Brandwände II

Außenwandkonstruktionen und Öffnungen

Gemäß § 30 Absatz 7 MBO dürfen Außenwandkonstruktionen mit brennbaren Baustoffen, die eine seitliche Brandausbreitung begünstigen können, ohne besondere Vorkehrungen nicht über Brandwände hinweggeführt werden. Analog zum Dachbereich sind auch hier Maßnahmen erforderlich, um einen Brandüberschlag zu verhindern. Das ist beispielsweise bei Wärmedämmverbundsystemen und Holzfassaden der Fall.

Gallerie

Wärmedämmverbundsysteme
Werden Brandwände mit Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) mit Dämmungen aus brennbaren Baustoffen wie z.B. expandiertes Polystyrol (EPS) verkleidet, die nach einem Verwendungsnachweis (allgemeine bauaufsichtliche Zulassung abZ) als schwer entflammbar (Baustoffklasse B1) eingestuft werden, sind folgende Maßnahmen erforderlich:

Der EPS-Hartschaum ist in der Dicke der Brandwand durch einen nicht brennbaren Streifen aus Mineralwolle (Baustoffklasse A) zu ersetzen. Die Breite des Mineralwollstreifens muss dabei mindestens 20 cm betragen. Befindet sich eine Dehnfuge mittig zwischen zwei Brandwänden, so ist diese hinter der sichtbaren Fugenkonstruktion (z.B. Schlaufenprofil Winkelschiene, Fugendichtband) bis zur Außenwandoberfläche vollständig mit Mineralwolle zu verstopfen. Zulassung beachten!

Die gleichen Vorkehrungen können auch beim Einsatz von WDVS bei Gebäuden bis zur Gebäudeklasse GK 4 (Außenwandbekleidung normal entflammbar zulässig) zu beachten sein, da sonst kein gültiger Verwendbarkeitsnachweis für das WDVS vorliegt. Eine abweichende Regelung muss in der Zulassung enthalten sein.

Holzfassaden
Holzfassaden dürfen ebenfalls nicht über Brandwände geführt werden, es sei denn, als Außenwandbekleidung für Gebäude bis Gebäudeklasse GK 3 oder mit Zulassung als genehmigte Abweichung. In diesen Fällen empfiehlt es sich, an der Brandwand einen Streifen aus nicht brennbaren oder schwer entflammbaren Baustoffen in einer Breite von mindestens 50 cm auszuführen, um sicher einen Brandüberschlag zu verhindern.

Öffnungen in Brandwänden/Brandschutzabschlüsse
Nach § 30 Absatz 8 MBO sind Öffnungen in äußeren Brandwänden unzulässig. In inneren Brandwänden sind sie nur erlaubt, wenn sie auf die für die Nutzung erforderliche Zahl und Größe beschränkt sind. Diese Vorgaben sollen eine Schwächung der Brandwand verhindern. Abweichungen können zugelassen werden, wenn Gebäude z.B. auf dem Nachbargrundstück nur in einer Entfernung ≥ 5,00 m errichtet werden können (z.B. über eine Baulast). Sind Tür- oder Sichtöffnungen in inneren Brandwänden für die Nutzung erforderlich, sind diese durch feuerbeständige Abschlüsse (Brandschutztüren T90, Brandschutzverglasungen F90) zu schließen. Brandschutztüren können durch zugelassene Feststelleinrichtungen offen gehalten werden, wenn sie bei Auftreten von Rauch selbsttätig schließen.

Öffnungen für Leitungsanlagen und Lüftungsleitungen, für die eine Feuerwiderstandsfähigkeit vorgeschrieben ist, dürfen nach §§ 40 und 41 MBO nur durch raumabschließende Bauteile hindurchgeführt werden oder sie überbrücken, wenn eine Brandausbreitung ausreichend lang nicht zu befürchten ist oder Vorkehrungen hiergegen getroffen sind. Vorkehrungen können Abschottungen für Kabeldurchführungen oder Brandschutzklappen sein. Für Brandschutzabschlüsse sind in der Regel Übereinstimmungsnachweise (abP oder abZ) erforderlich; weitere Informationen dazu im Kapitel Bauprodukte (s. a. Fachwissen zum Thema: Produkte und Zulassungen).

Fachwissen zum Thema

In verschiedenen Musterverordnungen werden beim Einbau von Löschanlagen größere Brandabschnitte ohne Brandwände gestattet (z.B. Flächen bis zu 10.000 m² in der Muster-Verkaufsstättenverordnung).

In verschiedenen Musterverordnungen werden beim Einbau von Löschanlagen größere Brandabschnitte ohne Brandwände gestattet (z.B. Flächen bis zu 10.000 m² in der Muster-Verkaufsstättenverordnung).

Baustoffe/​Bauteile

Brandwände III

Manchmal gibt es Alternativen zu Brandwänden. Einige Musterverordnungen erlauben beim Einbau von Löschanlagen größere Flächen ohne Brandwände - zum Beispiel Verkaufsstätten.

Grafik: Übersicht Gebäudeklassen

Grafik: Übersicht Gebäudeklassen

Grundlagen

Gebäudeklassen

Die Anforderungen an den baulichen Brandschutz in Gebäuden werden in der Musterbauordnung und allen Landesbauordnungen nach den Gebäudeklassen bemessen.

Die Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile und Außenwandbekleidungen in Holzbauweise (MHolzBauRL) regelt besondere Anforderungen und die Bauausführung von Gebäuden der Gebäudeklassen (GK) 4 und 5. Im Bild: Studierendenwohnheim Woodie im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, Sauerbruch Hutton Architekten, 2017

Die Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile und Außenwandbekleidungen in Holzbauweise (MHolzBauRL) regelt besondere Anforderungen und die Bauausführung von Gebäuden der Gebäudeklassen (GK) 4 und 5. Im Bild: Studierendenwohnheim Woodie im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, Sauerbruch Hutton Architekten, 2017

Sonderbauten

Holzbauten: Brandschutztechnische Anforderungen

Welche Regelungen gelten für überwiegend aus Holz errichtete Gebäude der GK 4 und 5? Was ist bei den eingesetzten Bauteilen, Anschlüssen und Öffnungen zu beachten?

Da Leitungsanlagen abschottende Bauteile durchdringen, muss verhindert werden, dass sie im Brandfall Feuer und Rauch über einzelne Brandabschnitte und Geschosse hinaus übertragen.

Da Leitungsanlagen abschottende Bauteile durchdringen, muss verhindert werden, dass sie im Brandfall Feuer und Rauch über einzelne Brandabschnitte und Geschosse hinaus übertragen.

Haustechnische Anlagen

Leitungsanlagen

Welche Vorgaben gelten für Leitungsanlagen, die abschottende Bauteile durchdringen, um zu verhindern, dass sie im Brandfall Feuer und Rauch über einzelne Brandabschnitte und Geschosse hinaus übertragen?

Nach deutschem Baurecht müssen die im Bauwesen verwendeten Produkte den technischen Regeln der MVV TB entsprechen.

Nach deutschem Baurecht müssen die im Bauwesen verwendeten Produkte den technischen Regeln der MVV TB entsprechen.

Bauprodukte

Produkte und Zulassungen

Als Bauprodukte werden alle Produkte bezeichnet, die dauerhaft in Bauwerke des Hoch- und Tiefbaus eingebaut werden. Mit ihnen...

Brandsicherer Abschluss für Deckendurchführungen von Rohr- und Elektroleitungen in R30 bis R90 Qualität

Brandsicherer Abschluss für Deckendurchführungen von Rohr- und Elektroleitungen in R30 bis R90 Qualität

Bauprodukte

Rohr- und Kabelabschottungen

Gebäude sind von zahlreichen Elektro- und Rohrleitungen durchzogen, die für den Betrieb unabdingbar sind. Wenn diese Leitungen...

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Brandverhalten: Baustoffe nach deutscher Klassifizierung

Kalksandsteine entsprechen der Baustoffklasse A1.

Kalksandsteine entsprechen der Baustoffklasse A1.

Bauprodukte müssen entsprechend den Vorgaben der Bauordnungen zum vorbeugenden baulichen Brandschutz gewählt und verwendet werden.

Brandverhalten: Baustoffe nach europäischer Klassifizierung

Als Bewertungsmaßstab für das Brandverhalten von Baustoffen auf europäischer Ebene dient ein Klassifizierungssystem, das im Jahre...

Bauteile: Gliederung

Brandschutztechnisch können Bauteile in tragende, aussteifende (nicht raumabschließende) und raumabschließende Bauteile unterschieden werden.

Brandschutztechnisch können Bauteile in tragende, aussteifende (nicht raumabschließende) und raumabschließende Bauteile unterschieden werden.

Brandschutztechnisch können Bauteile in tragende, aussteifende (nicht raumabschließende) und raumabschließende Bauteile unterschieden werden.

Anforderungen an Bauteile

Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass der Entstehung eines Brands und der Ausbreitung von Feuer und Rauch vorgebeugt wird.

Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass der Entstehung eines Brands und der Ausbreitung von Feuer und Rauch vorgebeugt wird.

Die Bauordnungen unterscheiden zwischen feuerbeständigen (fb), hochfeuerhemmenden (hfh) und feuerhemmenden (fh) Bauteilen.

Raumabschließende Bauteile

Raumabschließende Bauteile sind Wände, Decken, Dächer, Türen, Verglasungen, Abschottungen u.ä., hier im Berliner Quartier „Mittenmang“, Architektur: Sauerbruch Hutton

Raumabschließende Bauteile sind Wände, Decken, Dächer, Türen, Verglasungen, Abschottungen u.ä., hier im Berliner Quartier „Mittenmang“, Architektur: Sauerbruch Hutton

Welche Arten des Raumabschlusses gibt es, welche Anforderungen gelten für diese in Bezug auf die Brandbeanspruchung?

Balkone und Gebäudeabschlusswände

Baulückenschließung in Berlin-Kreuzberg: Die Balkone treten kaum vor die Außenwand vor

Baulückenschließung in Berlin-Kreuzberg: Die Balkone treten kaum vor die Außenwand vor

Die Planung von Balkonen, die an Gebäudeabschlusswände (Brandwände) anschließen, erzeugt oft Unsicherheit hinsichtlich der...

Tragende und aussteifende Bauteile

Tragende und aussteifende Wände und Stützen müssen im Brandfall ausreichend lange standsicher sein (im Bild: U-Bhf in München).

Tragende und aussteifende Wände und Stützen müssen im Brandfall ausreichend lange standsicher sein (im Bild: U-Bhf in München).

Welche Regelwerke sind zur Bemessung tragender Wände und Stützen für den Brandfall maßgeblich und welche Berechnungsverfahren gibt es?

Wärmedämmverbundsysteme

Wärmedämmverbundsysteme

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS, WDV-Systeme) werden eingesetzt, um den Wärmeverlust an Gebäuden gemäß DIN 4108 Wärmeschutz und...

Brandwände I

Öffnungen in Dächern müssen so angeordnet sein, dass ein Brand nicht auf andere Gebäude oder Gebäudeteile übertragen werden kann

Öffnungen in Dächern müssen so angeordnet sein, dass ein Brand nicht auf andere Gebäude oder Gebäudeteile übertragen werden kann

Wann und wo sind Brandwände erforderlich, welche zusätzlichen Anforderungen sind zur Verhinderung des Brandüberschlags zu beachten?

Brandwände II

Siebengeschossiger Holzbau in Berlin Prenzlauer Berg

Siebengeschossiger Holzbau in Berlin Prenzlauer Berg

Was ist bei der Ausführung von Fassaden mit Wärmedämmverbundsystem und solchen mit Holzbekleidung zu beachten, wann und in welcher Form sind Öffnungen in Brandwänden zulässig?

Brandwände III

In verschiedenen Musterverordnungen werden beim Einbau von Löschanlagen größere Brandabschnitte ohne Brandwände gestattet (z.B. Flächen bis zu 10.000 m² in der Muster-Verkaufsstättenverordnung).

In verschiedenen Musterverordnungen werden beim Einbau von Löschanlagen größere Brandabschnitte ohne Brandwände gestattet (z.B. Flächen bis zu 10.000 m² in der Muster-Verkaufsstättenverordnung).

Manchmal gibt es Alternativen zu Brandwänden. Einige Musterverordnungen erlauben beim Einbau von Löschanlagen größere Flächen ohne Brandwände - zum Beispiel Verkaufsstätten.

Außenwandbekleidungen im Bereich der Brandwand

Brandwand als Gebäudeabschlusswand in Verbindung mit der Brandwand zum Nachbarn

Brandwand als Gebäudeabschlusswand in Verbindung mit der Brandwand zum Nachbarn

Nach Musterbauordnung (MBO) § 30 müssen Brandwände als raumabschließende Bauteile zum Abschluss von Gebäuden bzw. nach 40,00 m im...

Trennwände

Trennwände verhindern die Brandausbreitung zwischen verschiedenen Nutzungseinheiten.

Trennwände verhindern die Brandausbreitung zwischen verschiedenen Nutzungseinheiten.

Welche Anforderungen gegen die Brandausbreitung gelten für Trennwände, was ist bei Öffnungen zu beachten?

Decken

Betondecken, wie z.B. in der Zollverein School of Management and Design in Essen, sind horizontale, raumabschließende Bauteile, die im Brandfall ausreichend lange standsicher sein müssen.

Betondecken, wie z.B. in der Zollverein School of Management and Design in Essen, sind horizontale, raumabschließende Bauteile, die im Brandfall ausreichend lange standsicher sein müssen.

Welche Anforderungen gelten für Decken in Bezug auf die Feuerwiderstandsfähigkeit und in welchen Fällen sind Öffnungen zulässig?

Durchführungen von Leitungen in bestehenden Holzbalkendecken

In Gebäuden, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurden, befinden sich überwiegend Holzbalkendecken.

In Gebäuden, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurden, befinden sich überwiegend Holzbalkendecken.

Über lange Zeit war Holz der am meisten verbreitete Baustoff für tragende und raumabschließende Bauteile. In Gebäuden der Gründerzeit befinden sich daher überwiegend Holzbalkendecken.

Dächer

Dachlandschaft des Museums der Kulturen in Basel: harte Bedachung aus keramischen Fliesen

Dachlandschaft des Museums der Kulturen in Basel: harte Bedachung aus keramischen Fliesen

Für die Ausführung von Dächern gegen Brandbeanspruchung existieren nationale und europäische Regelungen. Welche Vorgaben gelten für Gründächer und Lichtbänder?

Aufstockung im Bestand

Durch die Aufstockung eines Gebäudes kann der Bestandsschutz erlöschen, wenn dies einer wesentlichen Änderung der baulichen Anlage entspricht

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Solange ein genehmigtes Gebäude unverändert besteht, genießt es im Planungsrecht Bestandsschutz. In der Berliner Bauordnung (BauO...

Brandschutz im Dachgeschossausbau

Dachausbau eines Gewerbehofes in Berlin-Kreuzberg

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Gerade in Großstädten wie Berlin ist der Dachgeschossausbau ein wiederkehrendes Thema. Welche Schwerpunkte es während der...

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