Erweiterung Elobau Werk II in Leutkirch

Holz-Hybridbau im Plusenergie-Standard

Mit weit spannenden Sheddächern und einer Fassade aus Holzschindeln bildet die Erweiterung auf dem Werksgelände der Firma Elobau ein markantes Wahrzeichen. Das auf Elektrotechnik für den Maschinen- und Anlagenbau spezialisierte Unternehmen hat an seinem Standort in einem Gewerbegebiet im Nordwesten von Leutkirch im Allgäu zwei Hallen mit Arbeitsplätzen für die Produktion und Büros errichten lassen. Die Planung erfolgte durch F64 Architekten, die für Elobau bereits ein Betriebsgebäude in Probstzella entworfen haben. Das Unternehmen stellt beispielsweise berührungslose Sensortechnik und Bedienelemente her; seit 2010 arbeitet es vollständig klimaneutral.

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Zwei Hallen addiert

Am Standort Leutkirch wurden bislang zwei Bauabschnitte realisiert: Eine Halle ist mit nur fünf Metern Abstand nördlich des Bestandes platziert und mit diesem über einen Gang verbunden. Sie hat einen quadratischen Grundriss von etwa 50 x 50 Metern. Daran schließt rechtwinklig ebenfalls im Norden der zweite Hallenbau an, mit Abmessungen von etwa 38 x 74 Metern. Beide fassen den Parkplatz an der Ostseite des Firmengeländes an Zeppelinstraße und Oberem Auenweg.

Sheddächer mit Photovoltaik

Jede Menge Tageslicht dringt durch die gen Norden ausgerichteten Sheds, die eine blendfreie Belichtung gewährleisten. Die oberen drei Viertel der südlich geneigten Dachflächen sind mit Photovoltaik-Modulen ausgestattet. Die untere Zone ist mit einer hellen Folie versehen. Sie reflektiert das Sonnenlicht und sorgt für zusätzlichen Tageslichteintrag in den Hallen.

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Stahlbetonstützen, Fachwerkbinder, Sparren und Zugbänder

Das Sägezahndach ist in funktionaler Hinsicht also optimiert. Das Primärtragwerk bilden eingespannte Stahlbetonstützen, im Abstand von 12,50 Metern in die eine, und im Abstand von 12,20 Metern in die andere Richtung. Darauf ruhen Fachwerkbinder als Tragwerk hinter steil geneigten Fensterbändern. Sparren und Zugbänder tragen die leicht geneigten Dachflächen.

Eine flexible Konzeption war gewünscht: So sind die Büroarbeitsplätze durch ein variables Trennwandsystem akustisch von den Produktionsbereichen abgeschirmt. Die brandschutztechnische Trennung zwischen den Hallen erfolgt über eine Technikspange in Massivbauweise aus Stahlbeton. Sie wirkt gleichzeitig aussteifend. 

Photovoltaik, Wärmepumpen, Biogas

Das Gebäude ist im Plusenergie-Standard ausgeführt. Die PV-Anlage erbringt eine Leistung von rund 580 kWp (Kilowatt Peak). Weitere Energie liefern Wärmepumpen und Strom aus einer nahen Biogasanlage. Die Beheizung bzw. Kühlung der Halle erfolgt über eine Industriefußbodenheizung und das Lüftungsnetz. In die Lüftungsanlage ist eine Wärmerückgewinnung integriert. Auf künstliche Beleuchtung kann tagsüber weitgehend verzichtet werden – um das zu erreichen, erfolgten energetische Simulationen und Berechnungen bereits im Entwurfsstadium. 

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Tragwerk: FSH aus Buche, BSH aus Fichte

Die Verwendung nachwachsender, schadstoffarmer Baustoffe spielte eine wichtige Rolle bei der Planung der Hallen. Insgesamt 430 Kubikmeter Holz kamen zum Einsatz, davon gut 250 Kubikmeter Buchenfurnierschichtholz und knapp 130 Kubikmeter Holzfaserdämmung. Die Vertikalen und Diagonalen der Fachwerkträger bestehen ebenso wie die Sparren (52 x 20 cm) aus Buchen-Furnierschichtholz (Festigkeitsklasse GL 75 BB), während für die Ober- und Untergurte sowie die Zugbänder des Sparrenverbunds Brettschichtholz aus Fichte zum Einsatz kam.

Lärchenholzschindeln für die Fassade

Die Lärchenholzschindeln sind traditionell im Allgäu als Fassadenbekleidung verbreitet – an einem Gewerbebau innerhalb von Leutkirch allerdings ein echter Blickfang. Die Schindeln sind auf einer hinterlüfteten Holzschalung befestigt. DWD-Holzfaserplatten bilden die winddichte Schicht im Außenwandaufbau mit einer Holzkonstruktion aus Fichte und Buchen-Furnierschichtholz. Gedämmt wurde mit Holzwolle und Steinwolle; den inneren Wandabschluss bilden OSB-Platten, belegt mit Holzfaser-Akustikpaneelen. Auch die Untersicht der Hallendächer ist mit schallabsorbierenden Holzfaser-Elementen bekleidet. Für die Holz-Alu-Fenster wurde Lärchenholz verwendet.

Die meisten Baustoffe lassen sich recyceln oder wiederverwenden. Die beauftragten Baufirmen stammen aus der Umgebung; nach Möglichkeit wurden auch lokale Bauprodukte verwendet. Das Gebäude ist 2020 mit dem HolzbauPlus-Preis ausgezeichnet worden und erhielt den Bundespreis Umwelt & Bauen 2021. -us

Bautafel

Architektur: F64 Architekten, Kempten
Projektbeteiligte: Helber + Ruff, Ludwigsburg (Tragwerksplanung); Transsolar Energietechnik, München; Ingenieurbüro Ulrich, München (Energieberatung); Ingenieurbüro Pfähler & Rühl, Lehrensteinsfeld (Gebäudetechnik); Jarde Holzbau, Gestraz (Holzbau); Pollmeier, Creuzburg (Hersteller Buchen-Furnierschichtholz BauBuche)
Bauherr/in: elobau, 88299 Leutkirch
Fertigstellung: 2020
Standort: Zeppelinstraße 44, 88299 Leutkirch im Allgäu
Bildnachweis: Rainer Retzlaff / F64 Architekten

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