Nachweis der Energieeffizienz: Wohngebäude

Energieausweis nach EnEV

Ein Energieausweis soll schon bei Bau, Kauf oder Anmietung den Vergleich verschiedener Objekte erleichtern. Dazu enthält er standardisierte, objektive Informationen über die energetische Qualität von Gebäude und Anlagentechnik. Kernstück ist der für das Gebäude ermittelte Bedarfs- oder Verbrauchswert und seine Einordnung in ein Bewertungssystem. Der Energieausweis ermöglicht Eigentümern und Vermietern, die in die Energieeffizienz ihres Gebäudes investiert haben, sich damit am Markt zu profilieren.

Gallerie

Schon seit Einführung der Energieeinsparverordnung 2002 müssen für Neubauten (mit normalen Innentemperaturen) Energieausweise auf Basis des Primärenergiebedarfs erstellt werden. Dies erfolgt in der Regel im Rahmen der für die Baugenehmigung erforderlichen Berechnungen.

In der Novellierung der EnEV 2007, die aufgrund der EU-Gebäuderichtlinie notwendig wurde, und weiterführend in der EnEV 2009, ist auch eine Ausweispflicht für Bestandsgebäude festgeschrieben. Diese benötigen bei Neuvermietung oder Verkauf einen Energieausweis – entweder auf Basis des Bedarfs oder des Verbrauchs. Lediglich für Wohngebäude mit bis zu vier Wohneinheiten, die vor 1978 errichtet und noch nicht energetisch saniert wurden, sind Bedarfsausweise zwingend. Die Bedarfsberechnung trifft normative Annahmen für Klima und Nutzung und bildet so den „rechnerischen Verbrauch“ auf Grundlage der energetischen Qualität von Gebäudehülle und Anlagentechnik, während der Verbrauchswert auch vom Nutzerverhalten abhängt.
Ebenfalls erforderlich sind jetzt Energieausweise für öffentliche Gebäude mit mehr als 1.000 m² Nutzflächen, wenn diese stark frequentiert werden.

Kompakte Information
Der Energieausweis nach EnEV hat vier Seiten:

  • Das Deckblatt enthält Gebäude- und Ausstellerdaten sowie den Anlass der Ausstellung.
  • Die zweite Seite widmet sich dem Energiebedarf. Auf einem „Bandtacho“ werden Primär- und Endenergiebedarf aufgetragen. Vergleichswerte erleichtern die Einordnung der energetischen Qualität.
  • Die dritte Seite zeigt den Energieverbrauch, ebenfalls mit Bewertung auf einem Bandtacho. Der Verbrauch wird witterungsbereinigt, mit Bezug auf die Gebäudenutzfläche bei Wohngebäuden bzw. auf die Nettogrundfläche bei Nicht-Wohngebäuden angegeben. Grundlage bilden drei aufeinander folgende Abrechnungsperioden.
  • Die letzte Seite des Energieausweises enthält Begriffserklärungen.
Zusätzlich müssen Modernisierungshinweise angegeben werden, wenn sie kostengünstig durchzuführen sind.

Wer darf Energieausweise ausstellen?
Ausstellungsberechtigt sind diplomierte Architekten, Ingenieure und Bauingenieure sowie Gebäudetechniker mit Hochschulabschluss. Darüber hinaus dürfen Handwerksmeister und auch Handwerker ohne Meistertitel, wenn sie über die erforderliche Zulassung verfügen, einen Energieausweis ausstellen. Staatlich geprüfte Techniker aus dem Bauwesen sind berechtigt, wenn sie nachweisen können, dass sie durch Aus- bzw. Fortbildung oder durch Berufserfahrung Kenntnisse im energiesparenden Bauen verfügen. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) bietet im Internet eine Datenbank zur Suche nach ausstellungsberechtigten Fachleuten an.

Höchste Energieeffizienz besiegelt
Im Laufe der Jahre wurden viele weitergehende energetische Standards entwickelt, beispielsweise Niedrigenergiehäuser, 3-Liter-Häuser, Passivhäuser oder - auf Grundlage von Förderprogrammen - der kfw-60- bzw. kfw-40-Standard. Während manche Begriffe nicht genau definiert sind, schreibt das Passivhauskonzept exakte Grenzwerte vor. Wer ein Haus in diesem Standard baut oder saniert, hat die Möglichkeit, es zertifizieren zu lassen. Die Erfüllung der Qualitätskriterien wird anhand von Plänen und Berechnungen sowie Bauteil- bzw. Geräteunterlagen überprüft. Aus der Bauausführung sind unter anderem ein Nachweis über die Gebäudeluftdichtheit und das Einregulierungsprotokoll der Lüftungsanlage erforderlich. Das Zertifikat „Qualitätsgeprüftes Passivhaus Wolfgang Feist“ dokumentiert dann, dass das Gebäude die Anforderungen des Passivhaus-Institutes erfüllt.

Fachwissen zum Thema

Regelwerke

Berechnungsgrundlagen für Energiebilanzen

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) bewertet die Energieeffizienz der Gebäudehülle und der Anlagentechnik gemeinsam. Außerdem wird...

Nachhaltig Bauen

Fördermitteldatenbank

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Holz sponsored by:
SenerTec - Kraft-Wärme-Energiesysteme GmbH, Schweinfurt
www.senertec.de
Zum Seitenanfang

BNB: Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude

Bundesamt für Naturschutz

Bundesamt für Naturschutz

In Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und...

BREEAM: Britisches Nachhaltigkeitszertifikat

BREEAM steht für Building Research Establishment Environmental Assessment Method und ist das älteste und am weitesten verbreitete...

CASBEE: Asiatisches Nachhaltigkeitszertifikat

CASBEE steht für Comprehensive Assessment System for Building Environmental Efficiency und ist ein Zertifizierungssystem für Japan...

DGNB: Deutsches Nachhaltigkeitszertifikat

DGNB: Deutsches Nachhaltigkeitszertifikat

Seit Januar 2009 gibt es in Deutschland die Auszeichnung für die Nachhaltigkeit von Bauwerken. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt des...

Green Star: Australisches Nachhaltigkeitszertifikat

Green Star Projektkarte (Stand Mai 2011)

Green Star Projektkarte (Stand Mai 2011)

Green Star ist ein umfassendes Nachhaltigkeitsbewertungs- und Zertifizierungsverfahren, das die Umweltverträglichkeit von...

HQE: Französisches Nachhaltigkeitszertifikat

Im Jahr 1996 wurde in Paris die Association pour la Haute Qualité Environnementale (ASSOHQE) als Plattform für Mitglieder der...

LEED: Amerikanisches und kanadisches Nachhaltigkeitszertifikat

LEED: Amerikanisches und kanadisches Nachhaltigkeitszertifikat

Zur Klassifizierung nachhaltiger Gebäude wurde das US-amerikanische System LEED (= Leadership in Energy and Environmental Design)...

LENOZ: Luxemburgisches Nachhaltigkeitszertifikat

LENOZ: Luxemburgisches Nachhaltigkeitszertifikat

Um die ökologischen Qualitäten von Gebäuden vergleichbar zu machen, haben viele Länder eigene Bewertungssysteme eingeführt. Seit...

Nachweis der Energieeffizienz: Wohngebäude

Eine Seite aus dem Energieausweis

Eine Seite aus dem Energieausweis

Ein Energieausweis soll schon bei Bau, Kauf oder Anmietung den Vergleich verschiedener Objekte erleichtern. Dazu enthält er...

NaWoh: Qualitätssiegel Nachhaltiger Wohnungsbau

NaWoh: Qualitätssiegel Nachhaltiger Wohnungsbau

Mehrere bundesweit agierende Immobilien- und Wohnungsbauverbände in Deutschland haben den Verein zur Förderung der Nachhaltigkeit...

Nordic Swan Ecolabel

Nordic Swan Ecolabel

Um die Umweltauswirkungen bei der Produktion von Gütern zu verringern und Verbrauchern die Entscheidung für umweltfreundliche...

Ökostrom-Gütesiegel: Grüner Strom Label

Ökostrom-Gütesiegel: Grüner Strom Label

Das sogenannte Grüner Strom Label (GSL) kennzeichnet Ökostromprodukte mit hohem Umweltnutzen. Zentrales Kriterium der...

Prüfzeichen Emicode

Ob die Luft ungesunde Substanzen enthält, ist einem Raum nicht anzusehen

Ob die Luft ungesunde Substanzen enthält, ist einem Raum nicht anzusehen

Flüchtige organische Substanzen (VOCs) und Gerüche, die aus Bauprodukten ausgasen, können der Gesundheit und dem Wohlbefinden...

Umweltlabel Holz von Hier

Holz von Hier, Creußen

Längst werden Holzprodukte global gehandelt. Das gilt nicht nur für Tropenholz, sondern auch für alle Baumarten, die bei uns...

Umweltproduktdeklarationen

Umweltzeichen geben Informationen über die Umweltauswirkungen einzelner Produkte bzw. Baustoffe, z.B. deren Beitrag zum...

Umweltzeichen

Umweltzeichen

Umweltzeichen dokumentieren die Umweltverträglichkeit von geprüften Produkten. Untersucht wird, inwiefern die Herstellung...