Restaurant am Caumasee bei Flims
Archetypus mit Faltwerk
Eingebettet in die imposante Schweizer Wald- und Berglandschaft liegt auf rund 1.000 Metern Höhe der Caumasee bei Flims. Während er im Sommer als Bade- und Erholungsort genutzt wird, dient er im Winter als Ausgangspunkt für Wanderungen und Wintersport. Ein markanter Neubau am Nordufer des Sees beherbergt zwei Restaurants. Der Architektin Corinna Menn gelang eine gut abgestimmte Verbindung von Landschaft, Nutzung und Konstruktion. Anstelle eines durch Brand beschädigten Gebäudes von 1972 schuf sie einen kompakten Holzbau, der sich harmonisch eingliedert. Der Standort wurde vom Ufer an den Waldrand verlegt, um den See als Naturraum zu schützen.
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Archetypus, verankert im Hang
Über einem quadratischen Grundriss (16 x 16 Meter) erhebt sich der Neubau mit drei Geschossen am Hang. Durch die Stapelung der einzelnen Funktionen ließ sich der Bodeneingriff minimieren. Mit einem rund neun Meter hohen Satteldach interpretiert das Gebäude den Archetypus eines Giebelhauses. Die Traufe befindet sich auf einer Höhe von etwa zehn Metern, der First auf etwa zwanzig Metern über dem Gebäudenullpunkt. Die beiden unteren Geschosse sind teilweise in das etwa 20%ige Gefälle des Geländes eingegraben.
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Wald- und Seeweg erschließen die Restaurants
Im Obergeschoss, das über einen Waldweg erschlossen wird, befindet sich das ganzjährig geöffnete Restaurant Ustria La Cauma mit dazugehöriger Küche und einem drei Meter breiten, umlaufenden Balkon für rund 150 Gäste. Ein Zwischengeschoss nimmt Lager- und Technikräume sowie einen Zugang zur Anlieferung auf, welcher intern über eine Treppe angebunden ist. Das saisonal betriebene Selbstbedienungsrestaurant Terrassa La Cauma im Erdgeschoss ist vom See erreichbar. In der kalten Jahreszeit werden die Terrassenroste hochgeklappt – ähnlich dem winterfesten Verschließen einer Alphütte. Im Sommer ist der gastronomische Betrieb an drei Seiten und über zwei Geschosse hinweg geöffnet; Markisen dienen als Sonnenschutz.
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Betonsockel und prägende Holzkonstruktion
Bereiche mit hoher Erd- und Feuchtebelastung sind in Betonmassivbauweise umgesetzt, während der oberirdische Baukörper aus Holz errichtet ist. Mit einer dunkel lasierten Fassade aus regionalem Fichtenholz fügt sich der Neubau sehr gut in die Umgebung ein. Die Holzskelett- und Scheibenkonstruktion wurde mit elementierten Holzbauteilen kombiniert. Das sichtbare Tragwerk besteht überwiegend aus Fichtenholz und setzt sich aus Stützen, Trägern, Pfetten und Sparren zusammen. Zur Aussteifung dienen scheibenwirksame Dach- und Wandflächen aus beplankten Holzbauelementen. Brettschichtholzträger sowie Massivholz- und Holzwerkstoffelemente tragen die Geschossdecken.
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Das Dach als Faltwerk
Die Dachkonstruktion ist statisch ein Faltwerk, welches die vertikale und horizontale Lastabtragung übernimmt. Die geneigten Dachflächen sind als flächig wirkendes Tragwerk ausgebildet: Sie bestehen aus Sparren mit einer oberseitigen Dreischichtplatte aus Fichtenholz sowie einer darüberliegenden Dämmebene mit tragenden Rippen. Die Elemente lagern auf Fuß-, Mittel- und Firstpfette. Die Mittelpfette ist über zwei Hängewerke an die Firstpfette angehängt, welche die Aufhängelasten in die Giebelflächen des Daches weiterleitet. Die Giebelflächen sind als Ständerwände mit beidseitig verschraubten Holzwerkstoffplatten ausgebildet. Gemeinsam mit den beplankten Dachflächen bilden sie durchgängig wirkende Scheiben, die untereinander verbunden sind und eine Auflagerung des Dachtragwerks auf vier Strebenböcken ermöglichen. Zur zusätzlichen Aussteifung und zur Vermeidung von Kippbewegungen sind an den vier Gebäudeecken Zugstangen angeordnet.
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Lastabtragung über Decken und Wandträger
Die Decke über dem Zwischengeschoss besteht aus Brettschichtholzträgern, die als Dreifeldträger Spannweiten bis 5,50 Meter überbrücken. Die Decke über dem Erdgeschoss ist als Einfeldsystem aus Vollholzlamellen mit wechselnden Querschnittshöhen ausgeführt. Zur Abtragung der Deckenlasten sind im Zwischengeschoss fünf raumhohe, wandartige Träger angeordnet. Deren Aufbau ist lastabhängig und reicht von Ständerwänden mit unterschiedlich starken Beplankungen bis hin zu vollständig aus verklebten Holzwerkstoffplatten bestehenden Wänden. Ein Großteil des verwendeten Holzes stammt aus gemeindeeigenen Wäldern und wurde sortenrein und roh verbaut, um lokale Materialkreisläufe zu schließen.
Bautafel
Architektur: Corinna Menn Studio, Chur/Zürich
Projektbeteiligte: Spreiter Architektur und Bauleitung, Flims Dorf (Bauleitung); merz kley partner, Altenrhein (Tragkonstruktion); Nay Engineering, Chur (Elektroplanung); Collenberg Energietechnik, Chur (Heizungsplanung); Caviezel Klima, Chur (Lüftung); Bernhard Bauexperte, Chur (Bauphysik); Müller Illien Landschaftsarchitekten, Zürich (Landschaftsarchitektur)
Bauherr/in: Gemeindeverwaltung Flims
Fertigstellung: 2024
Standort: Caumasee, Flims, Schweiz
Bildnachweis: Ralph Feiner, Malans; Leonardo Finotti, São Paulo
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