Wohnblock Star 22 in Wien

Druckbelüftungsanlagen und Feuerwehraufzüge in den Treppenhäusern

Gallerie

Auf dem Gelände eines ehemaligen Gewerbegebietes im Wiener Bezirk Donaustadt entstehen unter der Projektbezeichnung STAR 22 neben Bürokomplexen ein Pflegeheim, ein Studentenheim, ein Restaurant, ein Verbrauchermarkt sowie große Wohnbauten gemeinnütziger Träger. Die Masterplanung des Gebietes im 22. Bezirk der österreichischen Metropole erfolgte durch das ortsansässige Büro BUSarchitektur. Im Oktober 2014 wurde das erste große Wohnbauprojekt 2014 fertiggestellt, es umfasst insgesamt 218 Wohnungen, die sich auf vier Baukörper verteilen. Einen lang gestreckten, neungeschossigen Riegel entlang der Makebagasse sowie einen eingeschossigen Kindergarten im Hof planten Huss Hawlik Architekten. Drei weitere Riegel in südwestlicher Richtung sind mit dem ersten über Brücken verbunden, einer davon erhebt sich über acht Geschosse und begrenzt die Stadlauer Straße, zwei Siebengeschosser sind in lockerer Reihung im Hof platziert. Diese entstanden nach Plänen von Scheifinger + Partner – ebenfalls ein Büro mit Sitz in Wien.

Die Baukörper entlang der Straßen wirken abschirmend und schaffen eine ruhige Innenzone. Der Kindergarten erstreckt sich unterhalb der zum Teil aufgeständerten Baukörper im Hof und wird über eine fußläufige Durchwegung von Südwest nach Südost erschlossen. Die Wohnungen der inneren Riegel sind vom Hof, aber auch vom größten Gebäude entlang der Makebagasse aus zugänglich, mit dem sie in etwa auf jeder zweiten Etage über filigrane Brücken verbunden sind. Das lange Vorderhaus ist gestalterisch in das Erdgeschoss, Regelgeschosse, Dachgeschoss und Laubengänge zoniert. Im Erdgeschoss befinden sich Nebenfunktionen wie ein Hausbetreuungszentrum, Fahrrad- und Kinderwagenabstellräume sowie ein Müllraum. Die Regelgeschosse beinhalten Drei-Zimmer-Wohnungen mit Loggien und Balkonen zum Hof. Im Dachgeschoss sind 13 Maisonettes mit beidseitigen Außenräumen untergebracht. Um die Gesamtlänge von 110 Metern aufzulockern, sind die vorgelagerten Laubengänge mit leichten Vor- und Rücksprüngen dynamisch ausgebildet. Zudem entstehen auf diese Weise großzügige und helle Erschließungsbereiche. Lamellen aus pulverbeschichtetem Lochblech schützen die Laubengänge vor direkten Einblicken und lassen dennoch viel Tageslicht in diese halbprivate Zone.

Die drei Riegel in südwestliche Richtung sind mit Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen stärker differenziert. Sämtliche Grundrisse sind kompakt gehalten und mit leichten Trennwänden flexibel konzipiert, sodass sie an veränderte Lebenssituationen anpassbar sind. Im Erdgeschoss zur Stadlauer Straße sind Ladengeschäfte angeordnet. Die gesamte Wohnanlage ist hoch wärmegedämmt und entspricht dem Niedrigenergiehausstandard, die Beheizung erfolgt über Fernwärme. Als besonderer Clou befindet sich auf dem Dach des mittleren Hofgebäudes ein gemeinschaftlich nutzbarer Pool mit Sauna und Freibereichen, und auch die Dächer der Nebengebäude mit Terrassen und extensiver Begrünung sind allgemein zugänglich.

Der Kindergarten ist funktional in verschiedene Pavillons aufgeteilt, die durch einen gemeinsamen Erschließungsraum verbunden sind. Aus jedem Raum ergeben sich unterschiedliche Blickwinkel zur Umgebung, die zugleich intensiv einbezogen wird. Mit Holz verkleidete Erker in den Gruppenräumen dienen als Rückzugsorte für die Kinder; schallschluckende Deckensegel reduzieren den Lärmpegel.

Brandschutz
Das Fluchtniveau aus den beiden straßenseitigen Baukörpern beträgt von der obersten Ebene jeweils etwa 24 Meter. Die Erschließung erfolgt über insgesamt sechs Treppenhäuser, welche vom Untergeschoss (Tiefgarage) bis ins oberste Geschoss führen. Bei den Hofgebäuden beträgt das Fluchtniveau der obersten Ebene 20,75 Meter; ihre beiden Treppenhäuser führen bis aufs Dach. Treppenhäuser, deren oberstes Podest mehr als 22 Meter über angrenzendem Gelände liegt (Stiegen 2 bis 4, siehe Abb. 16 f.), sind mit Druckbelüftungsanlagen und Feuerwehraufzügen ausgestattet. Die Treppenhäuser der Hofgebäude haben eine Druckbelüftungsanlage in der Aufenthaltszone, da keine Anleiterbarkeit gegeben ist. Der Freizeit- und Wellnessbereich auf dem Dach der Hofgebäude liegt zwar oberhalb von 22 Meter über Gelände, von dort sind aber die Treppenhäuser 3 und 4 erreichbar. Außerdem ist ein Brandüberschlag vom 7. OG in diese Bereiche auf dem Dach aufgrund der terrassenartigen Rückbildung nicht möglich. Die Stiegen 1 bis 4 haben Trockensteigleitungen mit Schlauchanschlussstellen in den offenen Laubengängen, die Stiegen 5 und 6 Nasssteigleitungen mit Wandhydranten in den Erschließungsgängen. Die sechs Treppenhäuser sind eigene Brandabschnitte (Umfassungsbauteile El 90 bzw. REI 90 und aus Baustoffen der Euroklasse mind. A2), sie führen im Erdgeschoss direkt ins Freie; und auch weiter ins Untergeschoss. Wohnungstüren, die direkt in Treppenhäuser führen, sind als Brandschutztüren feuerhemmend (El230-C) mit Freilaufschließer ausgeführt. Von jedem Punkt der Stiegen 2 bis 6 kann der nächstgelegen Ausgang ins Freie oder der Zugang zu einem druckbelüfteten Treppenhaus innerhalb einer Gehweglänge von max. 40 Meter erreicht werden. Von jedem Punkt der Stiege 1 können über die offenen Laubengänge beide Treppenhäuser erreicht werden. Je Stiege ist ein Feuerwehrbedienfeld im Bereich des Treppenhauszugangs im Erdgeschoss ausgeführt; dort werden auch die Brandschutzpläne bereitgehalten.

Im Bereich der Treppenhäuser der Stiegen 1 bis 6 ist eine Brandmeldeanlage (BMA) installiert, wobei auch die unmittelbar angrenzenden Allgemeinräume und die Vorräume der Wohnungen überwacht werden. Im Bereich der Stiegen 5 und 6 werden die Erschließungsgänge sowie die Vorzimmer jener Wohnungen, welche unmittelbar in die Treppenhäuser münden, durch die BMA überwacht. Diese BMA ist nicht an die Brandmeldeauswertezentrale der Feuerwehr angeschlossen, sie steuert den Feuerwehraufzug und die Druckbelüftungsanlagen sowie Haltemagnete für Brandschutztüren. In den Wohnungen sind Rauchwarnmelder in allen Wohnräumen sowie im Flur zur Eingangstür angeordnet. Im gesamten Objekt ist eine Alarmierungseinrichtung über Sirenen eingerichtet, die durch die BMA selektiv nach Hauptbrandabschnitten differenziert angesteuert wird.

Im Bereich der Fassaden wird ein Flammenüberschlag zwischen ungeschützten Öffnungen verschiedener Brandabschnitte, welche nicht auf gleicher Höhe liegen, von mindestens 1,20 Meter in El 90 (bis auf wenige begründete Ausnahmen) eingehalten. Zu den Fenstern der Sicherheitstreppenhäuser wird bei der Anordnung von ungeschützten Öffnungen in der Fassade ein seitlicher Abstand von mindestens 1,00 Meter eingehalten.

Die Geschäftsflächen im Erdgeschoss sind gegen Wohn- und Gemeinschaftsbereiche als eigene Brandabschnitte ausgeführt. Die Brandabschnitte der Tiefgarage sind nicht größer als 2.400 m², ihre Entrauchung erfolgt über offene Schächte ins Freie. Brandabschnittstore im Untergeschoss sind mit Feststellvorrichtungen ausgestattet. Den Treppenhäusern zu den Garagen hin sind Schleusen vorgesetzt, die im Brandfall mit einem mindestens 30-fachen Luftwechsel brandrauchentlüftet werden. Die Schleusentüren sind mindestens in El230-C ausgeführt, sämtliche Steigschächte in El 90 und aus Baustoffen des Brandverhaltens mindestens der Euroklasse A2.

Für den Kindergarten waren mit Ausnahme der Anordnung von Rauchwarnmeldern keine besonderen Brandschutzmaßnahmen erforderlich.

Objektinformationen

Architekten: Scheifinger + Partner mit Huss Hawlik Architekten, Wien
Projektbeteiligte:
Rajek & Bartosch Landschaftsarchitekten (Freiraumplanung); Javurek & Schweiger, Bad Vöslau (Statik); DCD Design Construct Develop Bauplanungsgesellschaft, Wien (Bauphysik)
Bauherr:
Gemeinnützige Siedlungs- und Bauaktiengesellschaft, Wien
Fertigstellung:
2014
Standort:
Makebagasse 2 bzw. Stadlauer Straße 58-60, 1220 Wien
Bildnachweis: Image industry, Brunn am Gebirge; Scheifinger + Partner mit Huss Hawlik Architekten, Wien

Objektstandort



Architektenprofil

Artikel zum Thema

Gebäudeabschlusswände müssen als Brandwände ausgebildet werden, wenn gegenüber bestehenden oder künftigen Gebäuden ein Mindestabstand von 5 Metern nicht gesichert ist

Grundlagen

Brandabschnitt

Eine der ältesten und wirksamsten Maßnahmen zum vorbeugenden Brandschutz ist die Abgrenzung einzelner Brandabschnitte gegenüber...

Baustoffe/​Bauteile

Brandverhalten: Baustoffe nach europäischer Klassifizierung

Als Bewertungsmaßstab für das Brandverhalten von Baustoffen auf europäischer Ebene dient ein Klassifizierungssystem, das im Jahre...

Feuerwehr-Bedienfeld (FBF)

Brandmeldeanlagen

Feuerwehrperipherie

Im kieselgrauen Gehäuse des Feuerwehr-Bedienfeldes (FBF) sind die wichtigsten Anzeigen und Bedienfunktionen übersichtlich und...

Verglasung im Brandlastversuch unter Laborbedingungen

Grundlagen

Feuerwiderstandsklassen

Bauteile werden entsprechend ihrer Feuerwiderstandsdauer in verschiedene Feuerwiderstandsklassen eingeteilt. Die Klassifizierung...

Brandschutz

Brandmeldeanlagen

Brandschutz

Flucht-/Rettungswege

Zum Seitenanfang

Wohnturm und lang gestreckter, quaderförmiger Bestand formen ein L und akzentuieren das Quartier entlang der Hardturmstraße (Ostansicht)

Wohnbauten

Wohnhochhaus Escher-Terrassen in Zürich

Projektspezifische Brandfallsteuermatrix für Alt- und Neubau

Nordwestansicht des 175 Jahre alten, denkmalgeschützten Bauwerks im Zentrum des ehemaligen Spinnerei-Areals

Wohnbauten

Umnutzung einer ehemaligen Spinnerei in Freienstein

Sekundäres Tragsystem ergänzt sichtbare historische Holzkonstruktion

Von Norden: Der strahlend weiße Turm gehört zu den höchsten Gebäuden der Stadt

Wohnbauten

Wohnhochhaus Park Tower in Antwerpen

BMA für Gemeinschaftsbereiche, Druckbelüftungsanlagen in den Treppenhäusern

Nordansicht: Die hohen Baukörper entlang der Makebagasse und Stadlauer Straße schirmen den Hof ab

Wohnbauten

Wohnblock Star 22 in Wien

Druckbelüftungsanlagen und Feuerwehraufzüge in den Treppenhäusern

Mit seiner Fassade aus dunkelgrauen Faserzementtafeln bildet das Wohnhaus B26 einen starken Kontrast zu seinem weiß verputzten Nachbarn (Südostansicht)

Wohnbauten

Baugruppenhaus B26 in Berlin-Mitte

Siebengeschossiger Holzbau mit objektbezogenem Brandschutzkonzept

Der Skelettbau mit abgerücktem Treppenhaus unterscheidet sich deutlich von der Nachbarbebauung

Wohnbauten

Mehrfamilienhaus E3 in Berlin

Spezielles Brandschutzkonzept für sieben Geschosse in Holzbauweise

Südseite: Eine Glasfassade verbindet zwei durchgängige Wohngeschosse und fünf siebengeschossige Türme

Wohnbauten

Wohnblocks in Nanterre

Fluchttreppenräume in regelmäßigen Abständen im 100-Meter-Block

Die durchlaufenden Balkone binden die unterschiedlichen Fensteröffnungen zu einer homogenen Fassade zusammen

Wohnbauten

Wohnhaus der Baugruppe 3XGrün in Berlin

Innerstädtisches Wohnen im Holzsystembau

Tragwerk und Fassade des Wohnhauses sind aus Holz (Westansicht)

Wohnbauten

Achtgeschossiger Holzbau in Bad Aibling

Vorgefertigte feuerbeständige Holzkonstruktion