Recycling

Homogenität, Trennbarkeit, Schadstofffreiheit

Die Menge mineralischer Bauabfälle in Deutschland ist erheblich: 2022 fielen rund 208 Millionen Tonnen an, das entspricht etwa 61 Prozent des Gesamtabfallaufkommens in Deutschland. Der Bausektor gehört also zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftssektoren. Um Graue Energie einzusparen und wertvolle Ressourcen vor der Zerstörung zu bewahren, sollte bereits in der Planungsphase der Lebenszyklus des Gebäudes betrachtet und möglichst vorausschauend geplant werden. Neben einer hohen Verwertungsquote steht besonders die schadlose, ressourcenschonende Wiederverwertung im Fokus. 

Galerie

In der Planung sollten folgende Faktoren beachtet werden:

  • Homogenität:
  • Die verwendeten Baustoffe sollten nach Möglichkeit homogen sein. Je weniger unterschiedliche Materialien in einem Gebäude verwendet werden, desto weniger unterschiedliche Entsorgungswege müssen in der Regel berücksichtigt werden.
  • Trennbarkeit:
  • Sind die eingesetzten Materialien und Materialverbindungen leicht trennbar, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit einer sortenreinen Trennung. Je einfacher Materialien getrennt werden können, desto größer ist die Chance, sie wieder einsetzen zu können.
  • Schadstofffreiheit:
  • Durch die Auswahl und Verwendung von schadstofffreien Baustoffen kann der Materialkreislauf verlängert und wirtschaftlich optimiert werden. 

Galerie

Werden diese nicht beachtet, kann es zu Kosten- und Energieaufwänden kommen, die eine Rückführung in den Kreislauf erheblich einschränken. Um dies zu vermeiden, veröffentlichte das Bundesumweltministerium 2012 das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), in dem fünf Maßnahmen zur Vermeidung und Abfallbewirtschaftung festgelegt wurden:

  • Vermeidung:
  • Bestehende Bausubstanzen möglichst erhalten und Gebäude anpassungsfähig und langlebig planen.
  • Vorbereitung zur Wiederverwendung:
  • Gebrauchte Produkte und Bauteile prüfen, reinigen oder reparieren, damit sie erneut mit gleicher Funktion verwendet werden können.
  • Recycling:
  • Bau- und Abbruchabfälle stofflich aufbereiten und als Sekundärstoffe einsetzen.
  • Sonstige Verwertung:
  • Insbesondere energetische Verwertung und Verfüllung.
  • Beseitigung:
  • Abfälle, die nicht schadlos verwertet werden können, werden ordnungsgemäß und gemeinwohlverträglich beseitigt.
Die in § 6 definierte Rangfolge platziert das Recycling als drittwichtigste Maßnahme zur Abfallbewirtschaftung, dabei ist zwischen Wiederverwendung und Wiederverwertung zu unterscheiden: Wenn die beim Bau und Betrieb eines Gebäudes eingesetzten Materialien nach ihrer ursprünglichen Nutzung in neuer Form und mit neuen Eigenschaften eingesetzt werden, spricht man von Recycling. Anders als bei der Wiederverwendung (Reuse) wird hier aus einem Abfallprodukt ein Sekundärrohstoff. Der Recyclingprozess verbraucht zwar durch die Bearbeitung des Abfallmaterials mehr Energie, die neu gewonnenen Baustoffe/-teile haben allerdings den Vorteil, dass sie in gänzlich anderen Nutzungsbereichen Einsatz finden können. Die energetische Verwertung sowie die Aufbereitung zum Brennstoff oder zum Füllmaterial gelten nach § 3 KrWG nicht als Recycling.


Recycling-Baustoffe

Häufig finden Recycling-Baustoffe, etwa aus Backsteinen, Beton oder Gips,  in Form von Gesteinskörnungen neue Verwendung. Im Jahr 2022 schöpfte man 72,3 Millionen Tonnen Bauabfälle aus Bauschutt und Straßenaufbrüchen; daraus entstanden ungefähr 61 Millionen Tonnen an Recycling-Baustoffen, die besonders im Straßen-, Erd- und Deponiebau oder als Zuschlagstoff für Asphalt und Beton Einsatz fanden. Im Bereich des Holzbaus, der Dämmstoffindustrie sowie der Textilindustrie kommt es ebenfalls immer häufiger zum Recycling. Verschnitte, Reste und Bauabfälle werden zu neuen Bauteilen – z.B. Konstruktionsplatten, Möbel oder Ähnliches – verarbeitet und erhalten so ein zweites Leben.

Galerie

Regulierung des Baustoffrecyclings

Die Ersatzbaustoffverordnung (kurz: EBV) regelt den Einsatz mineralischer Ersatzbaustoffe in technischen Bauwerken. Sie soll die Kreislaufwirtschaft unterstützen und die Akzeptanz von Sekundärbaustoffen verbessern. Die Realität spiegelt ein anderes Bild: Mit dem Inkrafttreten der Verordnung 2023 sank die Akzeptanz, vor allem durch steigende Kosten und mehr Deponierung. 

Die geplante Novellierung der EBV soll mehr Entlastung bringen. Der Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums vom Juli 2026 verspricht eine Entlastung von rund 43 Millionen Euro per Jahr. Bau- und Abbruchabfälle, die beispielsweise nur für die Verfüllung von Abgrabungen und Tagebauen eingesetzt wurden, sollen durch die Novellierung höherwertig verwertet werden.  Wie es um eine Regelung zum Abfallende steht  – also dem Moment, in dem Bauabfall rechtlich zum Sekundärprodukt wird und nicht mehr als Abfall zählt – ist bislang jedoch nicht geklärt. Dieser Sachverhalt spielt insofern eine Rolle, als ohne die rechtliche Einordnung mehr Dokumentationsaufwand entsteht und Haftungsfragen offen bleiben. Die geplante Vereinfachung der Qualitätskontrolle und die Reduzierung der Dokumentationspflicht sowie die Änderungen im Bereich der mobilen Brechanlagen sollen dennoch zu massiven Kostensenkungen führen. Die geplanten Änderungen sollen im Juli 2027 in Kraft treten.

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) gibt die Baufachlichen Richtlinien zum Recycling heraus, Arbeitshilfen zum Umgang mit Bau- und Abbruchabfällen sowie zum Einsatz von Recyclingbaustoffen auf Liegenschaften des Bundes. Sie dient auch für Nicht-Bundesbauten als Planungshilfe und steht auf den unten genannten Webseiten des Ministeriums zum Download zur Verfügung (siehe Surftipps).

Fachwissen zum Thema

Bei der Herstellung eines Baustoffs oder -produktes dürfen nur sehr geringe Umweltbelastungen auftreten (Bild: Schafwolle).

Bei der Herstellung eines Baustoffs oder -produktes dürfen nur sehr geringe Umweltbelastungen auftreten (Bild: Schafwolle).

Baustoffe/​-teile

Auswahl der Baustoffe

Verschiedene Kriterien beeinflussen die Einordnung in punkto Nachhaltigkeit: Die Rohstoffe, der Energieaufwand, die Recyclingfähigkeit, aber auch der materialgerechte Einsatz im Bauwerk.

Die einfache Trennbarkeit von Konstruktionen mit Materialien unterschiedlicher Lebensdauer ist ein wichtiges Kriterium der Rückbaubarkeit.

Die einfache Trennbarkeit von Konstruktionen mit Materialien unterschiedlicher Lebensdauer ist ein wichtiges Kriterium der Rückbaubarkeit.

Baustoffe/​-teile

Rückbaubarkeit

Je einfacher ein Gebäude wieder in seine Bestandteile zerlegt werden kann, umso besser ist seine Eigenschaft „Rückbaubarkeit“ zu...

Kontakt Redaktion BauNetz Wissen: wissen@baunetz.de
BauNetz Wissen Nachhaltig Bauen sponsored by:
Linzmeier Bauelemente GmbH
Industriestraße 21
88499 Riedlingen
Tel. +49 7371 1806-0
www.linzmeier.de
Zum Seitenanfang

Recyclingneu

Im Sinne des nachhaltigen Bauens soll beim Rückbau von Gebäuden und Gebäudeteilen ein möglichst hohes Maß an Recyclingfähigkeit sichergestellt werden.

Im Sinne des nachhaltigen Bauens soll beim Rückbau von Gebäuden und Gebäudeteilen ein möglichst hohes Maß an Recyclingfähigkeit sichergestellt werden.

Welche Faktoren sollten in der Planungsphase beachtet werden, damit Baumaterialien Teil einer Kreislaufwirtschaft sind?

Auswahl der Baustoffeneu

Bei der Herstellung eines Baustoffs oder -produktes dürfen nur sehr geringe Umweltbelastungen auftreten (Bild: Schafwolle).

Bei der Herstellung eines Baustoffs oder -produktes dürfen nur sehr geringe Umweltbelastungen auftreten (Bild: Schafwolle).

Verschiedene Kriterien beeinflussen die Einordnung in punkto Nachhaltigkeit: Die Rohstoffe, der Energieaufwand, die Recyclingfähigkeit, aber auch der materialgerechte Einsatz im Bauwerk.

Wärmedämmstoffeneu

Dämmmatte aus Hanf

Dämmmatte aus Hanf

Arten von Dämmstoffen und welche ökologischen und gesundheitlichen Aspekte zu berücksichtigen sind. 

Upcycling

Statt für den Straßenbau zu Splitt geschreddert, dient hier das Teilstück einer Betonwand als einzigartiger Türdrücker an einer Hauseingangstür.

Statt für den Straßenbau zu Splitt geschreddert, dient hier das Teilstück einer Betonwand als einzigartiger Türdrücker an einer Hauseingangstür.

Verarbeitung von Materialien oder Produkten nach ihrer ursprünglichen Nutzung zu hochwertigeren Erzeugnissen.

Design for Disassembly

Design for Disassembly strebt die Wiederverwertung bereits eingesetzter Bauteile und Materialien an.

Design for Disassembly strebt die Wiederverwertung bereits eingesetzter Bauteile und Materialien an.

Die nachhaltige Planungsstrategie setzt Impulse für rückbaubare Gebäude, die als Ganzes oder in Teilen demontiert und wiederverwendet werden können.

Cradle-to-Cradle-Prinzip

Das C2C-Prinzip bezeichnet einen idealisierten, geschlossenen Rohstoffkreislauf nach dem Vorbild der Natur, bei dem alle Rohstoffe eines Produkts nach dem Nutzungszeitraum zu 100% im Kreislauf bleiben und wiederverwendet werden können.

Das C2C-Prinzip bezeichnet einen idealisierten, geschlossenen Rohstoffkreislauf nach dem Vorbild der Natur, bei dem alle Rohstoffe eines Produkts nach dem Nutzungszeitraum zu 100% im Kreislauf bleiben und wiederverwendet werden können.

Das Prinzip bezeichnet einen idealisierten, geschlossenen Rohstoffkreislauf nach dem Vorbild der Natur.

Urban Mining

In einer kreislaufgerechten Bauwirtschaft ist nicht nur der Aufbau, sondern auch der Rückbau und die Wiederverwendung im Entwurf berücksichtigt.

In einer kreislaufgerechten Bauwirtschaft ist nicht nur der Aufbau, sondern auch der Rückbau und die Wiederverwendung im Entwurf berücksichtigt.

Die Rückgewinnung von Baustoffen aus der gebauten Umwelt ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft.

Lehm

Der Lehmbau erlebt im Zuge aktueller Nachhaltigkeitsdebatten eine Renaissance, denn Lehm lässt sich meist lokal gewinnen.

Der Lehmbau erlebt im Zuge aktueller Nachhaltigkeitsdebatten eine Renaissance, denn Lehm lässt sich meist lokal gewinnen.

Der Jahrtausende alte Lehmbau erlebt gerade eine Renaissance – als Möglichkeit mit einem lokalen Baustoff umwelt- und gesundheitsverträglich zu bauen.

Stroh

Unter den Begriff Stroh fallen alle Arten von getrockneten Stängeln (der Pflanze zwischen Wurzel und Ähre) von Getreiden.

Unter den Begriff Stroh fallen alle Arten von getrockneten Stängeln (der Pflanze zwischen Wurzel und Ähre) von Getreiden.

Das regional verfügbare und nachwachsende Baumaterial hat eine höhe wärmedämmende Wirkung. Wie kann es für Wohnhäuser eingesetzt werden, was ist dabei zu beachten?

Holz

Fachwerkbau aus Holz und Ziegelausfachung in Norddeutschland (um 1800)

Fachwerkbau aus Holz und Ziegelausfachung in Norddeutschland (um 1800)

Über die Vorteile des nachwachsenden Baumaterials, das seit Jahrtausenden verwendet wird, und die vielfältigen Anwendungen in der Architektur.

Ökobilanz

In einer Lebenszyklusanalyse wird die ganze Lebensdauer des Gebäudes, die Bauphase, die Nutzungsphase mit möglichen Umnutzungen sowie Abriss und Entsorgung berücksichtigt, und es kann der Beitrag der Bauprodukte zur Energieeffizienz oder zu weiteren Aspekten nachhaltiger Bewirtschaftung eines Gebäudes dargestellt werden.

In einer Lebenszyklusanalyse wird die ganze Lebensdauer des Gebäudes, die Bauphase, die Nutzungsphase mit möglichen Umnutzungen sowie Abriss und Entsorgung berücksichtigt, und es kann der Beitrag der Bauprodukte zur Energieeffizienz oder zu weiteren Aspekten nachhaltiger Bewirtschaftung eines Gebäudes dargestellt werden.

Die Ökobilanz liefert eine systematische und standardisierte Datengrundlage, um aus Deklarationen einzelner Bauprodukte die ökologische Bewertung eines Bauwerks zu erstellen.

Rückbaubarkeit

Die einfache Trennbarkeit von Konstruktionen mit Materialien unterschiedlicher Lebensdauer ist ein wichtiges Kriterium der Rückbaubarkeit.

Die einfache Trennbarkeit von Konstruktionen mit Materialien unterschiedlicher Lebensdauer ist ein wichtiges Kriterium der Rückbaubarkeit.

Je einfacher ein Gebäude wieder in seine Bestandteile zerlegt werden kann, umso besser ist seine Eigenschaft „Rückbaubarkeit“ zu...

Mauersteine

Akustik-Klinker aus der Vormauerziegelserie Terca von Wienerberger

Akustik-Klinker aus der Vormauerziegelserie Terca von Wienerberger

Die Hauptbestandteile Kalk, Sand, Ton, Lehm und Wasser werden überwiegend in heimischen Regionen abgebaut und benötigen keine langen Transportwege.

Beton

Hightech-Beton lässt sich für die unterschiedlichsten Zwecke optimieren

Hightech-Beton lässt sich für die unterschiedlichsten Zwecke optimieren

Sand, Kies und Wasser in Kombination mit Zement aus Kalkstein und Ton – aus diesen vielerorts vorhandenen Stoffen besteht Beton....

Glas

Wesentliche Eigenschaft von Glas ist die Lichtdurchlässigkeit – allerdings nur für einen Teil des Lichtspektrums (im Bild: Punktgelagerte Überkopfverglasung der Neuen Messe Leipzig; gmp Architekten, 1996).

Wesentliche Eigenschaft von Glas ist die Lichtdurchlässigkeit – allerdings nur für einen Teil des Lichtspektrums (im Bild: Punktgelagerte Überkopfverglasung der Neuen Messe Leipzig; gmp Architekten, 1996).

Wesentliche Eigenschaft von Glas ist die Lichtdurchlässigkeit – allerdings nur für einen Teil des Lichtspektrums. Die Anordnung der Glasflächen hat großen Einfluss auf den Raumkomfort und Energiebedarf von Gebäuden.

Jetzt energetisch sanieren!

Sie planen eine energetische Sanierung? Der kostenfreie Linzmeier-Beratungsservice hilft Ihnen, die optimale Dämmung für Ihr Projekt zu finden.

Partner-Anzeige