Empfangspavillon in Saint-Vincent-sur-Jard

Zwei Volumen, ein Rückgrat

Direkt am Atlantik sitzt das Ferien- und Altersdomizil des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Georges Clemenceau (1841–1929). Das Wohnhaus umgibt ein Garten, den der Maler Claude Monet – ein Freund des Politikers – mitgestaltet hat. Der zu dem Denkmalensemble gehörende Empfangspavillon wurde 2010 von dem Orkan Xynthia zerstört. Nach den Entwürfen von Agence Titan aus Nantes ist nun ein Neubau entstanden, der die Proportionen des Bestandes aufnimmt, die Volumen dabei jedoch abstrahiert und neu interpretiert.

Gallerie

Das neue Besucherzentrum besteht aus zwei Bauten mit Satteldach, die monolithisch wirken und leicht versetzt zueinander angeordnet sind. Bei genauerer Betrachtung lässt sich an der Hülle ein Bereich erkennen, der durch einen Wechsel in der Textur der Betonoberfläche abgesetzt wurde. Wie ein Mittelschiff scheint er die beiden rechtwinkligen Volumen rückgratartig miteinander zu verbinden.

In diesem schmalen Band ist der Hauptraum des Besucherzentrums untergebracht. Die Besucher betreten ihn über eine große Öffnung, die sich zum Vorbereich hin orientiert, und verlassen ihn leicht versetzt in Richtung Clemenceau-Haus und Garten. Neben dem Kassen- und Informationstresen befinden sich hier auch der Museumsshop sowie ein durch eine Verglasung abgetrennter Versammlungsraum. Die an den korridorartigen Raum angrenzenden Bereiche beherbergen zum Garten hin die Personalräume und auf der Eingangsseite die Toiletten.

Das limitierte Programm machte es den Architekten möglich, mit der Platzierung der Öffnungen, der Wegführung und der Verwendung unterschiedlicher Materialien den Übergang vom öffentlichen Vorbereich zum Denkmal zu inszenieren. Die unaufdringliche und zurückhaltende Art, in der dies gelungen ist, sorgt dafür, dass der Fokus auf Clemenceaus Wohnhaus und dem Garten bleibt.

Beton: Schichten und Texturen
Von außen erscheint der Empfangspavillon zunächst wie aus einem Guss: Außenwände und Satteldach sind in einem sandfarbenen Beton ausgeführt, der mit dem nahen Strand und der Kaimauer harmoniert. Die Differenzierung erfolgt über das Schalungsbild. Der eigentliche Besucherbereich – das schmale Mittelschiff – zeigt nach außen eine glatte und samtige Textur, die durch die Verwendung entsprechender Schaltafeln erreicht wurde. Die angrenzenden Wände prägt eine raue Struktur mit horizontalen Streifen leicht unterschiedlicher Farbgebung, die an Stampfbeton erinnern.

Tatsächlich wurde in Schichten betoniert. Um das Aushärten des jeweiligen Abschnitts zu ermöglichen, ließ man zwischen den Betonagen jeweils etwa 12 Stunden verstreichen. Das Verfahren gleiche in gewisser Hinsicht der Erstellung von Stampfbetonwänden, sei aber in entscheidenden Punkten abgewandelt, um den Anforderungen an ein Gebäude in Atlantiknähe gerecht zu werden, so die Architekten. Zu den Unterschieden zählt auch, dass die Oberflächen sandgestrahlt wurden, um die raue Textur herauszuarbeiten.

Die Außenwände des Pavillons sind zweischalige Konstruktionen mit dazwischenliegender Dämmung. Bei der äußeren Schale entschied man sich, auf der Grundlage verschiedener Teststücke, für einen pigmentierten Beton der Druckfestigkeitsklasse C35/45 mit einem Größtkorn von 12 Millimetern. Aufgrund der Lage am Meer erfüllt der Beton die Anforderungen der Expositionsklasse XS3.

Auch die innere Schale besteht aus Beton. Im Bereich des Mittelschiffs wurden die Ecken zwischen Wand und Decke abgerundet, um einen möglichst sanften Übergang zu schaffen. Der obere Bereich der Längsfassaden und die Dachflächen bilden eine homogene Fläche. An den Schmalseiten blieben Schaltafeln und Ankerlöcher ablesbar. -chi

Bautafel

Architektur: Agence Titan, Nantes
Bauherr: Centre des Monuments Nationaux, Paris
Fertigstellung: 2017
Standort:
Rue Georges Clemenceau, 85520 Saint-Vincent-sur-Jard
Bildnachweis: Julien Lanoo

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