Keramik

Die Vielfalt keramischer Fassadenbekleidungen ist groß. Platten und Fliesen kommen lassen sich in unterschiedlichsten Formen und Formaten herstellen und können bei einer ganzen Reihe von Fassadenaufbauten als abschließende, wetterschützende Schicht dienen. Sogar einschalige können Konstruktionen ausgebildet werden.

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Ausgangsmaterialien und Herstellung

Keramische Werkstoffe für Fassaden bestehen aus tonmineralhaltigen Stoffen wie Feldspat, Schamott, Ton u.a. und Wasser. Sie werden bei etwa 1.200°C gebrannt und haben eine niedrige Wasseraufnahme von unter 3%. Die Scherben sind sehr dicht, kaum saugend und frostbeständig. In Fassaden wird Keramik als Grobkeramik (unter anderem keramische Spaltplatten und Ziegelplatten) und als Feinkeramik (zum Beispiel unglasierte oder glasierte Steinzeugfliesen) eingesetzt. Das Material wird trocken oder stranggepresst hergestellt und gilt als nicht brennbar.

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Konstruktionsarten

Keramische Fassaden lassen sich auf vier Arten ausführen, wobei die Platten oder Fliesen stets die nichttragende Wetterschale bilden. Die Wahl der Ausführung ist von verschiedenen Faktoren abhängig: Dazu zählen einerseits ästhetische Vorlieben, ökonomische Aspekte und Fragen der Reparatur und Wiederverwendung. Andererseits müssen die baulichen Gegebenheiten, die Funktion des Gebäudes, die Ausrichtung und Lage sowie Wind- und Niederschlagslasten berücksichtigt werden. Da keramische Fliesen und Platten recht starr sind, ist es zudem sehr wichtig, auf Bewegungsfugen zu achten. Diese helfen, thermische Veränderungen der miteinander verbundenen Baumaterialien, Setzungen des Bauwerks sowie sich übertragende Bewegungen im Straßenraum auszugleichen.

Folgende Konstruktionsarten werden unterschieden:

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Klinkerfassaden

Fliesen, Klinker und Riemchen kommen bei Wärmedämmverbundsystemen und bei hinterlüfteten Konstruktionen vor. Beim WDVS werden die Keramikelemente angemörtelt und sind dadurch vollflächig mit den darunterliegenden Schichten verbunden, die sich entsprechend schwer wieder trennen lassen. Bei hinterlüfteten Fassaden befindet sich die Bekleidung nicht direkt auf der Dämm- oder Tragschicht, sondern ist auf eine Unterkonstruktion montiert. Auch hier sind die einzelnen Elemente über den Mörtel miteinander verbunden, wodurch Reparatur und Wiederverwendung einzelner Teile erschwert werden.

Ankerstäbe verbinden die beiden Fassadenschichten und sorgen für Stabilität gegen Windlasten. Wegen des hohen Eigengewichts der Verblendmauern werden die daraus entstehenden Lasten meist geschossweise in die Decken eingeleitet. Bei Öffnungen geschieht das über die Stürze. Zusätzlich muss auf die Ausbildung von Dehnungs- bzw. Bewegungsfugen geachtet werden, insbesondere bei höheren Gebäuden. Oft befinden sich horizontale Fugen pro Geschoss oder alle zwei Geschosse direkt unter der Schicht der statischen Verankerung befinden. Offene, vertikale Fugen sorgen für die Hinterlüftung der Fassade.

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Keramikplattenfassade

Keramikplatten werden als Bekleidung für Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) oder vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) genutzt. Häufig verwendete Standardgrößen sind 0,60 x 0,60 m, 1,20 x 1,20 m oder 0,60 x 1,20 m. Beim VHS sind die Platten an definierten Punkten auf einer einer Unterkonstruktion montiert, sichtbar oder verdeckt mit Schrauben, Nieten, speziellen Einhangprofilen oder Hinterschnittankern. Die Befestigung ist auch ausschlaggebend dafür, wie gut sich die Platten später ausbauen bzw. austauschen lassen.

Die Unterkonstruktion besteht in der Regel aus Grund- und Konterlattung, die mittels Konsolen auf der Tragstruktur befestigt ist. Über dieses System werden alles Lasten aus der VHF abgeleitet. Da die oft metallischen Befestigungspunkte dabei auch die Dämmebene durchdringen, bilden sich Wärmebrücken, die sich wiederum durch den Einsatz von zum Beispiel Kunststoff-Isolatoren vermindern lassen. Da sich die einzelnen Platten durch die Art der Befestigung frei Ausdehnen und eingeschränkt bewegen können, sind wenige weitere Fugen notwendig. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit aus der Hinterlüftungsebene gelangen kann, etwa über normkonform dimensionierte Be- und Entlüftungsquerschnitte.

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Terracotta

Ein besonderer keramischer Werkstoff ist Terracotta, ein Material aus gebranntem Ton. An Fassaden ist Terracotta etwa in Form von stranggepressten Profilplatten oder Ziegeln zu sehen. Profilplatten werden mit und ohne Hohlkammern hergestellt. Je nach Gestaltungswunsch und Anforderungen messen sie 20 bis 60 cm in der Höhe und 40 bis 140 cm in der Länge. Die auf Holz- bzw. Aluminiumunterkonstruktionen befestigten Terracotta-Profile werden in verschiedenen Oberflächenqualitäten, wie z.B. glasiert, geschliffen, gerillt oder patiniert ausgeführt. Lochsteine aus Terracotta kommen beispielsweise in mediterranen und tropischen Klimazonen vor. Sie erfüllen hier die Funktion eines Lüftungsgitters und bieten durch die Tiefe der Löcher zugleich einen Sichtschutz.

Ausführliche Informationen zu keramischen Werkstoffen gibt es im Baunetz Wissen Fliesen und Platten (siehe Surftipps).

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Vorgehängte, hinterlüftete Fassade aus Titanzinkblech am Jüdischen Museum, Berlin (Beispiel leichte Bekleidungselemente)

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Hinterlüftete Aluminiumverkleidung des Bauhaus Baumarkts am Kurfürstendamm in Berlin, Architektur: Müller Reimann Architekten, Berlin

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Keramik

Die nach dem Kaufhaus benannte Hortenkachel wurde um 1961 von Helmut Rhode entworfen, hier am heutigen Galeria Kaufhof in Osnabrück

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Von kleinteilig bis großformatig – die Vielfalt keramischer Bekleidungen ist groß. Die Eigenschaften des Ausgangsmaterials wirken sich unmittelbar auf die Wahl der Fassadenkonstruktion aus.

Kunststoffe

Vorgespannte Kissen aus ETFE-Folie umhüllen die Allianz Arena in München. Architekten: Herzog & de Meuron, Basel

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Für Fassadenbekleidungen und -ausfachungen werden Kunststoffe wie Acrylglas, Polycarbonat (PC), Polyvinylchlorid (PVC), Polyethylenterephthalat (PET-A), und Ethylen-Tetrafluorethylen (ETFE) eingesetzt.

Lehm

Je nach Art des Lehms, Bautechnik und konstruktivem Witterungsschutz sind unterschiedliche Fassadenerscheinungen möglich. Bei unverputztem Wellerlehm, wie hier im Bild zu sehen, ist die Stroharmierung gut zu sehen.

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In vielen Teilen der Welt ist Lehm im Boden zu finden. Wird er als Baumaterial verwendet, gibt es einiges zu beachten.

Metalle

Goldfarben eloxiertes Aluminium am Berliner Axel-Springer-Hochhaus (1965), Architekten Melchiorre Bega, Gino Franzi, Franz Heinrich Sobotka und Gustav Müller

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Zahlreiche Legierungen, Bekleidungsarten und Oberflächenbehandlungen: Metalle gehören zu den vielseitigsten Fassadenmaterialien.

Putz

Das Putzen ist eine schon lange angewandte Technik. Mit einer Schicht aus feinem Mörtel sollen Außenwände insbesondere vor Feuchtigkeit geschützt werden.

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Der in vielfältigen Zusammensetzungen und Verarbeitungstechniken herstellbare Mörtel ist nicht nur dekorativ, sondern schützt Außenwände vor Witterungseinflüssen.

Stahl, Edelstahl, Cortenstahl

Eine der frühesten Vorhangfassaden aus Stahl und Glas ist die Fassade der Fagus-Werke in Alfeld von Walter Gropius. Die Aufnahme von 1913 zeigt das Gebäude kurz nach Fertigstellung der zweiten Bauphase noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs.

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Weil Stahl über ein hohes Elastizitätsmodul verfügt, ermöglicht seine Verwendung weit gespannte Fassadenkonstruktionen mit schlanken Profilen.

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