Kornhaus Zürich

Per Gleitschalung aufgestocktes Getreidesilo

Mitten in Zürich-West hat der Getreidemühlenbetrieb Swissmill einen bestehenden Kornspeicher auf beträchtliche 118 Meter aufgestockt und es damit zum zweithöchsten Bauwerk der Stadt gemacht. Auf dem Gelände zwischen Sihlquai und Limmat werden nun jährlich 220.000 Tonnen Getreide gereinigt, getrocknet, gelagert, gemischt, gemahlen, dann verpackt, verladen und schließlich per Bahn oder LKW verschickt. Für die Gestaltung des Silo-Turms zeichnet das Architekturbüro Harder Haas aus Eglisau verantwortlich.

Gallerie

Um die gewaltigen Kräfte der Aufstockung abzufangen, wurden Pfahlfundamente tief ins Erdreich getrieben und neue Außenwände vor den alten Speicher gesetzt. Von ihm ist lediglich noch die Höhe erkennbar, die sich als Zäsur in der jetzigen Betonfassade abzeichnet. Diese ist klassisch in Sockel, Schaft und Krone gegliedert. Den unteren Teil, der das alte, 40 Meter hohe Silogebäude umhüllt, sind rote Lisenen vorgesetzt. Sie definieren die Traufhöhe gemäß Planungs- und Baugesetz des Kantons Zürich und beziehen sich in ihrer Farbe auf die benachbarten Ziegelbauten des ehemaligen Industriequartiers. Zudem bilden sie die Lage ab, wo die Innenwände zur Unterteilung des Speichers in einzelne Kammern auf die Außenwand treffen. Die vertikalen Rillen, die den fensterlosen Schaft des Turms strukturieren, folgen ebenfalls den Zellenwänden im Inneren. Zwischen ihnen sind an der Südfassade Photovoltaikmodule installiert, die nicht nur Strom erzeugen, sondern als gestalterisches Element das Erscheinungsbild des Silos maßgeblich prägen. Ganz oben bildet ein großes Sitzungszimmer mit Blick über Zürich die Krone des Gebäudes.

Die Grundrisse sind dem Zweck entsprechend einfach ausgebildet: Sie basieren auf einem quadratischen Raster von 3,60 Meter, das der Bestandsbau vorgab. Im aufgestockten Bereich befinden sich 48 Kammern, die von unten bis oben durchlaufen und abgerundete Ecken aufweisen. Vier von ihnen nehmen Treppe, Aufzug und einen Teil der Silotechnik auf, der Rest dient der Getreidelagerung.

Da schon im Vorfeld klar war, wie sehr das Kornhaus die Stadtsilhouette verändern würde, hatte man in einer Volksabstimmung die Zürcher befragt, ob sie sich für oder gegen den Bau entscheiden. Mit Ausnahme der direkten Anwohner hatte sich die Mehrheit klar für den Turmbau ausgesprochen. Er soll nun ein Zeichen dafür sein, dass Gewerbe, das vor allem der Stadtbevölkerung zugute kommt, auch in einer solchen Platz finden kann.

Beton

Die Aufstockung des Silos erfolgte bei laufendem Betrieb in fünf Etappen. Zunächst wurden Anbauten abgebrochen, die Bohrpfähle gesetzt und das neue Fundament erstellt. Im unteren Bereich wuchs der Bau zunächst auf der Sihlquai-Seite bis 40 m Höhe, dann folgte die Limmat-Seite. Mit einer konventionellen Schalung wurden die Wände bis in eine Höhe von 3,60 m einhäuptig gegen die bestehende Wand betoniert, sodass eine 60 cm dicke Außenwand entstand. Der erste Abschnitt der dann verwendeten Gleitschalung setzte auf der Sihlquai-Seite bei 3,60 m an und endete auf der Höhe des bestehenden Silos. Im zweiten Bauabschnitt wiederholte sich die Prozedur auf der Limmat-Seite; die dritte Bauphase umfasste den Abbruch der Silozellen auf der Westseite des bestehenden Getreidesilos.

Die Gleitschalung wanderte alle vier bis sieben Minuten um 2,5 cm nach oben, sodass der Turm innerhalb von 24 Stunden um etwa 4,70 m anwuchs. Wie bei der Gleitschaltechnik üblich, musste rund um die Uhr gearbeitet werden. Der Beton wurde in Schichten von 20 cm in die Schalungsplatten aus Edelstahl eingebracht. Nachdem diese nach oben weitergewandert waren, wurde die Oberfläche von der Nachbearbeitungsbühne aus geglättet.

Die über den ersten beiden Gleitabschnitten liegende glatte Wand mit einer Höhe von 10,00 m wurde wiederum konventionell geschalt. Parallel dazu entstand 7,00 m über dem alten Silodach eine neue, 50 cm dicke Abfangdecke. Alle Lasten aus der darüber liegenden Aufstockung werden über diese vorgespannte Decke in die neuen Außenwände und damit in den Baugrund abgeleitet. Die circa 3,00 m hohen Wandansätze oberhalb dieser Decke dienten der Montage der Gleitschalung für die letzten beiden Bauabschnitte. In rund 20 Tagen wurde die ostseitige Hälfte des Turmes bis zur Endhöhe von 118 m betoniert, danach folgte die Westseite. Insgesamt wurden 18.000 Kubikmeter Beton und 2.700 Tonnen Stahl verbaut. Bei genauem Hinsehen lassen sich die beiden Bauabschnitte heute noch erkennen, da der mit Flugasche eingefärbte Beton auf der einen Seite eine Nuance dunkler ausgefallen ist. -chi

Bautafel

Architekten: Harder Haas Partner, Eglisau (V. Harder, R. Haas, M. Reichle, M. Ritzmann)
Projektbeteiligte: Implenia Bau, Dietlikon (Bauingenieure/Baumeister); Lier Energietechnik, Wallisellen (Gebäudetechnik); Bitschnau Gleit- und Schalungstechnik, Nenzing (Gleitschalung); Kaufmann Kranservice GmbH, Oberhasli (Kräne)
Bauherr: Swissmill, Zürich
Standort: Sihlquai 298, 8037 Zürich, Schweiz
Fertigstellung: 2015
Bildnachweis: M. Anderegg, Z. Gataric, Harder Haas Partner Architekten

Fachwissen zum Thema

Rot eingefärbter Sichtbeton an den Wohnhäusern „Am Lokdepot“ in Berlin, Architekten: Robertneun, Berlin

Rot eingefärbter Sichtbeton an den Wohnhäusern „Am Lokdepot“ in Berlin, Architekten: Robertneun, Berlin

Oberflächen

Farbiger Beton

Durch den Einsatz von Farbe oder durch mechanische Bearbeitung, wie z.B. Schleifen und Polieren, kann die Oberfläche von Beton in...

Mithilfe einer Kletterschalung der Iset Tower in Jekaterinburg errichtet

Mithilfe einer Kletterschalung der Iset Tower in Jekaterinburg errichtet

Schalungen

Schalungstechniken

Neben der Träger- und Rahmenschalung gibt es weitere Schalungsarten, die entwurfsbedingt zum Einsatz kommen.Kletterschalung oder...

Objekte zum Thema

Mit einer Höhe von 60 Metern überragt der Turm sämtliche Gebäude der Umgebung

Mit einer Höhe von 60 Metern überragt der Turm sämtliche Gebäude der Umgebung

Industrie/​Gewerbe

Pelletsilo Tschopp in Buttisholz

Am Rande der kleinen Schweizer Gemeinde Buttisholz erhebt sich ein Turm 60 Meter in die Höhe. Den Kirchturm überragt er um Längen,...

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
BauNetz Wissen Beton sponsored by:
Deutsche Zement- und Betonindustrie vertreten durch das
InformationsZentrum Beton | Kontakt 0211 / 28048–1 | www.beton.org
Zum Seitenanfang

Die Bingding-Produktionsstätte für Keramik sitzt umgeben von Wald im Umkreis der südostchinesischen Stadt Jingdezhen.

Die Bingding-Produktionsstätte für Keramik sitzt umgeben von Wald im Umkreis der südostchinesischen Stadt Jingdezhen.

Industrie/​Gewerbe

Produktionsstätte für Keramik bei Jingdezhen

Huldigung der Handwerkskunst

Die konkave Linie der Fassade weist Besuchern den Weg zum Eingang

Die konkave Linie der Fassade weist Besuchern den Weg zum Eingang

Industrie/​Gewerbe

Silhouette Lens Lab in Linz

Schneeweiße Betonfertigteilhülle mit Lochmuster

Zufahrt zum Weingut Cantzheim

Zufahrt zum Weingut Cantzheim

Industrie/​Gewerbe

Weingut Cantzheim in Kanzem an der Saar

Remise aus Stampfbeton

Das eingeschossige Gebäude in Anapra bietet Platz für bis zu fünf Ladengeschäfte

Das eingeschossige Gebäude in Anapra bietet Platz für bis zu fünf Ladengeschäfte

Industrie/​Gewerbe

Ladenzeile in Anapra, Ciudad Juárez

Zackiges Betonrelief

Nordansicht des aufgestockten Kornspeichers

Nordansicht des aufgestockten Kornspeichers

Industrie/​Gewerbe

Kornhaus Zürich

Per Gleitschalung aufgestocktes Getreidesilo

Mit einer Höhe von 60 Metern überragt der Turm sämtliche Gebäude der Umgebung

Mit einer Höhe von 60 Metern überragt der Turm sämtliche Gebäude der Umgebung

Industrie/​Gewerbe

Pelletsilo Tschopp in Buttisholz

Kannelierte Sichtbetonsäule

Das achtgeschossige Keyaki Building entstand auf einem winzigen Eckgrundstück

Das achtgeschossige Keyaki Building entstand auf einem winzigen Eckgrundstück

Industrie/​Gewerbe

Omotesando Keyaki Building in Tokio

Dynamisch geformte Fassade aus 136 maßgefertigten Betonstützen

Schauseite des Atelierhauses ist seine Eingangsfassade aus handgemachten Zementschindeln

Schauseite des Atelierhauses ist seine Eingangsfassade aus handgemachten Zementschindeln

Industrie/​Gewerbe

Yardhouse in London

Prototyp eines Atelierhauses mit Fassade aus handgefertigten Zementschindeln

Ansicht Ost: Das Gebäudevolumen verteilt sich auf drei zueinander versetzten Ebenen, die mit den Weinbergterrassen verzahnt sind

Ansicht Ost: Das Gebäudevolumen verteilt sich auf drei zueinander versetzten Ebenen, die mit den Weinbergterrassen verzahnt sind

Industrie/​Gewerbe

Weingut Franz Keller in Oberbergen

Terrassierte Betonebenen

Dunkelgraue Betonfertigteile mit großflächigen Verglasungen bilden die neue Fassade des Bankhauses

Dunkelgraue Betonfertigteile mit großflächigen Verglasungen bilden die neue Fassade des Bankhauses

Industrie/​Gewerbe

Umbau der Rabobank Parkstad in Heerlen

Geöffneter Betontresor hinter basaltgrauer Fertigteilfassade

Das Kontrollzentrum des Wasserkraftwerkes liegt nahe der kleinen österreichischen Gemeinde Silz im Oberinntal

Das Kontrollzentrum des Wasserkraftwerkes liegt nahe der kleinen österreichischen Gemeinde Silz im Oberinntal

Industrie/​Gewerbe

Kraftwerks-Leitstelle TIWAG in Silz

Koloss aus mit Eisenoxidpigmenten gefärbtem Beton

Modezentrum Labels 2 in Berlin

Industrie/​Gewerbe

Modezentrum Labels 2 in Berlin

Vorgehängte Fassade aus strukturierten Betonfertigteilen in Grün

Ansicht des westlichen Kopfbaus des von Feuerwehr und Tiefbauamt gemeinsam genutzten Werkhofes

Ansicht des westlichen Kopfbaus des von Feuerwehr und Tiefbauamt gemeinsam genutzten Werkhofes

Industrie/​Gewerbe

Werkhof für Feuerwehr und Tiefbauamt in Herisau

Vorgehängte, lasierte Betonfertigteile

Roca-London-Gallery in London

Industrie/​Gewerbe

Roca-London-Gallery in London

Vom Wasser inspiriert, mit Beton realisiert

Im hinteren, geschlossenen Bereich des Gebäudes werden die Traben verarbeitet und der Wein gelagert

Im hinteren, geschlossenen Bereich des Gebäudes werden die Traben verarbeitet und der Wein gelagert

Industrie/​Gewerbe

Weingut F.X. Pichler in Dürnstein

Gebürstet und abgestrahlt

Vorne der Hauptraum mit Schaufenster, hinten die Pergola

Vorne der Hauptraum mit Schaufenster, hinten die Pergola

Industrie/​Gewerbe

Blockheizkraftwerk in Berlin

Anthrazitfarbene Betonbox mit technischem Innenleben

Ausstellungs- und Besucherzentrum in Laufen

Industrie/​Gewerbe

Ausstellungs- und Besucherzentrum in Laufen

Betonskulptur aus einem Guss

Zwischen den beiden Fassaden liegt ein Gang

Zwischen den beiden Fassaden liegt ein Gang

Industrie/​Gewerbe

Fabrikationsgebäude in Cormondrèche

Filigran perforierte Betonhülle

Das Gebäude liegt im Gewerbegebiet einer Kleinstadt bei Ljubljana

Das Gebäude liegt im Gewerbegebiet einer Kleinstadt bei Ljubljana

Industrie/​Gewerbe

Büro- und Lagergebäude in Skofja Loka

Gewerbebau aus geschliffenen und polierten Betonfertigteilen

Der vordere Teil des Gebäudes ist in Beton, der hintere in Holz ausgeführt

Der vordere Teil des Gebäudes ist in Beton, der hintere in Holz ausgeführt

Industrie/​Gewerbe

Weingut Preisinger in Gols/A

Symbiose aus Holz und Beton

Ausstellungsgebäude in Bad Cannstadt

Industrie/​Gewerbe

Ausstellungsgebäude in Bad Cannstadt

Sichtbeton mit vorgehängter Metallfassade

Das Hochwasserpumpwerk mit der Fußgängerbrücke aus Stahlblech im Vordergrund

Das Hochwasserpumpwerk mit der Fußgängerbrücke aus Stahlblech im Vordergrund

Industrie/​Gewerbe

Hochwasserpumpwerk in Mainz

Schwarzer Monolith mit Basaltgranulat als Zuschlagsstoff

Betriebshalle und Bürogebäude

Betriebshalle und Bürogebäude

Industrie/​Gewerbe

Holzverwertungsunternehmen in München-Riem

Fein strukturierte Betonfertigteile

Die Spitze des Kaufhaus von Osten

Die Spitze des Kaufhaus von Osten

Industrie/​Gewerbe

Geschäftshaus „Münstertor“ in Ulm

Sichtbetonfassade in Perfektion

Außenansicht

Außenansicht

Industrie/​Gewerbe

Produktions- und Verwaltungsgebäude in Freiburg

Fertigteilfassade mit bewegter Oberflächenstruktur

Westfassade mit X-Stütze

Westfassade mit X-Stütze

Industrie/​Gewerbe

Feuer- und Polizeiwache in Berlin

Gläserner Baukörper auf x-förmigen Betonstützen

Untersicht Betonauskragung

Untersicht Betonauskragung

Industrie/​Gewerbe

UFA-Kinopalast in Dresden

Glaskristall mit Sichtbetonkern

Außenansicht

Außenansicht

Industrie/​Gewerbe

BMW Werk in Leipzig

Fließbänder und Betonbänder

Außenansicht

Außenansicht

Industrie/​Gewerbe

Geschäftshaus Römischer Hof in Berlin

Ausstellungsräume in Sichtbeton

Dachlandschaft aus Betonschalen

Dachlandschaft aus Betonschalen

Industrie/​Gewerbe

Mode- und Geschäftshaus in Lübeck

Dach aus freispannenden Betonschalen

Das Konzerthaus Blaibach

„Für uns war völlig klar, dass wir hier den besten Saal der Welt bauen wollen.“ - Peter Haimerl

Partner-Anzeige