Beschäftigungshilfe De Flo in Köln

Soziale Teilhabe hinter monolithischem Mauerwerk

Soziale Infrastruktur bleibt im Stadtbild oft unsichtbar – und damit auch die Menschen, denen sie dient. Das Projekt De Flo in Köln sucht bewusst die Nähe zur Stadt – räumlich, konstruktiv und programmatisch. Der Neubau versteht sich als Weiterentwicklung des bestehenden Standorts sowie als architektonische und soziale Ergänzung des Quartiers.

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Altes Angebot, neue Chancen

Die Beschäftigungshilfe De Flo ist ein seit Jahrzehnten bestehendes Angebot des Sozialdienstes Katholischer Männer. Sie bietet Arbeit und Beratung für erwerbsfähige sowie nicht voll erwerbsgeminderte Menschen (geschlechtsunabhängig). Zu den Arbeitsmöglichkeiten gehören Transporte, Umzüge, Wohnungsauflösungen, Möbelaufarbeitungen und -herstellungen in der Holzwerkstatt sowie Tätigkeiten im Gebrauchtwarenkaufhaus, beim Recycling, bei Renovierungen und in der Garten- und Landschaftspflege. Ausgangspunkt der Neustrukturierung des Standorts an der Florastraße war eine sanierungsbedürftige Nachkriegsbebauung, deren baulichen und funktionalen Grenzen den gewachsenen Anforderungen nicht mehr gerecht wurden. Der Entwurf von Kastner Pichler Schorn Architekten sieht ein nutzungsgemischtes Gebäude vor, das Wohnen, Beschäftigung und Begegnung unter einem Dach bündelt und zugleich als städtebauliche Reparatur im Blockgefüge wirkt. 

Einbindung in die Nachbarschaft – architektonisch und sozial

Der langgestreckte fünfgeschossige Neubau mit Satteldach übernimmt die Höhen, Fluchten und Körnungen der umliegenden Blockrandbebauung. Durch Staffelungen und eine differenzierte Anordnung der Fensteröffnungen wird die große Baumasse kleinteilig gegliedert. Die einheitliche, grau verputzte Fassade mit einzelnen unregelmäßig angeordneten weißen Fensterfaschen fasst die unterschiedlichen Nutzungen zusammen.

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Das Projekt erweitert die bestehende Einrichtung um drei Wohngemeinschaften mit 17 Einzelzimmern sowie zwanzig Appartements für ambulantes Wohnen. Ergänzt wird das Wohnangebot durch gemeinschaftlich genutzte Dachterrassen, Loggien und Balkone mit Blick auf den Kölner Dom. Im Erdgeschoss verankern eine Begegnungsstätte, ein Café sowie Verkaufsflächen für aufgearbeitete Recyclingprodukte das Haus im Quartier und schaffen niederschwellige Kontaktpunkte zwischen Bewohnerschaft und Nachbarschaft.

Ein besonderer Wert wurde auf die Einbindung der Beschäftigungshilfe in Planung und Realisierung gelegt: Die Möbel für die Bewohnerzimmer, das Café und die Verkaufsbereiche wurden in der hauseigenen Holzwerkstatt hergestellt oder aus vorhandenen Beständen aufgearbeitet. Oberflächenarbeiten wurden teilweise von Mitarbeitenden der Einrichtung ausgeführt. So verbinden sich das sozialpädagogische Konzept und die bauliche Umsetzung – bei einer hohen Qualität und vergleichsweise geringen Kosten.

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Tragstruktur mit Flexibilität 

Die Konstruktion basiert auf einer klaren Trennung von Tragstruktur und Ausbau. Ein offenes Stahlbetonskelett bildet das statische Rückgrat des Gebäudes und ermöglicht langfristig Flexibilität für Grundrissänderungen oder Umnutzungen. Die Treppenhaus- und Untergeschosswände sind in 25 cm starkem Stahlbeton ausgeführt, ebenso die Geschossdecken mit einer Regelstärke von 23 cm. Die Lastabtragung erfolgt über Stahlbetonstützen mit einem Querschnitt von 30 x 30 cm sowie über die tragenden Außenwände.

Monolithisches Mauerwerk

Die Außenwände sind als monolithisches, einschaliges Mauerwerk aus porosierten Hochlochziegeln mit integrierter Mineralwolledämmung ohne zusätzliches Wärmedämmverbundsystem ausgeführt. Abhängig von der statischen Anforderung variiert die Wandstärke; im ersten Obergeschoss beträgt sie 42,5 cm, im zweiten bis fünften Obergeschoss 30 cm. Die Steine wurden auf Stoß verlegt und verzahnt, also ohne Mörtel in der Stirnfuge, was Wärmebrücken minimiert. Die Lagerfugen sind mit Normalmörtel MG IIa vermauert. Das Mauerwerk weist eine Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,10 W/mK (Rohdichteklasse 0,80) sowie die Druckfestigkeitsklasse 12 auf. 

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Die Dachkonstruktion besteht aus einem Holztragwerk mit Ziegeldeckung. In der Summe entsteht so ein ressourcenschonendes, langlebiges Trag- und Hüllsystem. Die sichtbar belassenen Betondecken im Inneren reduzieren außerdem den Ausbauaufwand und den Materialverbrauch. Die Wärmeversorgung erfolgt über einen Anschluss an das Fernwärmenetz.

Vorbild auf mehreren Ebenen

Das Projekt ist vorbildlich, weil es einen ansprechenden und barrierefreien Wohnraum für diejenigen schafft, die in einem Ballungsgebiet keinen Zugang zum Wohnungsmarkt haben. Diesen Anspruch führen die Architekt*innen mit der Anpassungsfähigkeit des Gebäudes und seiner monolithischen, einfachen und dauerhaften Bauweise konsequent fort.

Das Projekt erhielt den Iconic Award 2025 in der Kategorie Architecture – Healthcare sowie die Auszeichnung Wohnbauten des Jahres 2024 des Callwey Verlags.

Bautafel

Architektur: Kastner Pichler Schorn Architekten, Köln
Projektteam: Philipp Brummer, Kareem El Nems, Dirk Nowitzki, Emilia Schulz, Artur Starosczik, Anwar Taha, Elena Tzintala, Konstantin Pichler
Bauherr*in: Sozialdienst Katholischer Männer e.V., Köln
Standort: Florastraße 114 - 122, 50733 Köln, Deutschland
Fertigstellung: 2022
Bildnachweis: Mia ter Horst

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