Parklets
Neue Freiräume auf ehemaligen Stellplätzen
Parklets sind temporäre oder dauerhafte Erweiterungen des öffentlichen Straßenraums, die auf ehemaligen Pkw-Stellplätzen errichtet werden. Durch einfache bauliche Elemente – meist aus Holz – entstehen kleine Aufenthalts-, Begrünungs- oder Begegnungsräume, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Je nach Gestaltung können Parklets Sitzgelegenheiten, Pflanzbeete, Spielflächen, Fahrradabstellmöglichkeiten, Kunstinstallationen, Bücherschränke oder Treffpunkte für die Nachbarschaft integrieren.
Galerie
Ihre Bedeutung reicht jedoch weit über die Gestaltung des urbanen Raumes als soziale Infrastruktur hinaus. Parklets gelten als Instrumente einer partizipativen und klimaangepassten Stadtentwicklung, indem sie ökologische, soziale und verkehrspolitische Ziele miteinander verbinden. Begrünte Parklets sind Instrumente der Klimaanpassung, die das Mikroklima verbessern und urbanen Hitzeinseln entgegenwirken. Gleichzeitig fördern sie die Demokratisierung des Stadtraumes, indem die Zivilbevölkerung aktiv in die Gestaltung eingebunden wird. Darüber hinaus unterstützen sie die sogenannte Mobilitätswende, die darauf abzielt, CO₂-Emissionen zu reduzieren, Verkehrsräume in Städten neu zu verteilen und die Lebensqualität zu erhöhen.
Berliner Parklet-Programm
Berlin zählt zu den deutschen Städten, in denen Parklets in den
vergangenen Jahren verstärkt erprobt wurden. Vor dem Hintergrund
hoher Verkehrsdichte, eines ausgeprägten Parkdrucks und eines
Mangels an öffentlichen Aufenthaltsflächen entstanden seit 2016
mehr als 120 Parklets in verschiedenen Bezirken. Die erste Berliner
Parklet-Testzone wurde auf der Bergmannstraße im Bezirk
Friedrichshain-Kreuzberg eingerichtet und diente als Modellprojekt
für die Umgestaltung des Straßenraums.
Zwischen 2021 und 2023 unterstützte der rot-rot-grüne Berliner
Senat den Bau neuer Parklets durch ein öffentlich gefördertes
Programm der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher-
und Klimaschutz. Mit einem Fördervolumen von bis zu 350.000 Euro
wurden Initiativen, Vereine und öffentliche Einrichtungen bei
Planung, Bau und Umsetzung unterstützt. Ziel war es, die Vorgaben
des Berliner Mobilitätsgesetzes umzusetzen, das unter anderem eine
ausgewogenere Verteilung des öffentlichen Straßenraums vorsieht.
Die Vereine NaturFreunde Berlin e. V. und Berlin 21 e. V.
begleiteten das Programm organisatorisch und unterstützten
Antragstellende bei Planung und Realisierung der Projekte.
Galerie
Parklets im Spannungsfeld stadtpolitischer Debatten
Mit dem Regierungswechsel in Berlin im Jahr 2023 und der Übernahme der Verkehrsverwaltung durch die CDU änderte sich die politische Bewertung des Programms. Vor dem Hintergrund von Haushaltskonsolidierungen und einer veränderten verkehrspolitischen Schwerpunktsetzung wurde die öffentliche Förderung neuer Parklets eingestellt. Seitdem können neue Projekte überwiegend nur noch über Eigenmittel oder alternative Finanzierungsformen realisiert werden. Die NaturFreunde Berlin e. V. wurden weiterhin mit der Betreuung bestehender Parklets beauftragt und unterstützen darüber hinaus Initiativen bei der Planung und Umsetzung selbstfinanzierter Projekte.
Die unterschiedlichen politischen Bewertungen verdeutlichen,
dass Parklets weit mehr sind als kleinmaßstäbliche städtebauliche
Interventionen. Sie sind zugleich Ausdruck grundsätzlicher
Auseinandersetzungen über die zukünftige Nutzung des öffentlichen
Raums, die Priorisierung verschiedener Verkehrsträger sowie die
Rolle von Klimaanpassung und Bürgerbeteiligung in der
Stadtentwicklung. Während Befürworter*innen Parklets als wichtigen
Baustein klimaresilienter und lebenswerter Städte ansehen,
kritisieren Gegner*innen vor allem den Verlust von Parkraum und
Einschränkungen für den motorisierten Individualverkehr. Vor diesem
Hintergrund fordern Befürworter*innen wie der
Verein NaturFreunde Berlin e.V. die Wiedereinführung
eines öffentlichen Förderprogramms, eine dauerhafte rechtliche
Verankerung von Parklets sowie eine stärkere Berücksichtigung von
Klimaanpassung und gleichberechtigter Flächennutzung in der
Verkehrs- und Stadtplanung.
Fachwissen zum Thema
Optigrün international AG | Kontakt +49 7576 772-0 | www.optigruen.de
