Auswahl der Baustoffe

Herstellung, Dauerhaftigkeit, Wiederverwertbarkeit

Wer nachhaltig bauen möchte, sollte Baustoffe wählen, die aus nachwachsenden, gut recycelbaren und lange verfügbaren Rohstoffen bestehen. Zudem spielen die Lebensdauer und der Herstellungsprozess des Baustoffs oder -produkts eine ausschlaggebende Rolle für die Bewertung der Nachhaltigkeit.  Eine geringe Umweltbelastung von der Rohstoffgewinnung, der Baustoffherstellung, der Zulieferung, dem Einbau, der Nutzung, der Instandhaltung bis zum Rückbau, der Wiederverwendung, dem Recycling oder der Entsorgung sollte angestrebt werden.

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Um eine Aussage über die Nachhaltigkeit und die Umwelteinflüsse von Baustoffen treffen zu können, gibt es standardisierte, unabhängig geprüfte Datengrundlagen, wie etwa die Umweltproduktdeklarationen (englisch: Environmental Product Declaration, EPD). Darin sind ökobilanzbasierte Indikatoren enthalten, welche die Auswirkungen einzelner Produkte bzw. Baustoffe beispielsweise hinsichtlich des Treibhauspotenzials, der Schadstoffaspekte, der Nutzungsdauer, der Kreislauffähigkeit oder des Verbrauchs an grauer Energie (Primärenergieinhalt, kurz: PEI) beschreiben. Die Ressourceneffizienz spielt in den Produktdeklarationen nach DIN EN ISO 14025 - Umweltkennzeichnungen und -deklarationen und DIN EN 15804 Nachhaltigkeit von Bauwerken - Umweltproduktdeklarationen ebenfalls eine große Rolle: Diese beschreibt die Verwendung von rohstoffnahen Produktformen und lokal vorrätigen Materialien, die  daraus resultierenden kürzeren Transportwege und somit eine geringere Schadstoffbelastung. Der Vergleich der EPD ist nur dann sinnvoll, wenn die Grundvoraussetzungen der Betrachtung vergleichbar sind und die Produkte technisch möglichst gleichwertig sind. Im Idealfall werden auch die für die Lagerung, Wartung, Reinigung und Pflege notwendigen Ressourcen berücksichtigt. 

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Lebenszyklusbetrachtung

Ein Baustoff oder Bauteil sollte nie einzeln, sondern immer im Gebäudekontext betrachtet werden. Dies betrifft vor allem die Lebensdauer der unterschiedlichen Materialien. Gut geeignet sind Baustoffe mit ähnlich langen Lebenszyklen, denn so wird gewährleistet, dass weniger ausgetauscht werden muss und kein großer Aufwand und somit hohe Kosten durch Sanierungsmaßnahmen entstehen bzw. dass Baustoffe/-teile vor Ablauf ihres eigentlichen Lebenszyklus ausgebaut oder entsorgt werden müssen. Bei der Planung sollten möglichst recyclingfähige Materialien vorgezogen werden; besonders geeignet sind Baustoffe, die leicht austauschbar, gut trennbar und nicht fest miteinander verbunden sind. Eine materialreine Konstruktion, mit reversibler Verbundtechnik kann die Rückführung intakter Baustoffe oder Bauteile in den Kreislauf erheblich erleichtern. Eine materialgerechte Planung ist dabei unerlässlich, um einen unnötigen Ressourcenverbrauch –etwa durch Überdimensionierungen – zu vermeiden

Datenbank für die Bewertung 

Um Planende und Architekten bei der Auswahl von Produkten zu unterstützen, hat das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) die sogenannte ÖKOBAUDAT-Datenbank als Grundlage für die Gebäudeökobilanzierung eingerichtet. Die Datensätze sind sowohl generisch, als auch firmen- oder verbandsspezifisch und unterliegen strengen Qualitätsmerkmalen. Sie werden für die Bewertung mit unterschiedlichen Systemen, wie z.B. dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (kurz:BNB) oder der Nachhaltigkeitszertifizierung des DGNB genutzt.

In diesem Kapitel des BauNetz-Wissen-Themas Nachhaltig Bauen werden nach und nach alle wesentlichen Baustoffe im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeitsparameter vorgestellt. Als vergleichender Wert wird der Primärenergieinhalt angegeben. Doch auch hier gilt: Nicht immer ist der Baustoff mit dem geringsten PEI am besten geeignet; ein durchdachtes Gesamtkonzept mit der Berücksichtigung aller Faktoren ist entscheidend.

Fachwissen zum Thema

Umweltbundesamt in Dessau

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Nachweise/​Zertifikate

BNB: Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude

In Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat das Bundesministerium des Innern, für Bau und...

Die Kriterien der DGNB Zertifizierung sind mit den Anforderungen des Qulitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG) harmonisiert.

Die Kriterien der DGNB Zertifizierung sind mit den Anforderungen des Qulitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG) harmonisiert.

Nachweise/​Zertifikate

DGNB: Deutsches Nachhaltigkeitszertifikat

Die Non-Profit-Organisation hat eine neue internationale Version der Gebäudezertifizierung für Neubauten veröffentlicht und das Zertifizierungssystem für nachhaltige Quartiere erweitert.

Nachweise/​Zertifikate

Umweltproduktdeklarationen

Umweltzeichen geben Informationen über die Umweltauswirkungen einzelner Produkte bzw. Baustoffe, z.B. deren Beitrag zum...

Tipps zum Thema

Der DGNB Navigator unterstützt Architekturschaffende und Planende bei der Suche nach nachhaltigen Bauprodukten, die von Herstellern auf der Plattform präsentiert werden können.

Planungshilfen

DGNB Navigator

Die Online-Plattform informiert über Eigenschaften, Nachhaltigkeitskriterien und den Schadstoffgehalt spezifischer Bauprodukte.

Planungshilfen

Leitfaden Nachhaltiges Bauen

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit ist Herausgeber des Leitfaden Nachhaltiges Bauen. Er...

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Recyclingneu

Im Sinne des nachhaltigen Bauens soll beim Rückbau von Gebäuden und Gebäudeteilen ein möglichst hohes Maß an Recyclingfähigkeit sichergestellt werden.

Im Sinne des nachhaltigen Bauens soll beim Rückbau von Gebäuden und Gebäudeteilen ein möglichst hohes Maß an Recyclingfähigkeit sichergestellt werden.

Welche Faktoren sollten in der Planungsphase beachtet werden, damit Baumaterialien Teil einer Kreislaufwirtschaft sind?

Auswahl der Baustoffeneu

Bei der Herstellung eines Baustoffs oder -produktes dürfen nur sehr geringe Umweltbelastungen auftreten (Bild: Schafwolle).

Bei der Herstellung eines Baustoffs oder -produktes dürfen nur sehr geringe Umweltbelastungen auftreten (Bild: Schafwolle).

Verschiedene Kriterien beeinflussen die Einordnung in punkto Nachhaltigkeit: Die Rohstoffe, der Energieaufwand, die Recyclingfähigkeit, aber auch der materialgerechte Einsatz im Bauwerk.

Wärmedämmstoffeneu

Dämmmatte aus Hanf

Dämmmatte aus Hanf

Arten von Dämmstoffen und welche ökologischen und gesundheitlichen Aspekte zu berücksichtigen sind. 

Upcycling

Statt für den Straßenbau zu Splitt geschreddert, dient hier das Teilstück einer Betonwand als einzigartiger Türdrücker an einer Hauseingangstür.

Statt für den Straßenbau zu Splitt geschreddert, dient hier das Teilstück einer Betonwand als einzigartiger Türdrücker an einer Hauseingangstür.

Verarbeitung von Materialien oder Produkten nach ihrer ursprünglichen Nutzung zu hochwertigeren Erzeugnissen.

Design for Disassembly

Design for Disassembly strebt die Wiederverwertung bereits eingesetzter Bauteile und Materialien an.

Design for Disassembly strebt die Wiederverwertung bereits eingesetzter Bauteile und Materialien an.

Die nachhaltige Planungsstrategie setzt Impulse für rückbaubare Gebäude, die als Ganzes oder in Teilen demontiert und wiederverwendet werden können.

Cradle-to-Cradle-Prinzip

Das C2C-Prinzip bezeichnet einen idealisierten, geschlossenen Rohstoffkreislauf nach dem Vorbild der Natur, bei dem alle Rohstoffe eines Produkts nach dem Nutzungszeitraum zu 100% im Kreislauf bleiben und wiederverwendet werden können.

Das C2C-Prinzip bezeichnet einen idealisierten, geschlossenen Rohstoffkreislauf nach dem Vorbild der Natur, bei dem alle Rohstoffe eines Produkts nach dem Nutzungszeitraum zu 100% im Kreislauf bleiben und wiederverwendet werden können.

Das Prinzip bezeichnet einen idealisierten, geschlossenen Rohstoffkreislauf nach dem Vorbild der Natur.

Urban Mining

In einer kreislaufgerechten Bauwirtschaft ist nicht nur der Aufbau, sondern auch der Rückbau und die Wiederverwendung im Entwurf berücksichtigt.

In einer kreislaufgerechten Bauwirtschaft ist nicht nur der Aufbau, sondern auch der Rückbau und die Wiederverwendung im Entwurf berücksichtigt.

Die Rückgewinnung von Baustoffen aus der gebauten Umwelt ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft.

Lehm

Der Lehmbau erlebt im Zuge aktueller Nachhaltigkeitsdebatten eine Renaissance, denn Lehm lässt sich meist lokal gewinnen.

Der Lehmbau erlebt im Zuge aktueller Nachhaltigkeitsdebatten eine Renaissance, denn Lehm lässt sich meist lokal gewinnen.

Der Jahrtausende alte Lehmbau erlebt gerade eine Renaissance – als Möglichkeit mit einem lokalen Baustoff umwelt- und gesundheitsverträglich zu bauen.

Stroh

Unter den Begriff Stroh fallen alle Arten von getrockneten Stängeln (der Pflanze zwischen Wurzel und Ähre) von Getreiden.

Unter den Begriff Stroh fallen alle Arten von getrockneten Stängeln (der Pflanze zwischen Wurzel und Ähre) von Getreiden.

Das regional verfügbare und nachwachsende Baumaterial hat eine höhe wärmedämmende Wirkung. Wie kann es für Wohnhäuser eingesetzt werden, was ist dabei zu beachten?

Holz

Fachwerkbau aus Holz und Ziegelausfachung in Norddeutschland (um 1800)

Fachwerkbau aus Holz und Ziegelausfachung in Norddeutschland (um 1800)

Über die Vorteile des nachwachsenden Baumaterials, das seit Jahrtausenden verwendet wird, und die vielfältigen Anwendungen in der Architektur.

Ökobilanz

In einer Lebenszyklusanalyse wird die ganze Lebensdauer des Gebäudes, die Bauphase, die Nutzungsphase mit möglichen Umnutzungen sowie Abriss und Entsorgung berücksichtigt, und es kann der Beitrag der Bauprodukte zur Energieeffizienz oder zu weiteren Aspekten nachhaltiger Bewirtschaftung eines Gebäudes dargestellt werden.

In einer Lebenszyklusanalyse wird die ganze Lebensdauer des Gebäudes, die Bauphase, die Nutzungsphase mit möglichen Umnutzungen sowie Abriss und Entsorgung berücksichtigt, und es kann der Beitrag der Bauprodukte zur Energieeffizienz oder zu weiteren Aspekten nachhaltiger Bewirtschaftung eines Gebäudes dargestellt werden.

Die Ökobilanz liefert eine systematische und standardisierte Datengrundlage, um aus Deklarationen einzelner Bauprodukte die ökologische Bewertung eines Bauwerks zu erstellen.

Rückbaubarkeit

Die einfache Trennbarkeit von Konstruktionen mit Materialien unterschiedlicher Lebensdauer ist ein wichtiges Kriterium der Rückbaubarkeit.

Die einfache Trennbarkeit von Konstruktionen mit Materialien unterschiedlicher Lebensdauer ist ein wichtiges Kriterium der Rückbaubarkeit.

Je einfacher ein Gebäude wieder in seine Bestandteile zerlegt werden kann, umso besser ist seine Eigenschaft „Rückbaubarkeit“ zu...

Mauersteine

Akustik-Klinker aus der Vormauerziegelserie Terca von Wienerberger

Akustik-Klinker aus der Vormauerziegelserie Terca von Wienerberger

Die Hauptbestandteile Kalk, Sand, Ton, Lehm und Wasser werden überwiegend in heimischen Regionen abgebaut und benötigen keine langen Transportwege.

Beton

Hightech-Beton lässt sich für die unterschiedlichsten Zwecke optimieren

Hightech-Beton lässt sich für die unterschiedlichsten Zwecke optimieren

Sand, Kies und Wasser in Kombination mit Zement aus Kalkstein und Ton – aus diesen vielerorts vorhandenen Stoffen besteht Beton....

Glas

Wesentliche Eigenschaft von Glas ist die Lichtdurchlässigkeit – allerdings nur für einen Teil des Lichtspektrums (im Bild: Punktgelagerte Überkopfverglasung der Neuen Messe Leipzig; gmp Architekten, 1996).

Wesentliche Eigenschaft von Glas ist die Lichtdurchlässigkeit – allerdings nur für einen Teil des Lichtspektrums (im Bild: Punktgelagerte Überkopfverglasung der Neuen Messe Leipzig; gmp Architekten, 1996).

Wesentliche Eigenschaft von Glas ist die Lichtdurchlässigkeit – allerdings nur für einen Teil des Lichtspektrums. Die Anordnung der Glasflächen hat großen Einfluss auf den Raumkomfort und Energiebedarf von Gebäuden.