender, Teil fasst als viergeschossiger, 18,5 Meter hoher Riegel über 10.000 Quadratmeter Büroflächen. Der östliche Teil bleibt eingeschossig, grenzt mit einer Glasfassade pavillonartig an die Wohnbebauung und beinhaltet öffentlich zugängliche Veranstaltungs- und Ausstellungsräume. Ein Innenhof sorgt für Licht und Aufenthaltsqualität, ebenso das Atrium, das den Bürokomplex vertikal durchdringt und alle Geschosse visuell verbindet.  

Flexible Grundrisse dank Holzskelettbauweise 

Für die Konstruktion wählt das Team eine Holzskelettbauweise mit Massivholzdecken. Zum einen, weil das dafür genutzte europäische Fichtenholz eine gute Ökobilanz hat, zum anderen, weil diese Bauweise mit belastbaren Brettschichtholzträgern maximale Flexibilität verspricht: So stehen die Stützen im breiten Raster von 8,10 mal 8,10 Metern, was große Spannweiten ermöglicht und damit eine freie Einteilung der Geschossflächen. Der Grundriss ist nun vierspännig organisiert mit zwei mittleren Zonen – das Atrium füllt die eine, Neben- und Besprechungsräume, Teeküchen sowie notwendige Treppenhäuser füllen die andere. Entlang der Fassade sind Arbeitsflächen platziert und als Einzel- oder Gruppenplätze, Team- oder Kreativbereiche ausgebildet. Maximale Flexibilität gilt auch für die Bauteile des Holzgebäudes: Diese sind komplett reversibel gefügt, sodass sie sich nach der Nutzungsdauer sortenrein zurückbauen und gegebenenfalls andernorts wiederverwenden lassen. Durch das Fügungsprinzip und die dadurch bedingte Sichtbarkeit der roh belassenen Holz-, Beton- und Metallflächen sowie der Rohre und Leitungen entsteht ein Werkstattcharakter, der die Markenidentität des Werkzeugproduzenten widerspiegelt.  

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Treppe mit Schraubencharakter

Die Treppe und die runden Oberlichter im Atrium veranschaulichen die schraubende Bewegung der Werkzeuge: Die stählerne Brüstungswangentreppe mit Holzstufen wendelt sich vom Erdgeschoss siebenläufig bis ins dritte Obergeschoss. Auf halber Geschosshöhe teilt jeweils ein Podest die Treppe grundrisssymmetrisch und fungiert wie ein Balkon mit Blick ins Atrium. Das Holztragwerk des Gebäudes machte die Planung und Montage der Treppe anspruchsvoll: Ihre Auflagerung auf den Holzträgern bedurfte einer hohen Maßgenauigkeit bei der Ausführung, zudem musste dem durch die Holzbauweise stärkerem Schwingungsverhalten entgegengewirkt werden. Die bündig eingeschweißte Untersichtsverkleidung steift den Treppenkörper aus, reduziert so Schwingungen im Bauteil und betont in der Ansicht die skulpturale Drehbewegung der Treppe. In die Wangen sind innenseitig Lichtvouten eingelassen, die den Treppenraum erhellen. Mit keilförmig zugeschnittenen Holzdielen wirkt das Antrittspodest elegant aufgefächert.  

Autark dank Technik  

Auch wenn das Gebäude mit Holz und Sichtbeton bodenständig anmutet, so steckt in ihm viel Technik: Auf dem Dach produziert eine Photovoltaikanlage jährlich 230.000 kWh/Jahr und deckt damit den gesamten Energiebedarf des Gebäudes. Ein hybrides Lüftungssystem steuert für die offenen Räume eine natürliche Belüftung über motorisierte Fensterflügel. Wo nötig, wird diese von einer mechanischen Teilklimaanlage mit Wärmerückgewinnung unterstützt. Geheizt und gekühlt wird das Gebäude über akustisch wirksame und thermisch aktivierte Deckensegel. Die Wärme- und dafür notwendige Kühlenergie bezieht eine Wärmepumpe aus dem Grundwasser. Das begrünte Dach dient als Regenwasserspeicher. Ist der nach viel Regen vollgesogen, wird der Niederschlag weiter vom Dach in Zisternen geleitet und dort für eine spätere Verwendung gespeichert. 

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Welche Lösungen für den Brandschutz im Holzbau? 

Eine schwierige Anforderung im mehrgeschossigen Holzgebäude ist der Brandschutz, besonders, wenn ein Atrium offene Geschossflächen miteinander verbindet. Die Fluchtwege funktionieren daher über zwei separate Fluchttreppenhäuser. Im Brandfall werden die Flächen mechanisch über Ventilatoren im Atriumdach und mit einer automatisch gesteuerten Belüftung entraucht. Dabei öffnen sich selektiv, je nach Verortung eines Brandherdes, Türen und Fenster, sodass die Entrauchung und die Nachströmung von Sauerstoff gelenkt und die Rauchausbreitung verhindert werden. Zusätzlich arbeitet eine Voll-Sprinkleranlage. Anhand von 3D-Computersimulationen wurden Brandszenarien berechnet und so der Brandschutz nachgewiesen. 

3D-Planungsverfahren 

Das Projekt war komplex und wurde deshalb vollständig digital geplant und mithilfe von BIM realisiert. Das führte zu effizienten Planungs- und Produktionsprozessen, zum Beispiel bei der maßgenauen Vorfertigung der Holzbauteile sowie der Planung der umfangreichen Gebäudetechnik. Das gilt aber auch für die Stahltreppe, die im Werk in Segmenten zugeschnitten und zusammengebaut wurde, um diese Segmente dann auf der Baustelle miteinander zu verschweißen und einheitlich zu lackieren. Den Planungs- und Ausführungsaufwand sieht man dem Gebäude von außen an seiner Aluminiumfassade nicht an. Das ist wie bei Bohrmaschinen: von außen eindeutig, im Innern komplex.

Bautafel

Architektur: Itten+Brechbühl AG, Bern (Architektur und Generalplanung, Brandschutz, Ausstellung, BIM)
Projektbeteiligte: Fontana Landschaftsarchitektur, Basel (Landschaftsplanung), Weber + Brönnimann Landschaftsarchitekten, Bern (Landschaft/Ausführungsplanung), Emch+Berger, Bern (Bauingenieur); SJB Kempter Fitze, Eschenbach (Holzbauingenieur), Speiser Metallbauplanung, Thun (Fassadenplanung), Toneatti Engineering, Bern (Elektrotechnik), EPRO Engineering, Gümligen (Haustechnik), Gartenmann Engineering, Bern (Bauphysik), AFC, Zürich (Brandschutz), Metallart, Salach (Treppe)
Bauherr*in: Scintilla, Zuchwil
Fertigstellung: 2025
Standort: Widistrasse 13, 4528 Zuchwil, Schweiz
Bildnachweis: Yohan Zerdoun Photography, Freiburg im Breisgau, Andre Roth, Zürich

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Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Treppen sponsored by:
METALLART Treppen GmbH
Hauffstr. 40
73084 Salach
www.metallart.com

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