Leitungsanlagen

Abschottungen, Leitungsdurchführung, Abweichungen, Funktionserhalt

Da Leitungsanlagen abschottende Bauteile durchdringen, muss verhindert werden, dass sie im Brandfall Feuer und Rauch über einzelne Brandabschnitte und Geschosse hinaus übertragen. Gemäß Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) handelt es sich bei ihnen um Anlagen insbesondere aus elektrischen Leitungen oder Rohrleitungen, einschließlich der dazugehörigen Armaturen, Hausanschlusseinrichtungen, Messeinrichtungen, Steuer- Regel- und Sicherheitseinrichtungen, Netzgeräte, Verteiler und Dämmstoffe. Zu den Leitungen gehören außerdem deren Befestigungen und Beschichtungen.

Gallerie

Die Grundanforderungen an den Brandschutz von Leitungsanlagen sind in § 40 der Musterbauordnung (MBO) festgelegt. Auf dieser Basis erläutert und präzisiert die MLAR deren Umsetzung und zeigt zulässige Abweichungen und Erleichterungen für einzelne Bereiche auf. Die Richtlinie gilt nicht für Decken in Gebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2, für Decken innerhalb von Wohnungen oder innerhalb derselben Nutzungseinheit mit nicht mehr als insgesamt 400 m² in nicht mehr als zwei Geschossen.

Anforderungen an Leitungsanlagen, Installationsschächte und -kanäle

Nach § 40 Absatz 1 der Musterbauordnung dürfen Leitungen durch raumabschließende Bauteile, für die eine Feuerwiderstandsfähigkeit vorgeschrieben ist, nur hindurchgeführt werden, wenn eine Brandausbreitung ausreichend lang nicht zu befürchten ist oder Vorkehrungen hiergegen getroffen sind. Weiter heißt es in Absatz 2, dass in notwendigen Treppenräumen, in Räumen zwischen notwendigen Treppenräumen und Ausgängen ins Freie sowie in notwendigen Fluren Leitungsanlagen nur zulässig sind, wenn eine Nutzung als Rettungsweg im Brandfall ausreichend lang möglich ist. Eine Brandausbreitung ist ausreichend lange nicht zu befürchten bzw. eine Nutzung als Rettungsweg im Brandfall ist ausreichend lange möglich, wenn die brandschutztechnischen Anforderungen der MLAR beachtet werden. Die Richtlinie gilt Leitungen und Installationsschächte oder -kanäle durch raumabschließende Bauteile (Wände und Decken) sowie für Leitungsanlagen in notwendigen Treppenräumen, in Räumen zwischen notwendigen Treppenräumen und Ausgängen ins Freie und in notwendigen Fluren, ausgenommen in offenen Gängen vor Außenwänden. Folgende Maßnahmen sind vorgeschrieben.

Leitungsanlagen in Bauteilen
Leitungsanlagen dürfen in tragende, aussteifende oder raumabschließende Bauteile sowie in Bauteile von Installationsschächten und -kanälen nur so weit eingreifen, dass die erforderliche Feuerwiderstandsfähigkeit erhalten bleibt.

Abschottungen
Leitungen müssen durch Abschottungen geführt werden, die mindestens die gleiche Feuerwiderstandsfähigkeit aufweisen wie die raumabschließenden Bauteile oder innerhalb von Installationsschächten oder -kanälen geführt werden, die – einschließlich der Abschlüsse von Öffnungen – mindestens die gleiche Feuerwiderstandsfähigkeit aufweisen wie die durchdrungenen raumabschließenden Bauteile und aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen.

Der erforderliche Abstand zwischen Abschottungen (gleiche oder andere Bauart) ist in den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen behandelt. Sind dort keine Festlegungen zu finden, gilt der allgemeine Grundsatz des DIBt: "Der Abstand der zu verschließenden Bauteilöffnung zu anderen Öffnungen oder Einbauten muss mindestens 20 cm betragen. Abweichend davon darf der Abstand bis auf 10 cm reduziert werden, sofern die zu verschließende Bauteilöffnung sowie die benachbarten Öffnungen oder Einbauten nicht größer als 20 cm x 20 cm sind. Der Abstand zwischen Bauteilöffnungen für Kabel- oder Rohrabschottungen gleicher oder unterschiedlicher Bauart darf ebenfalls bis auf 10 cm reduziert werden, sofern diese Öffnungen jeweils nicht größer als 40 cm x 40 cm sind."

Erleichterungen für die Leitungsdurchführung durch feuerhemmende Wände
Durch feuerhemmende Wände – ausgenommen solche notwendiger Treppenräume und Räume zwischen notwendigen Treppenräumen und den Ausgängen ins Freie – dürfen elektrische Leitungen und Rohrleitungen aus nicht brennbaren Baustoffen – auch mit brennbaren Rohrbeschichtungen mit maximal 2 mm Dicke – geführt werden, wenn der Raum zwischen den Leitungen und dem umgebenden Bauteil aus nicht brennbaren Baustoffen mit nicht brennbaren Baustoffen oder mit im Brandfall aufschäumenden Baustoffen vollständig ausgefüllt wird.

Erleichterungen für einzelne Leitungen
Einzelne elektrische Leitungen und Rohrleitungen mit einem Außendurchmesser von 160 mm aus nicht brennbaren Baustoffen sowie Rohrleitungen für nicht brennbare Medien (Wasser) und Installationsrohre für elektrische Leitungen mit einem Außendurchmesser von 32 mm aus brennbaren Baustoffen, Aluminium oder Glas dürfen über gemeinsame Durchbrüche durch Wände und Decken geführt werden. Diese Erleichterungen erfordern die strikte Anwendung der umfangreichen Angaben in der MLAR hinsichtlich der Qualität der Wände, der lichten Abstände von Öffnungen, der Verfüllung der Restöffnungen mit mineralischen Baustoffen oder Dämmstoffen usw.

Leitungsanlagen in Flucht- und Rettungswegen
Die MLAR enthält umfangreiche Angaben zur Verlegung von elektrischen Leitungsanlagen, Rohrleitungsanlagen für nicht brennbare Medien und Rohrleitungsanlagen für brennbare oder brandfördernde Medien einschließlich der dazugehörigen Einrichtungen, Verteiler, Dichtungs- und Dämmstoffe in Flucht- und Rettungswegen. Zusätzlich sind darin die Anforderungen an Bauteile festgelegt, die bauaufsichtliche Rettungswege vor Brandgefahren aus Leitungsanlagen schützen. Dazu gehören Installationsschächte und -kanäle, Unterdecken, Unterflurkanäle und Systemböden (siehe auch: Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Systemböden.

Funktionserhalt von elektrischen Leitungsanlagen im Brandfall
Elektrische Leitungsanlagen für bauordnungsrechtlich vorgeschriebene sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen müssen so beschaffen oder durch Bauteile abgetrennt sein, dass sie im Brandfall ausreichend lang funktionsfähig bleiben (Funktionserhalt). Die Dauer des Funktionserhalts beträgt entweder mindestens 90 oder mindestens 30 Minuten.

Leitungen mit einem Funktionserhalt von mindestens 90 Minuten sind:

  • Wasserdruckerhöhungsanlagen zur Löschwasserversorgung
  • maschinelle Rauchabzugsanlagen und Rauchschutz-Druckanlagen für notwendige Treppenräume in Hochhäusern sowie für Sonderbauten, für die solche Anlagen im Einzelfall verlangt werden; abweichend hiervon genügt für Leitungsanlagen, die innerhalb dieser Treppenräume verlegt sind, eine Dauer von 30 Minuten
  • Bettenaufzüge in Krankenhäusern und anderen baulichen Anlagen mit entsprechender Zweckbestimmung und Feuerwehraufzügen; ausgenommen sind Leitungsanlagen, die sich innerhalb der Fahrschächte oder der Triebwerksräume befinden

Leitungen mit einem Funktionserhalt von mindestens 30 Minuten sind:

  • Sicherheitsbeleuchtungsanlagen; außer Leitungsanlagen, die der Stromversorgung der Sicherheitsbeleuchtung nur innerhalb eines Brandabschnittes in einem Geschoss dienen oder Leitungsanlagen innerhalb eines Treppenraumes
  • Personenaufzüge mit Brandfallsteuerung; ausgenommen Leitungsanlagen innerhalb der Fahrschächte oder der Triebwerksräume
  • Brandmeldeanlagen einschließlich der zugehörigen Übertragungsanlagen; außer Leitungsanlagen in Räumen, die durch automatische Brandmelder überwacht werden, sowie Leitungsanlagen in Räumen ohne automatische Brandmelder, wenn bei Kurzschluss oder Leitungsunterbrechung durch Brandeinwirkung in diesen Räumen alle an diese Leitungsanlage angeschlossenen Brandmelder funktionsfähig bleiben
  • Anlagen zur Alarmierung und Erteilung von Anweisungen an Besucher und Beschäftigte, sofern diese Anlagen im Brandfall wirksam sein müssen; außer Leitungsanlagen, die der Stromversorgung der Anlagen nur innerhalb eines Brandabschnittes ≤ 1.600 m² in einem Geschoss dienen oder innerhalb eines Treppenraumes
  • natürliche Rauchabzugsanlagen (Rauchableitung durch thermischen Auftrieb); außer Anlagen, die bei einer Störung der Stromversorgung selbsttätig öffnen sowie Leitungsanlagen in Räumen, die durch automatische Brandmelder überwacht werden und das Ansprechen eines Brandmelders durch Rauch bewirkt, dass die Anlage selbsttätig öffnet
  • maschinelle Rauchabzugsanlagen und Rauchschutz-Druckanlagen in Gebäuden, die keine Hochhäuser oder andere Sonderbauten sind

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