Bodengebundene Fassadenbegrünung

Die Eignung einer Pflanze für eine Fassadenbegrünung im Hinblick auf die spezifischen Eigenheiten der Pflanzenart hängt maßgeblich von der Form der Fassadenbegrünung ab. Demnach kommen für eine bodengebundene Fassadenbegrünung in der Regel Kletterpflanzen in Frage, während eine wandgebundene Begrünung auch mit Stauden, Kleingehölzen und Moosen realisiert werden kann.

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Die Wahl der jeweiligen Pflanze orientiert sich dann an gestalterischen Kriterien wie beispielsweise Flächenbild, Belaubungsphase, Laub- und Blütenfarbe, aber auch an den Lebensansprüchen der Pflanze im Hinblick auf Klima, Lichtverhältnisse und Versorgung. Fehlerhafte Entscheidungen führen entweder zu mangelndem Gedeihen oder zu Pflanzenschäden und somit zu einem unerwünschten Erscheinungsbild.

Bodengebunden Fassadenbegrünung

Im Folgenden werden die gängigen mehrjährigen Pflanzen (alphabetisch gereiht) für die gemäßigte Klimazone am Beispiel Deutschlands etwas näher beschrieben.

Selbstklimmer

Selbstklimmer bewachsen geeignete Fassaden direkt, indem sie sich durch Wurzeln oder Haftscheiben anheften. Sie werden bei optimalen Wuchsbedingungen bis zu 25 m hoch und erreichen eine gute Flächenwirkung je nach Pflanze nach 5 bis 20 Jahren. Der Gestaltungsspielraum im Hinblick auf die Pflanzenvielfalt hält sich in Grenzen, dennoch gibt es eine gewissen Bandbreite an Blatt- und Blütenfarbe, insbesondere bei einigen sommergrünen Arten, deren Blätter sich im Herbst von gelb über orange bis tiefrot färben.

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Efeu
  • Immergrün, Blätter teilweise rot gefärbt
  • Teilweise Nahrungsquelle für Bienen und Vögel
  • Maximale Höhe bis 25 m
Kletterhortensien
  • Sommergrün mit weißer Blüte im Juni und Juli allerdings erstmals nach 5 bis 8 Standjahren
  • Nahrungsquelle für Bienen, Schmetterlinge und Vögel
  • Maximale Höhe bis 15 m
Trompetenblume
  • Sommergrün mit trompetenförmigen, orangenen Blüten von Juli bis September allerdings:
  • erstmals nach 5 bis 8 Standjahren
  • Maximale Höhe bis 12 m
Wilder Wein
  • Sommergrün mit Rotfärbung im Herbst
  • Nahrungsquelle für Bienen und Vögel
  • Maximale Höhe bis 20 m

Gerüstkletterpflanzen

Gerüstkletterpflanzen können sich wie Selbstklimmer nicht selbst tragen, sondern benötigen Wuchshilfen, um in Richtung des Lichts wachsen zu können. Im Unterschied zu ersteren bilden sie keine Haftorgane oder Wurzeln zum direkten Bewuchs aus, sondern benötigen sekundäre Konstruktionen, an denen sie sich in die Höhe winden. Je nach Methode, die die Pflanze hierfür verwendet, entsteht eine Gruppierung in rankende, schlingende und klimmende Arten. Eine gute Flächenwirkung entsteht bereits nach 3 bis 12 Jahren, die maximal zu erreichende Höhe liegt bei etwa 25 m. Der Gestaltungsspielraum sowohl im Bezug auf die Einsatzmöglichkeiten (vor Loggien, Fenstern etc.) als auch im Hinblick auf die Zahl der geeigneten Pflanzen ist im Vergleich zur bodengebundenen Begrünung deutlich größer.

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Rankende Arten

Als Klettergerüst eignen sich gitter- und netzförmige Konstruktionen. Die Pflanze bildet entweder Fortsätze aus, die sich um die Wuchshilfe ranken oder verwendet hierfür ihre Blattstiele.

Waldrebe (versch. Arten)

  • Sommergrün mit, artenabhängig, unterschiedlich gefärbten Blüten von Mai bis Oktober
  • Nahrungsquelle für Schmetterlinge und Bienen
  • Maximal Höhe bis 15 m
  • Große Auswahl hinsichtlich der Blütenfärbung
Weinrebe (versch. Arten)
  • Sommergrün mit Rotfärbung im Herbst
  • Maximale Höhe bis 13 m
  • Je nach Art mit essbarer Frucht (Traube) im Oktober

Schlingende oder windende Arten

Als Klettergerüst eignen sich vertikale Konstruktionen. Die Pflanze windet sich mit ihrem gesamten Stengel um die Wuchshilfe.

Blauregen

  • Sommergrüne Pflanze mit üppigen lilafarbenen Blütentrauben im Mai
  • Nahrungsquelle für Biene, für Menschen giftig
  • Maximale Höhe bis 30 m
  • Benötigt aufgrund entstehender Kräfte ausreichend starke Kletterhilfen
Baumwürger
  • Sommergrüne Pflanze intensiver Gelbfärbung im Herbst und gelb-roten Früchten
  • Maximale Höhe bis 18 m
  • Benötigt aufgrund entstehender Kräfte ausreichend starke Kletterhilfen
Geißblatt
  •  Sommergrüne Pflanze mit intensiver Gelbfärbung im Herbst und gelb-roten Früchten
  •  Maximale Höhe bis 18 m
  •  Benötigt aufgrund entstehender Kräfte ausreichend starke Kletterhilfen
Strahlengriffel, Kiwi
  • Immergrüne Pflanze mit essbaren Früchten, für deren Bildung die Pflanzung von männlichen und weiblichen Pflanzen erforderlich ist
  • Maximale Höhe bis 12 m
Knöterich
  • Immergrüne Pflanze mit artenabhängig weißer oder rosa Blüte von Juli bis Oktober
  • Maximale Höhe bis 12 m
  • Sehr rasch wachsend, bis 8 m/Jahr
Pfeifenwinde
  • Sommergrüne Pflanze mit brauner Blüte im Mai
  • Maximale Höhe bis 10 m
  • Üppige Flächenwirkung und gut schattenspendend aufgrund der großen und sich überlappenden Blätter
Kletterhortensien und Trompetenblume kommen ebenfalls für eine Verwendung als Gerüstkletterer infrage, nähere Beschreibung siehe oben.

Klimmende Arten
Als Klettergerüst eignen sich sowohl Konstruktionen mit waagerechter Ausrichtung als auch gitter- und netzförmige Konstruktionen. Die Pflanze hält sich mithilfe ihrer Stacheln oder Dornen an der Wuchshilfe fest.

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Kletterrose (versch. Arten)
  • Je nach Art, sommer- oder immergrün, mit unterschiedlich gefärbter Blüte von Juni bis Oktober
  • Nahrungsquelle für Bienen und Vögel
  • Maximale Höhe bis 15 m
Darüber hinaus gibt es unter den Gerüstkletterpflanzen weitere einjährige Arten, die für temporäre Begrünungsprojekte eingesetzt werden können oder als vorübergehende Lösung dort, wo eine dauerhafte Begrünung ihre Flächenwirkung erst nach einigen Jahren erfüllt. Dazu zählen:

  • Einjährige Ranker:
    Glockenrebe, versch. Kürbisarten, versch. Gurkenarten, Passionsblume, Rosenkelch, Kapuzinerkresse
  • Einjährige Schlinger/Winder:
    Sternwinde, Japanischer Hopfen, Feuerbohne, Prunk- oder Trichterwinde, Schwarzäugige Susanne
Literatur: Baumann, R. (1983) - Begrünte Architektur, Bauen und Gestalten mit Kletterpflanzen. Verlag Callwey München // FFL, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau (2018) - Fassadenbegrünungsrichtlinien // Köhler, M (2022) - Handbuch Bauwerksbegrünung, 2. Auflage, Planung - Konstruktion - Ausführung. Verlag Rudolf Müller // Pfoser, N. (2018) - Vertikale Begrünungen, Fachbibliothek grün. Verlag Eugen Ulmer

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