Dächer

Gallerie

Gemäß § 32 der Musterbauordnung (MBO) bilden Dächer den oberen (Raum-)Abschluss von Gebäuden. Sie bestehen aus der Dachkonstruktion (tragende Konstruktion, Dampfsperre, Wärmedämmung) und der Dacheindeckung einschließlich vorhandener Lichtkuppeln, Lichtbänder und ähnlichen Dachabschlüssen (Dachhaut). Neben dem Witterungs- und Wärmeschutz müssen Dächer gegen Brandbeanspruchung von außen, wie z. B. Flugfeuer oder Strahlungswärme von Nachbargebäuden, ausreichend lange widerstandsfähig sein. Die Bauordnung spricht in diesem Fall von einer harten Bedachung. Dächer von Gebäuden, die traufseitig aneinander gebaut sind (z.B. Reihenhäuser, die mit dem Giebel zur Straße stehen), müssen von innen nach außen mindestens feuerhemmend sein.

Ausführung von Dächern – nationale Regeln
Die harte Bedachung ist national in DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen näher bestimmt. Zu ihr gehören Dacheindeckungen, die als geregelte Bauprodukte in Teil 4 der Norm unter Pkt. 11.4.5 genannt sind. Das sind u.a.:

  • nicht brennbare Dacheindeckungen
  • Dacheindeckungen aus Metallblech ≥ 0,5 mm
  • fachgerecht zweilagig verlegte Bedachungen auf tragenden Konstruktionen mit Zwischenschichten aus schwer entflammbaren Wärmedämmstoffen mit Bitumendachdichtungsbahnen nach DIN 52128 Bitumendachbahnen mit Rohfilzeinlage und Bitumen-Schweißbahnen nach DIN 52131 Bitumen-Schweißbahnen sowie Glasvlies-Bitumen-Dachbahnen nach DIN 52143 Glasvlies-Bitumendachbahnen
  • Dacheindeckungen, die vollständig mit einer Schüttung ≥ 5 cm Kies 16/32, einer Bedeckung ≥ 4 cm aus Betonwerksteinplatten oder anderen mineralischen Platten abgedeckt sind
In DIN 4102-4: Zusammenstellung und Anwendung klassifizierter Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile sind nur die oben genannten Dachbahnen in zweilagiger Ausführung enthalten und genügen den Anforderungen an harte Bedachungen. Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) ist anderer Ansicht. Gemäß der von ihm herausgegebenen Flachdachrichtlinie und der DIN 18531 Dachabdichtungen für nicht genutzte Dächer dürfen diese Bahnen nicht als Decklage bei mehrlagigen Ausführungen verwendet werden. Deshalb sind bei Planung und Ausführung harter Bedachungen unbedingt die einschlägigen Vorschriften und die Verarbeitungshinweise des Herstellers zu beachten.

Andere Bedachungen (nicht geregelte Produkte) müssen nach DIN 4102 Teil 7: Bedachungen; Begriffe, Anforderungen und Prüfungen durch Brandprüfungen getestet werden. Bei bestandenen Prüfungen erhalten sie ein allgemein bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP), das ihre Verwendbarkeit als harte Bedachung nachweist.

Europäische Regelung – Ausblick
Künftig sollen harte Bedachungen auf europäischer Ebene nach der Vornorm DIN EN V 1187 Prüfverfahren zur Beanspruchung von Bedachungen durch Feuer von außen geprüft und ggf. zugelassen werden. Statt nur einer, sieht die Norm vier verschiedene Prüfungen vor. Die Ergebnisse der Brandprüfungen werden nach DIN EN 13501-5 Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten - Teil 5: Klassifizierung mit den Ergebnissen aus Prüfungen von Bedachungen bei Beanspruchung durch Feuer von außen bewertet und folgenden Klassifizierungen zugeordnet: Broof (t1), Broof (t2), Broof (t3), Croof (t3) oder Droof (t3), wobei t1, t2, und t3 je eines der drei Prüfverfahren bezeichnet.

Die verschiedenen Prüfverfahren haben ihren Ursprung in unterschiedlichen Ländern. Nur das Prüfverfahren t1 basiert auf der nationalen DIN 4102 Teil 7. Danach würde nur eine Einstufung nach Broof (t1) einer harten Bedachung nach Musterbauordnung entsprechen. Bei nicht geregelten Bauprodukten ist weiterhin eine nationale Zulassung (abP) erforderlich.

Gründächer

Gründächer sind als Bedachung nur zulässig, wenn sie gegen Flugfeuer und strahlende Wärme widerstandsfähig sind. Dächer mit Intensivbegrünung und Dachgärten – also solche, die bewässert und gepflegt werden und die in der Regel eine dicke Substratschicht aufweisen – sind ohne Weiteres als widerstandsfähig einzustufen. Bei Dächern mit Extensivbegrünung durch überwiegend niedrig wachsende Pflanzen wie z.B. Gras, Sedum oder Eriken sind zusätzliche Maßnahmen gegen eine Brandentstehung durch Flugfeuer oder strahlende Wärme zu treffen. Sie entsprechen die Anforderungen, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • eine ≥ 3 cm dicke Schicht Substrat mit einem Anteil von höchstens 20 Gew.% organischer Bestandteile vorhanden ist
  • Gebäudeabschlusswände, Brandwände oder Wände, die anstelle von Brandwänden zulässig sind, ≥ 30 cm über das begrünte Dach, bezogen auf Oberkante Substrat bzw. Erde, geführt werden oder, sofern diese Wände nicht über Dach geführt werden müssen, eine ≥ 30 cm hohe Aufkantung aus nicht brennbaren Baustoffen bzw. ein ≥ 1,00 m breiter Streifen aus massiven Platten oder Grobkies vorhanden ist
  • vor Öffnungen in der Dachfläche und vor Wänden mit Öffnungen ein ≥ 0,50 m breiter Streifen aus massiven Platten oder Grobkies angeordnet ist oder die Brüstung der Wandöffnung ≥ 0,8 m über Oberkante Substrat liegt
  • bei traufseitig aneinandergebauten Gebäuden ist im Bereich der Traufe ein in der Horizontalen gemessener mindestens 1,00 m breiter Streifen nachhaltig unbegrünt zu lassen und mit einer Dachhaut aus nicht brennbaren Baustoffen zu versehen
Lichtbänder, Lichtkuppeln aus brennbaren Baustoffen
Lichtdurchlässige Teilflächen aus brennbaren Baustoffen wie Lichtbänder oder Lichtkuppeln aus Kunststoff sind in harten Bedachungen nur zulässig, wenn eine Brandentstehung bei einer Beanspruchung von außen durch Flugfeuer und strahlende Wärme nicht zu befürchten ist oder Vorkehrungen hiergegen getroffen werden. Dies gilt jedoch nicht für Lichtkuppeln oder Oberlichter aus brennbaren Baustoffen von Wohngebäuden sowie für Eingangsüberdachungen aus brennbaren Baustoffen, wenn die Eingänge nur zu Wohnungen führen.

Keine Bedenken hinsichtlich des Brandschutzes bestehen bei Lichtbändern aus brennbaren Baustoffen auf Nicht-Wohngebäuden, wenn ihre Fläche ≤ 40 m² und ihre Länge ≤ 20,0 m ist, sie untereinander und zu den Dachrändern ≥ 2,0 m Abstand haben und zu Brandwänden oder zu unmittelbar angrenzenden vorhandenen oder zulässigen höheren Gebäuden oder Gebäudeteilen ≥ 5,0 m Abstand haben. Bei Lichtkuppeln aus brennbaren Baustoffen auf Nicht-Wohngebäuden bestehen keine brandschutztechnischen Bedenken, wenn die Grundrissfläche der einzelnen Lichtkuppeln in der Dachfläche ≤ 6 m² ist, die Grundrissfläche aller Lichtkuppeln 20% der Dachfläche nicht überschreitet. Außerdem müssen die Lichtkuppeln untereinander und von den Dachrändern mindestens 1,00 m Abstand einhalten, von den Lichtbändern aus brennbaren Baustoffen einen Abstand von mindestens 2,00 m. Zu Brandwänden bzw. zu unmittelbar angrenzenden vorhandenen oder zulässigen höheren Gebäuden oder Gebäudeteilen ist ein Abstand von mindestens 5,00 m einzuhalten.

Für alle Oberlichter, Lichtkuppeln und Öffnungen in der Bedachung gilt, dass sie von Brandwänden und von Wänden, die anstelle von Brandwänden zulässig sind, mindestens 1,25 m entfernt sein müssen, wenn diese Wände nicht mindestens 30 cm über die Bedachung geführt sind.

Dachgauben und Dachaufbauten
Von Brandwänden und von Wänden, die anstelle von Brandwänden zulässig sind, müssen Dachgauben und ähnliche Dachaufbauten aus brennbaren Baustoffen immer mindestens 1,25 m entfernt sein, wenn sie nicht durch diese Wände gegen Brandübertragung geschützt sind. Der Schutz dieser Dachaufbauten muss durch eine Wand in Qualität der erforderlichen Brandwand gegeben sein. Ggf. kann die Anforderung „Widerstand gegen mechanische Belastung“ entfallen, wenn die Wand nicht identisch ist mit der Brandwand (Gebäudeabschlusswand).

Dächer von Anbauten

Gemäß § 32 Absatz 7 MBO sind Dächer von Anbauten, die an Außenwände mit Öffnungen oder an Außenwände ohne Feuerwiderstandsfähigkeit anschließen, in einem mindestens 5,00 m breiten Streifen als raumabschließende Bauteile für eine Brandbeanspruchung von innen nach außen einschließlich der sie tragenden und aussteifenden Bauteile, in mindestens der gleichen Feuerwiderstandsklasse herzustellen, wie die Decken des Gebäudeteils, an den sie angebaut sind. Dies gilt nicht für Anbauten an Wohngebäude der Gebäudeklassen 1 bis 3. Diese Regelung soll ein Übergreifen von Bränden über Dach oder Fassade der verschieden hohen Bauteile verhindern.

Eine erforderliche Öffnung in dieser Außenwand ist nur durch eine genehmigte Abweichung möglich. Durch einen Abschluss der Öffnung mit einer Brandschutzverglasung, die über einen Rauchmelder gesteuert, automatisch geschlossen wird, kann diese Abweichung kompensiert werden.


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