Low-Tech-Green Fassadenbegrünung

Mehr Pflanzen, weniger Technik

Die Idee, Gebäude mit Vegetation zu versehen, reicht bis in die Antike zurück und begleitet die Entwicklung von Architektur und Stadtplanung seit mehr als zwei Jahrtausenden. Mit dem Fortschritt in Bauverfahren, Materialien und Versorgungstechnik hat sich das Spektrum möglicher Begrünungsformen kontinuierlich erweitert. In den letzten Jahrzehnten entstanden zunehmend technisch unterstützte Systeme sowie hybride Formen der Fassadenbegrünung. Trotz ihrer klimatischen und ökologischen Vorteile fristet die Fassadenbegrünung im urbanen Raum jedoch nach wie vor ein Nischendasein.

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Die Publikation Low-Tech-Green Fassadenbegrünung widmet sich dieser Diskrepanz mit einer systematischen und praxisorientierten Untersuchung. Herausgegeben vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und erarbeitet von Expert*innen aus Architektur und Landschaftsarchitektur, verknüpft die Studie bauphysikalische Messungen, gestalterische Fallstudien und ökologische Analysen.

Aus dem Inhalt:

  • Wie lassen sich technische und konstruktive Elemente für begrünte Fassaden vereinfachen?
  • Unter welchen Bedingungen kann Fassadenbegrünung zuverlässig vor verglasten Flächen eingesetzt werden?
  • Wie sind die Vorteile solcher Lösungen – besonders vor Glas – messbar?
  • Welche Parameter eignen sich für die Berechnung und Simulation von Temperaturverläufen, insbesondere im Hinblick auf Verschattung?
  • Welche Abminderungsfaktoren können für unterschiedliche Bepflanzungen im Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes (DIN 4108) oder in der Energiebilanz nach DIN V 18599 angesetzt werden?

Im Zentrum der Untersuchung steht die Kritik an konventionellen, überwiegend wandgebundenen Hightech-Systemen. Diese seien aufgrund hoher Investitions- und Betriebskosten, ihres technischen Aufwands und ungelöster Fragen im Bereich der Kreislaufwirtschaft bislang kaum flächendeckend praktikabel. Zudem ließen sich ihre Effekte im Rahmen geltender Normen, etwa zum sommerlichen Wärmeschutz, häufig nicht zuverlässig nachweisen.

Das Forschungsteam setzt dem ein Low-Tech-Prinzip entgegen: einfache, ressourcenschonende und kostengünstige Bauweisen, die mit minimalen aktiven Komponenten auskommen und dennoch eine deutliche Verschattungs- und Kühlwirkung erzielen. Für einen prototypischen Aufbau wurden diese Effekte, im Fall des Projekts vor allem die Verschattungsleistung quantifiziert, sodass sie künftig in Energiekonzepte integrierbar und in Nachweisverfahren rechnerisch anwendbar sind. Dabei werden vielfältige Aspekte berücksichtigt: die Reduktion des Energiebedarfs, Materialschutz und Materialökonomie, Beiträge zum Klimaschutz, wasserwirtschaftliche Effekte sowie stadtraumplanerische wie auch naturschutzfachliche Nützlichkeit. Besonders überzeugend sind die detaillierten Kostenaufstellungen verschiedener Bauweisen, die direkt aus dem Prototyp abgeleitet wurden.

Die Verbindung aus interdisziplinärer Forschung, baurechtlicher Einordnung und praxisnahen Beispielen schafft ein belastbares Fundament, das das Potenzial hat, die Fassadenbegrünung verstärkt in die planungs- und baupraktische Realität zu überführen. Die Publikation leistet damit einen wichtigen Beitrag zu klimaresilienten Architekturen – und zeigt eindrücklich, welches Potenzial in Low-Tech-Lösungen für begrünte Fassaden steckt. Für Planer*innen, Kommunen und Bauherrschaften bietet die umfangreiche Veröffentlichung ein wertvolles, gut strukturiertes Instrumentarium.

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