MOL Campus in Budapest

Belastbar Bauen mit Glas

Wenige Kilometer südlich der Budapester Altstadt, wo ein Damm die Lágymányosi-Bucht von der Donau trennt, entstand in den letzten Jahren ein Wohn- und Geschäftsviertel. Um trotz der dichten Bebauung genügend Grün- und Freiflächen zu erhalten, sah der Masterplan fünfgeschossige Hofhäuser mit markanten Eckgebäuden und ein Hochhaus an der Nordseite der Bucht vor. Hier steht nun die Konzernzentrale des ungarischen Öl- und Erdgasunternehmens MOL. Das Architekturbüro Foster+Partner entwarf das Gebäude im Rahmen eines Wettbewerbs, unterstützt vom lokalen Büro Finta Studio bei der Genehmigungsplanung. 

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Volumen 

Ein gläserner Turm mit geschwungener Form erhebt sich aus einem breiten, fünfgeschossigen Sockel. Mit 143 Metern Höhe und 29 oberirdischen Geschossen ist er das höchste Gebäude Budapests. Turm und Sockel bieten zusammen rund 58.500 Quadratmeter Geschossfläche – das entspricht etwa acht Fußballfeldern. Jedes Turmgeschoss umfasst eine Fläche von 1.200 Quadratmetern, die aufgrund der Deckenplatten aus ungebundenem, vorgespanntem Beton frei nutzbar sind. Diese Bauweise vergrößert die Spannweiten und erhöht die Stabilität bei Windlasten und Erdbeben. Zwei Betonkerne und relativ schlanke Stützen entlang der Atrien und Fassaden tragen die Konstruktion. So entsteht Platz für bis zu 2.500 Mitarbeitende und für ein umfangreiches Raumprogramm.

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Sockelgebäude 

Im Sockelgebäude sind alle Räume um ein verglastes Atrium angeordnet, das Tageslicht tief ins Innere leitet. Das Erdgeschoss ist öffentlich zugänglich und bietet Läden wie ein Café, ein Fitnessstudio und einen Friseur, die auch der Nachbarschaft zugutekommen. Die vier oberen Geschosse dienen firmeninternen, gemeinschaftlichen Zwecken: eine Lobby, ein Firmenrestaurant, Besprechungs- und Veranstaltungsräume, eine Bibliothek und Arbeitsbereiche wie die „Working Gardens“ für die Teamarbeit zwischen üppiger, dschungelähnlicher Bepflanzung.

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Turmgliederung  

Das Grün zieht sich mit Pflanzinseln und Bäumen durch das Atrium und wächst als vertikale Begrünung die östliche Turmseite hinauf. Weitere begrünte Atrien fassen jeweils drei Turmgeschosse zu einer Einheit zusammen. Diese „Triples“ bieten Ausblicke auf die Donau und sind festen Teams zugeordnet. Manche Abteilungen nutzen alle drei Etagen, andere teilen sich die Einheit. Innerhalb der Triples können Mitarbeitende ihre Arbeitsplätze frei wählen, ohne den Kontakt zum Team im Open Space zu verlieren. Das Berliner Büro Kinzo und das lokale Architekturbüro Minusplus gestalteten die Innenräume mit kräftigen Farben, Pflanzinseln und vielfältigen Arbeits- und Aufenthaltszonen.

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Wendeltreppe mit Aussicht 

Stählerne Wendeltreppen verbinden die Geschosse jedes Triples und schaffen kurze Wege. Mit schmalen Wangen und 23 Holzstufen schrauben sie sich durch die dreigeschossigen Atrien. Ihre geschwungenen Ganzglasbrüstungen bieten weite Ausblicke – sowohl auf die darunterliegenden Lounges als auch durch die nahe Glasfassade auf Stadt und Fluss. Wer hinabschaut, braucht starke Nerven: Je nach Standort geht es mehr als hundert Meter in die Tiefe. Schutz bietet lediglich ein optisch filigraner Holzhandlauf, der den Schwung der Glasscheiben nachzeichnet. 

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Glas mit hohen Anforderungen 

Glas prägt das Gebäude: Es lässt nicht nur Licht einfallen, sondern schafft eine entmaterialisierte Weite im Inneren und nach Außen eine Transparenz, die den Turm nachts zum Leuchten bringt. Um diese Wirkung zu erzielen, wurde auf Fenster und Absturzsicherungen, auf Geländerpfosten und opake Brüstungsflächen verzichtet. Stattdessen besteht die Fassade aus raumhohen, teils einfach, an den Übergängen zum Sockel zweifach gebogenen Glasscheiben. Die gläserne Hülle reicht bis über die Dachterrasse und verleiht dem Turm seine amorphe Form und denen einen Thrill, die an einer der Geschosskanten stehen. Auch Galerie- und Treppenbrüstungen sowie die Trennwände bestehen zum Teil aus geschwungenen, stellenweise raumhohen Glasscheiben, die in dünnen schwarzen Profilen in Boden und Decken eingespannt sind. Die Anforderungen an Belastbarkeit, Wärmeschutz und Akustik waren hoch: Einige Gläser wurden eigens für dieses Projekt entwickelt, andere per BIM berechnet und millimetergenau gefertigt.

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Klimakonzept 

Trotz der Glasfassade erhielt der MOL Campus Auszeichnungen für Klimaeffizienz und Nachhaltigkeit. Spezialglas und Sonnenschutz mindern den Energieeintrag. Kühltürme und Kühldecken sorgen im Sommer für angenehme Temperaturen, gespeist von Wärmepumpen, die über dreihundert Erdwärmesonden nutzen. Den Strom dafür und für die Beleuchtung liefert unter anderem eine 900 Quadratmeter große Photovoltaikanlage auf dem Dach. Die Heizenergie bezieht das Gebäude aus Fernwärme.

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Bautafel

Architektur: Foster + Partners, London (Wettbewerbsentwurf) + Finta and Partners Architectural Studio, Budapest (Unterstützung Genehmigungsplanung), Kinzo, Berlin +  Minusplus Architecture and Design, Budapest (Innenarchitektur)
Planungsbeteiligte: HydraStat, Debrecen (Tragwerk), Permasteelisa Group, Vittorio Veneto + Koltay Façades, Dubai (Fassade), Körös Consult (TGA-Planung), VA-IQ, Budapest (Elektro-Planung), Licht Kunst Licht, Bonn (Lichtplanung), M.O.O.CON, Wien (Mitarbeiterbeteiligung Innenarchitektur), CEH+, Budapest (Projektsteuerung)
Bauherr: MOL Petrochemicals
Fertigstellung: 2022
Standort: Budapest, Dombóvári út 28, 1117 Ungarn
Bildnachweis: HGEsch photography, Hennef / Kinzo, Berlin; Nigel Young / Foster + Partners, London; MOL Campus, Budapest; Video: DIR/DOP: Hans Georg Esch, Oliver Schwabe, David Ertl, Florian Yeh; Editing: Florian Yeh;  Music: TORUS; Prod.: HGEsch

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