Haus des Fußballs in München
Wendeltreppe als zweiter Rettungsweg
In der Münchener Maxvorstadt, nur fünf Gehminuten vom Königsplatz entfernt, steht das Haus des Fußballs. Hier sitzt der Bayerische Fußballverband (BFV), der über viertausend Fußballvereine mit insgesamt fast 1,6 Millionen Mitgliedern vertritt. Allein wegen dieser Zahlen und der gesellschaftlichen Bedeutung von Fußball erwartet man einen besonderen Großbau. Doch das Gebäude ist schlicht; ein unauffälliger Nachkriegsbau aus dem Jahr 1954, der vor zwanzig Jahren energetisch saniert und im Innern umgebaut wurde (geplant von Bauer Architektur). In der Straßenansicht und in der Nutzung – drei Bürogeschosse, darüber zwei zum Wohnen – blieb das Haus seither fast unverändert.
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Auf dem hinteren Teil des Grundstücks vermietete der BFV eine Veranstaltungshalle an die bekannte Münchener Volksbühne. So lange, bis die Stadt München ein zeitgemäßes Theater im Süden der Stadt bauen ließ, in das die Volksbühne 2021 umzog. Für das leer geräumte, marode Bühnenhaus kam nur ein Abriss infrage, sodass hinter dem Haus des Fußballs und in bester Lage eine riesige Fläche frei wurde. Nach Plänen der Büros Kupferschmidt Architekten (Entwurf) und Lanz Architekten (Ausführungsplanung) begann 2021 die Sanierung des Haus des Fußballs und 2022 der Bau des Wohn- und Geschäftshauses Brienner Gärten.
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Bauaufgabe
Ausgangspunkt für die Planungen war ein Tausch der obergeschossigen Nutzungen: Denn die Büroflächen des BFV, die sich ehemals auf alle Gebäude verteilten, sollten fortan im Vorderhaus gebündelt werden. Dafür mussten dort die bestehenden Wohnungen aus den beiden Obergeschossen in den Neubau weichen: Dieser ist ein Stahlbetonskelettbau mit drei Vollgeschossen, zwei Staffelgeschossen und einem kammförmigen Grundriss mit mehreren Höfen. Hier entstanden elf Wohnungen auf 850 Quadratmetern, zudem Büroräume auf 6.400 Quadratmetern, ein Restaurant auf 400 Quadratmetern, eine Tiefgarage sowie Dachterrassen. Der neue Hinterhofbau hat eine Vorhangfassade aus Glas und Aluminium, sodass trotz der engen Lage viel Licht in die Räume gelangt.
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Sanierung an der Bausubstanz
Die Sanierung des Vorderhauses könnte aufgrund der bereits 2006 erfolgten Ertüchtigung und der kaum veränderten Straßenfassade einfach erscheinen, hatte aber ihre Tücken, vor allem hinsichtlich des Brandschutzes. So musste die hofseitige Nordfassade teilweise neu errichtet werden: Die Wandteile, die an den abgerissenen Mittelbau grenzten, bedurften einer Wärme- und Brandschutz-Dämmung. Zudem mussten wegen der geringen Abstandsflächen einige Öffnungen vermauert und verputzt, sowie die alten Fenster und die Vorhangfassade im Treppenhaus gegen F30-Brandschutzfenster getauscht werden. Diese schließen im Brandfall automatisch und verhindern so den Brandüberschlag durchs geöffnete Fenster. Die größte Maßnahme der Sanierung war der Umbau der oberen Geschosse für die Büronutzung, die einer Kernsanierung gleichkam. Es mussten Mauerwerkswände im Innern entfernt und Geschossdecken temporär abgestützt werden. Estrichbeläge wurden teilweise neu gegossen, Sanitäranlagen, die Haus- und Leitungstechnik und alle Oberflächen erneuert. Jetzt ermöglichen Glastrenn- und Leichtbauwände bei Bedarf einen flexibleren Umbau der Büros.
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Brandschutzgerechte Erschließung
Auch die brandschutzgerechte Erschließung war unzureichend: Die oberen Geschosse wurden nur über ein Treppenhaus angedient, die bestehende Wendeltreppe aus Beton reichte gerade bis ins dritte Geschoss. Im Zuge des aktuellen Umbaus wurde sie bis zur fünften Etage mit einer gewichtssparenden Stahlkonstruktion fortgeführt, sodass ein zweiter Rettungsweg hergestellt war. Dafür wurde aus den beiden oberen Geschossdecken je ein fast fünf Meter breiter Zweidrittelkreis ausgeschnitten; das Dach erhielt eine etwas größere, kreisförmige Öffnung, über die der Treppenraum belichtet wird und die eine Installation der neuen Stahltreppe vereinfachte. Denn die Treppe wurde in Segmenten vorgefertigt, angeliefert, über einen Kran durch das offene Dach ins Gebäude gehoben und über Auflagerwinkel an die Stirnseiten der Geschossdecken gedübelt. Die einzelnen Teile wurden vor Ort ineinandergesteckt, verschraubt und verschweißt. Erst dann, nach einem letzten Schliff, wurde die Treppe fertiggestellt und lackiert.
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Treppenkonstruktion
Die Treppe besteht aus Flachstahlwangen und Faltwerkstufen, die auf zwei geschwungene Rechteckrohre geschweißt sind und in der Untersicht offen blieben. Zuletzt wurden beidseitig runde Edelstahlhandläufe montiert und die Stufen mit Schiefer belegt. Das Treppenauge hat einen Durchmesser von etwa zwei Metern, so verbleibt zwischen den Bauteilen und Handläufen eine nutzbare Laufbreite von 1,2 Metern. Das liegt sogar über der brandschutzrechtlich notwendigen Fluchtwegbreite. Zudem konnte wegen der Materialstärke auf eine wartungsintensive Brandschutzbeschichtung verzichtet werden. Die in Quarzgrau lackierten Treppeninnenseiten und der Schieferbelag bilden eine Einheit, die den Blick entlang der Laufwege lenkt. Die Außen- und Unterseiten der Treppe sind in Papyrusweiß angelegt, passend zu den weißen Wänden. Die Farbgestaltung der Flure und Treppenaufgänge – so unbunt und kontraststark wie bei einem Fußball – zieht sich durch alle alten und neuen Gebäudeteile und erleichtert die Orientierung.
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Ikonische Dachkuppel
Das buchstäbliche Highlight der Sanierung ist die gläserne Dachkuppel, die den Treppenraum belichtet. Dafür wurde entlang des runden Dachausschnittes eine Aufkantung betoniert, auf der die zehneckige Grundform des geodätischen Stahltragwerks befestigt wird. Die Kuppel selbst besteht wie ein Fußball aus sechs- und fünfeckigen Feldern und hat mittig einen Öffnungsflügel zur Entrauchung. Die Kuppel wirkt sogar in die Ferne: nicht in die Brienner Straße, denn von da ist sie nicht sichtbar, sondern über die Satellitenperspektive von Google Maps in die Welt.
Bautafel
Architektur: Kupferschmidt Architekten, München (Entwurfsplanung), Lanz Architekten, München (Ausführungsplanung)
Projektbeteiligte: Sailer Stepan Tragwerkteam, München (Tragwerksplanung), hhpberlin Ingenieure für Brandschutz, Frankfurt am Main (Brandschutzplanung), PMI Ingenieure, München (Bauphysik), IBS Planungsgesellschaft, Germering (TGA HLSE), MTM-Plan, Eschlkam (TGA ELT), Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten, München (Freianlagenplanung), GS Schenk, München (Generalunternehmer), igb Ingenieurgesellschaft Burgert (Baumanagement), ProWerk, München (Projektsteuerung). METALLART Treppen, Salach (Treppen)
Auftraggeber: Bayerischer Fußball-Verband, München
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Georg Wenkowitsch, Martina Bogdahn, Cristopher Civitillo
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73084 Salach
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