Temporärer wandelbarer Pavillon

Membrane in Schwingtorrahmen

Ein wetterfester Zufluchtsort als zeitgenössisches und wandelbares Objekt – im Rahmen der Bonner Ausstellung Lasst uns drei Hütten bauen lud ein Pavillon, der sich formal und funktional auf Ur-Typologien des Hauses bezieht, auf dem Gelände einer ehemaligen Stadt-Gärtnerei zum Verweilen ein. Die Architekten Kalhöfer und Korschildgen nennen den Bau Raum auf Zeit – Zeit im Raum und regten die Besucher darin zum Experimentieren mit der Wahrnehmung unterschiedlicher Atmosphären und Horizonte an. Der temporäre Leichtbau ist auch an anderen Standorten denkbar und lässt sich einfach wieder aufbauen.

Gallerie

Wer den Pavillon betritt, ist aufgefordert, ihn den persönlichen Bedürfnissen anzupassen, seine Parameter zu verändern, Außenwände zu öffnen oder zu schließen. Der Charakter des temporären Aufenthaltsortes ist vollständig wandelbar: Vom intimen Meditationsraum über ein Belvedere oder einen Passagenraum bis hin zu einem Ort, der sich in der Landschaft aufzulösen scheint, ist alles möglich; ein zentral platziertes Möbel lässt sich als Tisch, Bank, Bett oder Altar verstehen. Das leichte Haus ist Innen- und Außenraum, öffentlich und privat zugleich und für alle nur begrenzte Zeit nutzbar. 

Vollständig geschlossen erscheint es äußerlich als heller Monolith, dessen Innenraum mit lichtem Rot überrascht. Durch die Beweglichkeit der Begrenzungen, seiner Wände, wirkt es zunehmend als konkreter Raum, dessen konstituierende Bauteile sich auflösen lassen.

Die Konstruktion besteht aus einfachen Massenprodukten wie Garagen-Schwingtoren, Gerüstbaufolien und Staubnetzen, die jedoch in dieser Kombination eine intensive Atmosphäre erzeugen. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen der archaischen Hütten-Architektur und dem pragmatischen Einsatz banaler, zeitgenössischer Materialien. Stefan Korschildgen bezeichnet dies als "Widersprüchlichkeit des naiven Traums von Heimat unter den heutigen Bedingungen permanenten Wandels".

Sonnenschutz
Seilverspannte Stahlträger umfassen die Hütte kreuzförmig, fungieren als Schienen und ragen in die Landschaft hinaus. Sie erlauben das schrittweise Ausfahren der Wände wie bei einer Garage und verbinden dann Innen und Außen. Bei vollständig hoch gefahrenen Wänden wird das Haus zum Unterstand, zum scheinbar schwebenden Dach, das Schutz vor Regen und Sonne bietet.

L-förmige Stahlstützen auf Fußplatten tragen eine biegesteife Zeltdachkonstruktion aus Stahlrechteckrohren. Die Wände bilden Garagentore in Schwingtorrahmen mit einer eingespannten Haut aus zwei verschiedenen Membranen: Einer äußeren weißen und wasserfesten PE-Folie und einer inneren Bespannung aus rotem Gerüstschutznetz, die dem Sonnenschutz dient. Die Membrane werden mit Hochleistungsklebebändern an den Stahlprofilen befestigt. -us

Bautafel

Architekt: Kalhöfer Korschildgen, Köln
Projektbeteiligte: Vreden, Henneker & Partner, Bonn (Tragwerksplanung); Trimborn Metallbau, Bad Honnef (Metallbauarbeiten); Eiting-Räume, Köln (Polsterarbeiten); Novoferm, Rees (Schwingtore), Tegum, Frauenfeld/CH (Außenhaut); BTE, Elsoff (Innenhaut und Sonnenschutz)
Bauherr: Elisabeth-Montag-Stiftung, Bonn
Fertigstellung: 2005
Standort:
Bisher temporär in Bonn
Bildnachweis: Kalhöfer Korschildgen Architekten, Köln

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