Brandverhalten: Baustoffe nach europäischer Klassifizierung

Als Bewertungsmaßstab für das Brandverhalten von Baustoffen auf europäischer Ebene dient ein Klassifizierungssystem, das im Jahre 2001 vom europäischen Komitee für Normung (CEN) mit der Normenreihe DIN EN 13501 Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten  verabschiedet wurde. Es legt europaweit einheitliche Anforderungen für den Brandschutz fest. Die Einstufung der Baustoffe erfolgt nach DIN EN 13501-1 in die sieben Euroklassen A1, A2, B, C, D, E und F. Daneben werden Brandnebenerscheinungen wie die Rauchentwicklung (s = smoke, Klassen s1, s2 und s3) und brennendes Abtropfen/Abfallen (d = droplets, Klassen d0, d1 und d2) von Baustoffen berücksichtigt. Bodenbeläge sind in besondere Klassen (fl = floorings) unterteilt.

Damit birgt das europäische Klassifizierungssystem im Unterschied zur nationalen Klassifizierung nach DIN 4102-1 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen - Teil 1: Baustoffe; Begriffe, Anforderungen und Prüfungen ein deutlich größeres Spektrum an Baustoffklassen und Kombinationen. Ein direkter Vergleich zwischen den Baustoffklassen nach nationaler und europäischer Norm ist deshalb nicht ohne Weiteres möglich. So können nur nicht brennbare Baustoffe analog der deutschen Einstufung nach der europäischen Klassifizierung in die Klassen A1 und A2 eingeteilt werden.

Die Bauregelliste, die vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) zweimal jährlich herausgegeben wird, enthält unter Anlage 0.2.2 eine Tabelle, welche die nach DIN EN 13501-1 klassifizierten Eigenschaften zum Brandverhalten von Baustoffen (z.B. A2 – s2,d0) den bauaufsichtlichen Anforderungen (z.B. schwer entflammbar) gegenüberstellt. Die Tabelle weist jedoch erhebliche Lücken auf. Das liegt u.a. daran, dass die europäischen Prüf- und Klassifizierregeln nicht das Glimmverhalten von Baustoffen berücksichtigen oder weil das Brandverhalten von Oberflächen von Außenwänden oder Außenwandbekleidungen nach DIN EN 13501-1 nicht abschließend klassifiziert werden kann. Hier sind weiterhin zusätzliche nationale Verwendbarkeitsnachweise erforderlich.

Da nationale und europäische Normen vielfach (noch) parallel gültig sind, können national durch Normen oder Verwendbarkeitsnachweise geregelte Bauprodukte sowohl nach DIN 4102 als auch nach DIN EN 13501-1 hinsichtlich ihres Brandverhaltens klassifiziert werden. Allerdings laufen die Koexistenzphasen nationaler und harmonisierter europäischer Normen zunehmend ab, sodass mehr und mehr Baustoffe über europäisch technische Zulassungen (ETAs) verfügen und mit einem CE-Kennzeichen ausgestattet sein müssen.

Die Bauregellisten A und B sowie Liste C können online auf der Homepage des DIBt kostenfrei abgerufen werden (siehe Surftipps).

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