Altenpflegeheim in Herten-Westerholt

Kalksandstein für ein gutes Raumklima

Welche besonderen Bedürfnisse haben ältere und zum Teil an Demenz erkrankte Menschen? Und welche Umgebung gibt ihnen ein hohes Maß an Freiheit und zugleich die nötige Sicherheit? Diese Fragen stellten sich die Bochumer Architekten von Tor 5 zu Beginn ihres Entwurfes für ein Altenpflegeheim in Herten-Westerholt.

Gallerie

In enger Abstimmung mit den Nutzern planten die Architekten einen Neubau, der neben einem ausgeklügelten Farb- und Raumkonzept auch ein hohes Maß an Energieeffizienz aufweist. Das Gebäude ist Teil einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme auf dem Areal einer ehemaligen Gärtnerei. Die Pflegeeinrichtung und eine benachbarte, ebenfalls von Tor 5 errichtete Seniorenwohnanlage mit 36 Appartments sollen mit benachbarten Stadthäusern, grünen Höfen und einem Park zu einem neuen innerstädtischen Quartier zusammenwachsen.

Im Ortskern von Westerholt, unmittelbar an Bahngleisen gelegen, stellte das Grundstück erhöhte Anforderungen an den Schallschutz. Dem begegneten die Architekten durch die Ausrichtung des Gebäudes: Die einfache Grundstruktur der beiden Häuser bildet entlang des vorhandenen Bahndamms eine geschlossene Kubatur, während sie sich zum zukünftigen Stadtteilpark und zum Quartier öffnet. Der im rückwärtigen Teil voll verglaste Gebäudeeinschnitt markiert den Eingang und rahmt einen geschützten Außenbereich für die Bewohner. Die neu entstandenen Wohneinheiten für 80 Personen umgeben, ähnlich einer dörflichen Struktur, das Zentrum mit lichten und offenen Gemeinschaftsräumen.

Als zentrales Gestaltungselement haben die Architekten in Zusammenarbeit mit Friedrich Schmuck von der Folkwang Hochschule Essen ein Farbkonzept entwickelt, das zwischen öffentlichem und privatem Raum differenziert und so den Bewohnern die Orientierung erleichtert. Da das Farbkonzept sich auch auf den Fassaden fortsetzt, ist die räumliche Struktur auch von außen ablesbar. Im Erdgeschoss finden sich alle Therapie- und Gemeinschaftsräume, außerdem auch Lager- und Verwaltungsbereiche. Im ersten und zweiten Obergeschoss liegen die regulären Pflegezimmer. Das Staffelgeschoss mit zwei großen Dachterrassen schließlich ist den an Demenz erkrankten Bewohnern vorbehalten. 1,80 m hohe Absturzsicherungen aus Glas sorgen für ausreichende Sicherheit und gewähren trotzdem den freien Ausblick. An Demenz erkrankte Menschen haben zumeist einen erhöhten Bewegungsdrang. Um ihnen in diesem Punkt maximale Freiheit zu geben, wurden die Stationen so gestaltet, dass sich die Bewohner auf ihrer Etage frei (auch barrierefrei) bewegen können. Kurze Wege innerhalb der Stationen, ein gutes Raumklima und hochwertige Materialien (z.B. Eichenparkett und Linoleum) tragen zum Wohlbefinden der Bewohner und Pflegekräfte bei.

Mauerwerk
Alle Wände - die tragenden Außen- und die nicht tragenden Innenwände - wurden aus Kalksandstein-Planelementen gefertigt. Für diesen Baustoff sprechen sowohl seine Dämmeigenschaften als auch das damit einhergehende gute Raumklima. Außerdem sind die großformatigen Steine sehr ökonomisch zu verbauen. Um einen ausreichenden Wärmeschutz zu erreichen, erhielten die tragenden Wände aus 24 cm dicken KS XL Planelementen eine 16 cm starke Wärmedämmung aus EPS Hartschaumplatten, die wiederum von einer 2 cm dicken Putzschicht gegen Witterungseinflüsse geschützt wird. Wo nötig, wurden aus Brandschutzgründen anstelle der EPS-Platten mineralische Dämmplatten verwendet. Ein integraler Bestandteil der Wärmedämmverbundfassade ist ein durchgehendes Putzprofil als unterer Abschluss der farbigen Putzflächen und als Fensterbank. Dies ermöglichte einen wärmebrückenreduzierten Anschluss an die hoch dämmenden Fenster.

Durch die kompakte Bauform der beiden Häuser und die verwendeten Materialien weist der Neubau eine ausgesprochen gute Energiebilanz auf. Dies wird unterstützt durch zentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sowie Lüftungsleitungen in den Rohdecken und Kraft-Wärmekopplung bei Nah- und Fernwärme. Insgesamt gilt das Projekt als KfW-40-Gebäude.

Das Projekt wurde im Rahmen des von Xella Deutschland ausgelobten Wettbewerbs Klima-Architektur 2009 mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Die Jury zeigte sich beeindruckt von dem Ansatz der Bochumer Architekten, „Klimaarchitektur nicht nur als Thema der Energieeffizienz im Sinne einer Minimierung des Heizwärmebedarfs zu betrachten, sondern vielmehr als Erfüllung menschlicher Bedürfnisse im Sinne eines guten Wohn- und Arbeitsklimas.“

Bautafel

Architekten: Tor 5 Architekten, Bochum; Markus Wüllner, Herfried Langer, Martin Kolander, Jörg Wappelhorst
Projektbeteiligte: KSV Engeneering, Marl (Fachplaner); Ingenieurbüro Vonnahme, Oer-Erkenschwick (Tragwerksplanung); Farb-Bau, Dinslaken, F. Schmuck (Farbkonzept Innenräume); Silka, Duisburg (Kalksandstein XL PE); Brillux, Münster (Putzsystem)
Bauherr: Wohnungsgenossenschaft Herne Süd
Fertigstellung: 2008
Standort: Herten-Westerholt

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