Temporärer Pavillon Antelia Citizen Forum in Chihuahua

Der Sonne gegenüber

Die Plaza Merino ist einer der ältesten Plätze im Stadtzentrum von Chihuahua. 1709 unter dem Namen Plaza de la Horca angelegt, diente er der mexikanischen Stadt im 18. Jahrhundert als Marktplatz. Dieser wurde anschließend in angrenzende Hallen verlegt, wodurch die Plaza Merino zu einer wichtigen innerstädtischen Grünfläche und Aufenthaltszone wurde. Jedoch heizt sich das unbegrünte Zentrum des Platzes in den Sommermonaten teils auf Temperaturen über 40 Grad Celsius auf und wird darum gemieden. Darauf reagierte das chilenische Architekturkollektiv República Portátil aus Concepción in Zusammenarbeit mit der in Chihuahua ansässigen Hochschule ISAD (Instituto Superior de Arquitectura y Diseño) mit einem Entwurf für einen Sonnenschutzpavillon. Das Antelia Citizen Forum ist ein zylinderförmiges Holzgerüst mit daran aufgehängten Stoffsegeln, die den Platz beschatten und verschönern.

Gallerie

Antelia leitet sich von einer Kombination der griechischen Begriffe anti und helios ab und bedeutet zu Deutsch: „Gegenüber der Sonne“. Zu dem Titel ließen sich die Studierenden der Entwurfsgruppe durch die zwei Hauptcharakteristika des Ortes inspirieren: Die brütende Hitze und die Kreisformen, die den Platz prägen. Letztere rühren von einem städtischen Sitzmöbel her, einer niedrigen Mauer, die sich im Zentrum des Platzes befindet und im Grundriss aus drei sich leicht überschneidenden Kreisen besteht. Im kleinsten der drei Kreise befindet sich ein Blumenbeet mit Palme, im größten Kreis erzeugt die spezifische Form einen bei den Einwohnern der Stadt populären Echo-Effekt.

Nutzbarmachung von städtischem Raum
Genau hier wurde der Pavillon errichtet, denn obwohl dies der attraktivste Ort des Platzes ist, drängt es die Besuchenden die meiste Zeit des Tages in die durch Vegetation und Markisen beschatteten Randzonen des quadratischen Platzgrundrisses. Aufgesucht wird die Plaza Merino hauptsächlich von Viehbauern aus der Region, die sich an einem der zwölf Schuhputzstände – in Chihuahua traditionell als „Boleros“ bezeichnet – die Stiefel polieren lassen.

Die temporäre Struktur passt sich der Kreisform der Sitzmauer an: An ihrer Außenseite schließt ein Holzskelett an, das aus 26 Modulen mit trapezförmigem Grundriss besteht. Auf der Innenseite sind am höchsten Punkt der Struktur Stoffsegel befestigt. Fixiert sind die Segel oben und etwa auf halber Höhe, sodass die unteren Enden der langen Bahnen im Wind wehen. Damit die Sichtbeziehungen auf dem Platz nicht gestört sind, reichen die Bahnen nicht bis zum Boden. Zwischen den innen liegenden Stoffbahnen und dem äußeren Rand der Struktur bilden die aneinandergefügten Module eine kreisförmige Galerie, die abends durch schlichte Glühbirnen beleuchtet werden kann.

Intervention im Stadtgrundriss
Den Boden der Module bilden Sperrholzplatten, die in einer Höhe von 17 cm über dem Boden fixiert wurden. Gestaltet wurden sie mit farbigen geometrischen Formen, die aus der Vogelperspektive eine auffällige Intervention im Stadtgrundriss darstellen und die Besuchenden in die Architektur und den neu entstandenen städtischen Aufenthalts- und Veranstaltungsort einführen sollen.

Die Höhe der Module definiert auch die Gesamthöhe des Bauwerks und ist so gewählt worden, dass vor allem das seitlich einfallende Licht der Sonne abgehalten und dadurch über weite Teile des Tages ein großer Teil des Kreisbereichs verschattet wird. Auf eine Überkopfverschattung wurde verzichtet, denn trotz des Bedarfs an Schatten sollte die Freizügigkeit des Platzes nicht zu stark eingeschränkt werden.

Seit 2015 veranstaltet das ISAD einmal im Jahr den sogenannten Desert Workshop, der am Ende des Semesters eine Intervention in der Stadt vorsieht. 2019 wurde República Portátil zu einer Kollaboration eingeladen – das Ergebnis ist das Antelia Citizen Forum. Beim mexikanischen Architekturpreis Premio Firenze Entremuros im Jahr 2020 konnte das Projekt in der Kategorie „Ephemere Strukturen” den dritten Platz erringen. -sr

Bautafel

Architektur: República Portátil, Concepción
Projektteam: Julio Suárez, Andrés Moreno, Miguel Heredia, Juan Castillo, Pavel Sánchez (Lehrende Architekten und Designer); Sara Mar (Projektleitung); Alan Santana, Sonia Escárcega, Susana Millán, Santiago Martínez, Andrea Islas, Vani Gómez, Andrea De La Cruz, Sofia Díaz, Mauricio Eddy, Alejandro Londoño, Deisy Marín, María Paula Correa, Mauricio González, Gustavo Buitrago, Yael Salazar, Hugo Agredo, Yekaterina Herrera, Nancy Gúzman, Rebeca Rodríguez, Katia Álvarez, Tania Méndez, Fernanda Gutiérrez (Studierende)
Bauherrschaft: ISAD, Cihuahua
Fertigstellung: 2019
Standort: Plaza Merino, Chihuahua, Mexico
Bildnachweis: Dès vu fotografía; Federico Campos

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