Green House in London

Wohnen im Gewächshaus

Mit dem Green House in London interpretierten Hayhurst & Co das typische englische Reihenhaus neu. Um Platz auf dem begrenzten Stadtgrundstück in Tottenham zu schaffen, musste ein Backsteinoriginal weichen. Während sich das mit Polycarbonat verkleidete Gebäude zumindest mit seiner Typologie in die Nachbarschaft einfügt, ist das Innere der pflanzen- und lichtdurchflutete Residenz einem marokkanischen Riad nachempfunden.

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Von Obstwiesen zum Green House

Ein unbefestigter, einspuriger Weg führt am Grundstück des Green Houses vorbei. Die dicht bebaute Nachbarschaft der Tottenham Clyde Circus Conservation Area bestand ursprünglich aus Obstgärten, Gewächshäusern und Gärtnereien. Eine kleine Fläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite erinnert mit wild gewachsenen Bäumen und einem viktorianischen Kutschenhaus an die Zeit. In Anlehnung an die grüne Geschichte des Ortes erarbeiteten Hayhurst & Co ein umfangreich bepflanzten Entwurf. Eine üppige Gebäudebegrünung und die von außen verschiebbaren Polycarbonat-Platten nehmen Bezug auf die Gewächshäuser, die sich einst auf dem hinteren Grundstück befanden.

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Biophiles Design

Mit dem Green House verfolgen die Planenden das Konzept des biophilen Designs – ein Ansatz, der einen naturnahen Innen- und Außenraum in den Fokus stellt. Alle Räume des Hauses haben Ausblicke in den Himmel oder ins Grüne. Im gesamten Gebäude gibt es lange Sichtachsen auf den vorderen und hinteren Garten. Durch die nach Süden ausgerichtete, semitransparente Fassade und die aus dem Gebäude raus wachsende Bambusbepflanzung verschwimmen die Grenzen zwischen Innen und Außen weiter. Gleichzeitig fördern die Gestaltungselemente die Privatsphäre der Familie und ermöglichen eine Regulierung der Innentemperatur. Die Pflanzen filtern das Tageslicht und sorgen an heißen Sommertagen für Sonnenschutz.  

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Licht und Luft 

Ein zentrales, von oben belichtetes Atrium alle Wohnräume miteinander und bringt Licht in das Herz des Hauses, dort wo seitliche Fenster aufgrund der Nähe zu den Nachbargrundstücken nicht möglich waren. Zusätzlich ermöglicht das Atrium einen Kamineffekt zur passiven Belüftung, gefördert durch Solarglasfenster, die mit Temperatur- und Regensensoren ausgestattet sind. Das Gebäude wurde als Passivhaus konzipiert und zeichnet sich durch eine hoch isolierte Gebäudehülle aus. Die primären Tragstrukturen sind im gesamten Innenraum sichtbar und bestehen aus Brettschichtholz. Dadurch konnte auf kohlenstoffintensive Gipskartonplatten und zusätzliche Verkleidungen verzichtet werden. 

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Korkgummi und Wellpappe

Aufgrund des begrenzten Budgets kamen zudem teilweise recycelte und kostengünstige Materialien zum Einsatz. So besteht der Bodenbelag im Obergeschoss aus wiederverwendetem Korkgummi, das Außenpflaster aus aufpolierten Betonblöcken, und für die Fassadenverkleidung wurde eine landwirtschaftliche Dachwellpappe verwendet. Der insgesamt minimalistische und ressourcenschonende Materialeinsatz trägt zur hohen Energieeffizienz des Gebäudes bei.

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Auch die kompakte und effiziente Bauform des Hauses unterstützt die Reduzierung des Energieverbrauchs im Betrieb. Beheizt wird das Haus über eine Luftwärmepumpe, auf dem Dach erzeugen Photovoltaik-Anlagen Strom. Für seine ökologische Bauweise wurde das Green House vom Royal Institute of British Architects (RIBA) zum Haus des Jahres 2023 gekürt.

Bautafel

Architektur: Hayhurst & Co
Projektbeteiligte: Nick Hayhurst, Jonathan Nicholls, Claire Taggart, Holly Crosbie (Design-Team);  Ollie Allum (Landschaftsgestaltung); Iain Wright Associates (Tragwerksplanung / Statik); Eurban (CLT-Ingenieur); Rebuild London (Ausführung und Bauleitung)
Bauherr/in: Privat
Fertigstellung: 2021
Standort: Tottenham, London, UK
Bildrechte: Kilian O'Sullivan

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