Sanierung des Studentendorfs Schlachtensee in Berlin

Innendämmung für Ziegelsplittmauerwerk

Als West-Berlins Regierender Bürgermeister Willi Brandt 1957 zusammen mit der Amerikanerin Eleanor Lansing Dulles den Grundstein für das Studentendorf Schlachtensee legte, hatte dies höchste symbolische Strahlkraft: Schließlich sollte hier nicht einfach Wohnraum für Studenten geschaffen werden. Vielmehr sollten die 7,5 Millionen Mark, die das amerikanische State Department der Freien Universität im Zuge der Re-Education gestiftet hatte, einem gesellschaftspolitischen Ideal Gestalt verleihen: Eine Studentensiedlung, die das „gemeinsame Lernen und demokratische Wohnen“ fördern sollte.

Gallerie

Dass dieses Ideal des „freiheitlichen und demokratischen Miteinanders“ auch baulich einen adäquaten Ausdruck fand, ist den Architekten Hermann Fehling, Daniel Gogel und Peter Pfankuch zu verdanken. Sie haben auf einer von Hermann Mattern gestalteten, terrassierten Grünfläche 27 Wohnhäuser - mit jeweils wiederum 25 bis 30 Studentenzimmern - um einen zentralen Platz gruppiert und dabei Wohnraum für 565 Bewohner geschaffen. Die einfachen Baukörper mit schlichten Fassaden zollten den gesellschaftspolitischen Maximen ebenso Respekt wie die Gewichtung der Räume: Die 9,6 m² großen Studentenbuden fielen eher spartanisch aus zugunsten großzügiger, natürlich belichteter Treppenhäuser sowie gemeinsam genutzter Küchen und Aufenthaltsräume, die allesamt die "Gemeinschaft und den Diskurs" fördern sollten.

Obwohl das um drei Häuser erweiterte Ensemble 1991 unter Denkmalschutz gestellt wurde, war es im Laufe der folgenden Jahre immer wieder vom Abriss bedroht - massive Proteste verhinderten dies. Als die Genossenschaft „Studentendorf Berlin-Schlachtensee" das Dorf 2003 durch einen Senatsbeschluss erwerben konnte, war schließlich der Weg für die Sanierung des 2006 zum Nationalen Denkmal erklärten Studentendorfs bereitet.

Die Berliner Architekten Autzen & Reimers sanierten in einem ersten Bauabschnitt das Haus Nummer 8. Neben vorhandenen Bauschäden und einer mangelhaften Wärmedämmung waren auch die allzu spartanischen Studentenzimmer problematisch: Um das Haus vermietbar zu machen, mussten die Architekten zunächst die Grundrisse überarbeiten - ohne dabei jedoch die Besonderheit der großzügigen Gemeinschaftsflächen zu opfern. Sie schufen zwei neue Grundrisstypen. Ein Apartment mit Kochzeile und Bad, indem sie die Wand zwischen zwei Zimmern entfernten, die zweite Variante entstand durch den Umbau eines mittig liegenden Zimmers zum gemeinschaftlich genutzten Bad. Maximal vier verbleibende Zimmer teilen sich nun die bisherige Gemeinschaftsdusche.

Mauerwerk
Ein wesentlicher Kernpunkt der Modernisierung der Studentenhäuser ist ihre nachhaltige bautechnische Sanierung. Die Außenwände aus 24 cm dicken Ziegelsplittsteinen mit Innenputz und einem äußeren Edelputz waren den Bestimmungen der EnEV bei weitem nicht mehr gewachsen. Eine reguläre Außenwanddämmung kam aus Gründen der Proportion und des Denkmalschutzes nicht in Frage, gleichwohl musste aus energetischen Gründen ein Kompromiss gefunden werden.

Die Lösung fanden die Architekten in einer inneren Wärmevorsatzschale aus 12 cm starken Kalziumsilikatplatten, die ausschließlich im Brüstungsbereich zum Einsatz kommt. Außen wurden alle Putzflächen vollständig abgeschlagen und durch 40 mm dicke Wärmedämmplatten ersetzt. Auf diese wurde wiederum der originale graue bzw. weiße Kratzputz aufgebracht. Die bestehenden einschaligen Stahlprofile der Fenster wichen thermisch getrennten Profilen. Die 30 bzw. 60 mm starke Mineralwolldämmung der Paneele wurde durch 100 mm dicke Zelluloseeinblasdämmung ersetzt und die Dächer sowie Attiken zusätzlich gedämmt.

Nach der Fertigstellung von Haus 8 sollen nun im ersten und zweiten Bauabschnitt weitere Häuser saniert werden und damit ein Stück Kultur- und Architekturgeschichte neu beleben.

Bautafel

Architekten: Hermann Fehling, Daniel Gogel und Peter Pfannkuch, Berlin (Fertigstellung 1959); Autzen & Reimers, Berlin (Sanierung 2008)
Bauherren: Genossenschaft Studentendorf Schlachtensee, Berlin
Projektbeteiligte: Energiebüro Berlin (Energiekonzept); Alexander Pohl, Bernau (Tragwerksplanung); Christine Becker, Berlin (Denkmalpflege/Restauratorin)
Fertigstellung: 1959 / Sanierung Haus 8: 2008
Standort: Wasgenstraße 75, Berlin
Bildnachweis: Autzen & Reimers, Berlin; Alfred Englert, Berlin; Genossenschaft Studentendorf Schlachtensee, Berlin; Arlett Mattescheck, Berlin

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