Weingut Quinta de Adorigo in Tabuaco
Eingebunden in den Hang
Die portugiesische Region Alto Douro im Norden des Landes ist eines der ältesten Weinbaugebiete weltweit und gehört seit 2001 zum UNESCO-Welterbe. Ein Neubau aus Beton und Holz, Schiefer und Granit fügt sich sehr gut in die gebirgige und terrassierte Landschaft beidseitig des Flusses Douro ein. Mit spitzen Giebeln und versetzten Ebenen ist der längliche Gebäudekomplex teils verschlungen: Das Team von Atelier Sergio Rebelo plante das Weingut Quinta de Adorigo in zeitgemäßer, reduzierter Formensprache, nahm traditionelle architektonische Merkmale auf und verwendete lokale Materialien. Die Gebäudeform setzt sich aus parallelen Riegeln zusammen, die an zentraler Stelle verwunden und verzweigt sind. Der Bau ist in den Hang gebettet, wesentliche Funktionen der Weinproduktion und -verkostung sind geschickt verknüpft.
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Am terrassierten Hügel
Die hügelige Landschaft ist eindrucksvoll, die Hänge teils bewaldet, teils durch geschwungene Weinterrassen geprägt. Deren Relief und die Reben überlagern das Auf und Ab gleichsam als dreidimensionale Zeichnung. Das Weingut fügt sich hier wunderbar ein: Die allseitigen Freibereiche der Produktions- und Verkostungsstätte, die um ein Hotel ergänzt wird, sind als Erweiterung der Topografie wahrnehmbar. Die langgezogenen Satteldächer sind ein bekanntes Motiv der vernakulären Architektur – hier sind sie geschwungen und ineinander verwoben.
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Produktion und Verkauf
Die unterschiedlichen Niveaus der Produktionsebenen entsprechen den Abläufen bei der Herstellung von Wein: Für die verschiedenen Prozesse ist die Nutzung der Schwerkraft regional üblich. Der Haupteingang talseitig im Untergeschoss führt zum Empfang mit Weinladen. Eine Treppe erschließt den hohen Galerieraum im Obergeschoss, der Einblicke in die Produktions- und Lagerhalle eröffnet, aber auch in die umliegende Landschaft. Eine Terrasse bietet Aussicht über das Dourotal, Zugang zum Weinberg und zu einer alten steinernen Kapelle. Die landschaftliche Einbindung des Bauwerks lässt sich durch Ein- und Ausblicke erleben, über Pfade, Höfe und Nischen, die innere Einkehr ebenso ermöglichen wie soziales Miteinander, die zum Spazieren, Genießen und Nachdenken anregen.
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Basis aus Beton, darüber ein hölzernes Tragwerk
Die Fundamente und Stützkonstruktionen bestehen aus Beton. An einigen Stellen im Innen- und Außenbereich kommen Schiefer und Granit zum Einsatz. Die vom Erdboden abgehobenen Bauteile sind überwiegend aus Holz errichtet: Das Tragwerk bilden Rahmen aus Brettschichtholz in Kombination mit Brettsperrholzplatten (CLT: Cross Laminated Timber), abgedeckt durch Paneele aus glasfaserbewehrtem Beton. Deren Produktionsstätte liegt gerade einmal 150 Kilometer entfernt – so wurde ein lokaler Betrieb unterstützt, Transportwege ließen sich minimieren und ebenso wie durch einen verstärkten Einsatz von Holz CO₂-Emissionen einsparen. Ein hoher Vorfertigungsgrad der Bauelemente beschleunigte den Ablauf und führte zu weniger Verkehr auf der Baustelle.
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Thermische Trägheit des Erdreichs genutzt
Für einen sparsamen Gebäudebetrieb war entscheidend, mit geringem Aufwand gleichbleibende Temperaturen zwischen 14 und 16 Grad Celsius in den Räumen für die Gärung zu erzielen. Dies gelang durch die Einbindung der südlichen Gebäudehülle ins Erdreich (welches temperaturträge ist), während die nach Norden orientierten Fassaden auch in den heißen Sommermonaten kaum direktem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Die notwendige Technik arbeitet effizient unter Einsatz von Geothermie.
Weil das Weingut nicht an die öffentliche Wasserversorgung angebunden ist, waren Bohrungen zur Trinkwassergewinnung erforderlich. Zudem wird Regenwasser gesammelt und genutzt, Brauchwasser aufgearbeitet und zur Reinigung, Bewässerung oder Brandbekämpfung eingesetzt.
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Vormauerschale mit Bruchsteinen aus Schiefer
In Portugal hat Schiefer als Baumaterial eine lange Tradition; der Naturstein prägt auch die Region Alto Douro. Es liegt also nahe, ihn für das Weingut einzusetzen: Vielfarbige Schieferbruchsteine kennzeichnen die erdverbundenen Stützmauern der Terrassen. Die tragenden Betonwände erhielten eine Vormauerschale mit Bruchsteinen aus Schiefer, deren Farbspektrum Sand- und Brauntöne bis hin zu Bronze und Kupfer umfasst, aber auch helles Grau und Anthrazit. -us
Bautafel
Architektur: Atelier Sergio Rebelo, Porto
Projektbeteiligte: Sérgio Rebelo, Nuno Borges, Tiago Pinto de Carvalho, Joana Portela, Tiago Martins, Ricardo Gouveia, La-Salete Carvalho, Lourenço Barreto, Catarina Araújo, Bruna Campos, Fátima Séneca, Paulo Cunha Martins (Entwurfs- und Planungsteam); Sofia Pera (Landschaftsplanung); Thornton Tomassetti / Scott Lomax, Gunnar Hubbard (Tragwerk, Nachhaltigkeitskonzept); Pormin / José Guedes, João Guedes, Henrique Araújo, Carolina Freixo, Susana Fernandes (Betonstruktur, Hydraulik, Elektroplanung, IT); Portilame / Marcos Oliveira, José Esteves (Holzbau); Teixeira, Pinto e Soares, Amarante (Bauunternehmer); GRC Panels: Betoncrete (Betonpaneele); MIR and 24 Studio (3D Visualisierungen)
Bauherr: Quinta de Adorigo, Tabuaço
Fertigstellung: 2024
Standort: Q.ta de Santo António, 5120-011 Tabuaço, Alto Douro Vinhateiro, Portugal
Bildnachweis: Fernando Guerra (Fotos), MIR and 24 Studio (3D Visualisierungen), Atelier Sergio Rebelo (Pläne)
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