Ausbildungszentrum Holzbau in Buchs

Sichtbares Tragwerk und konstruktiver Holzschutz

Der Holzbau hat in der Schweiz eine jahrhundertelange Tradition und ist dort bis heute en vogue. Zu Recht, denn er bietet einige Vorteile und entwickelt sich auch bautechnisch stetig weiter. Um neuen technischen Tendenzen bereits in der Ausbildung Rechnung zu tragen, wurde schweizweit die Lehrzeit für Zimmerer und Holzbearbeiter von drei auf vier Jahre verlängert. Das bedeutet aber auch: mehr Stunden in der Berufsschule und mehr Praxiskurse. Dem war die alte Ausbildungsstätte in Zürich (AZH) nicht mehr gewachsen. Sie platzte aus allen Nähten und machte einen Neubau unausweichlich. Das neue Ausbildungszentrum Holzbau fand seinen Platz in Buchs. Ein zweigeschossiges, lichtdurchflutetes Gebäude – selbstverständlich in Holzständerbauweise errichtet – bietet ausreichend Räumlichkeiten für Werkstatthalle, Maschinen- und Unterrichtsräume. Der Entwurf dafür stammt von Peter Moor Architekten, die als Sieger aus einem Projektwettbewerb hervorgegangen waren.

Gallerie

Außen liegende Tragstruktur aus Holz
Wenige Kilometer nördlich von Zürich gelegen, befindet sich der Neubau im Gewerbegebiet der Gemeinde Buchs, wo ein Holzlieferant in unmittelbarer Nachbarschaft ein großes Synergiepotenzial bietet. Nicht nur der Rohstoff, um den sich die Ausbildung dreht, kommt von dort, sondern auch die Nahwärme für die Energieversorgung. Das Gebäude mit rechteckigem Grundriss steht auf einem Eckgrundstück und zeigt mit zwei seiner Fassaden zu Straßen im Süden und Westen. Das äußere Erscheinungsbild ist maßgeblich durch die filigrane außen liegende Tragstruktur mit weit auskragendem Dach sowie von den Materialien Holz und Glas bestimmt. Zwillingsstützen in der Fassadenebene halten die Träger von Dach und Geschossdecke und rastern die Fassade in gleichmäßige Felder mit großzügigen Fensteröffnungen. Vor- und Rücksprünge der Träger und Stützen erzeugen ein spannungsreiches Schattenspiel.

Großzügige Fenster
Ein Weg an der nördlichen Gebäudeseite führt zum Holzlager des benachbarten Unternehmens, an der Ostseite erfolgt die Anlieferung. Gegenüber an der westlichen Langseite liegt der Haupteingang. Tritt man durch die Glastür im Holzrahmen, gelangt man in den zentralen Erschließungsbereich mit Haupttreppe und Aufzug. Dort sind alle Nebenräume angeordnet. Entlang der Ost- und Westfassade befinden sich die Werkstatträume. Die Maschinenräume nehmen den mittigen Bereich dazwischen ein. Sie übernehmen zugleich die Funktion des Flurs. Eine über zwei Geschosse reichende Werkhalle, die in einem zweiten Bauabschnitt errichtet worden ist, liegt im Norden. Sämtliche Klassenzimmer befinden sich im Obergeschoss; teilweise lassen sich die Räume miteinander verbinden. Die offenen Flächen dazwischen sind vielfältig nutzbar, beispielsweise für Gruppenarbeit oder Seminare.

Die gewählte Konstruktion erlaubt große Öffnungen in der Fassade. Über die raumhohen, gerahmten Fenster vor allem über die Ost- und Westseite sowie durch Oberlichter in Sheddächern gelangt viel Tageslicht ins Innere. Eine natürliche Belichtung ist sowohl bei der praktischen Werkstattarbeit als auch beim Unterricht dem Konzentrationsvermögen und Wohlbefinden zuträglich.

Fassadenschalung aus sägerauher Fichte
Der Bau zeichnet sich durch ein einfaches, dem Holzbau gerechtes statisches System aus, nur an wenigen Stellen wird Beton eingesetzt. Geschickt kombiniert und durchdacht konstruiert, führt das nicht nur zu einem behaglichen Innenraumklima ohne Schadstoffbelastungen, sondern auch zu einer geringen Umweltbelastung und einer langen Lebensdauer. Konstruktiver Holzschutz macht den Einsatz chemischer Mittel überflüssig. So schützt beispielsweise das auskragende Vordach die außen liegende Tragstruktur und die Fassadenschalung aus sägerauher Fichte, die lediglich mit einer Vorvergrauungslasur behandelt worden ist, vor Witterungseinflüssen. Ansonsten ist der Baustoff größtenteils unbehandelt eingesetzt, vor allem innen.

Hochleistungsträger aus Baubuche
Als Aussteifung dient die Bodenplatte zusammen mit dem Erschließungskern aus Beton und den hölzernen Giebelwänden aus bis zu 20 cm dicken Brettsperrholzplatten. Eine Holz/Beton-Verbunddecke trennt die beiden Geschosse und sorgt für den notwendigen Schall- und Brandschutz zwischen Maschinen- und Klassenräumen. Hochleistungsträger aus Baubuche tragen die partiell auftretenden hohen Lasten ab. Auch als Oberfläche im Inneren dominiert Holz: Wände und Decken wurde roh belassen. Während im Erdgeschoss mit den Werkstätten die Bodenplatte aus Beton die strapazierfähige Oberfläche bildet, ist der Boden im Obergeschoss mit rustikalem Eichen-Langriemenparkett belegt, 1.100 Quadratmeter wurden hier verwendet.

Insgesamt verbaut wurden 620 Quadratmeter Fichtenholz mit Trapezprofil als Fassadenschalung, 420 Kubikmeter Leimbinder mit Längen von bis zu 25 Metern und 120 Kubikmeter Brettsperrholz. -dg

Bautafel

Architekten: Peter Moor Architekten, Zürich
Projektbeteiligte: Andreas Seiz, Buchs (Bauleitung); SIP, Oberlunkhofen (Bauingenieur); Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See (Holzbauingenieur); Raumanzug GmbH, Zürich (Bauphysik); Schär und Egli, Sursee (Gebäudetechnik); Keller Haustechnikplaner Sanitär, Sursee (Sanitär); Elektro Compagnoni, Zürich (Elektro)
Bauherr: Ermitin, Buchs
Fertigstellung: 2017
Standort: Furtbachstrasse 26, 8107 Buchs, Schweiz
Bildnachweis: Roger Frei, Zürich

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